Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 07.09.2018


Mietpreise in Tirol

Der Schlüssel zur Billigmiete

Dass Innsbrucks Vermieter hohe Mieten verlangen, ist kein Geheimnis. Dass viele Mieter aber gar nicht so viel zahlen müssten, schon. Die Schlichtungsstelle hilft.

© E+Altbauwohnungen, die vor 1945 bzw. 1953 errichtet wurden, unterliegen dem Mietrechtsgesetz. Ihr Mietzins sollte sich nach einem gesetzlich vorgegebenen Wert richten. Dieser beträgt 6,81 Euro in Tirol.



Von Evelin Stark

Innsbruck – Die Miete ist ein heikles Thema. Sie ist in vielen Fällen zu hoch, und das nicht nur gefühlt. Die gute Nachricht: Der Mietpreis kann durch ein Gutachten überprüft und entsprechend angepasst werden – auch im Nachhinein.

Wohnungen, die vor 1945 bzw. 1953 errichtet wurden, unterliegen dem so genannten Mietrechtsgesetz, das auch die Höhe der Miete regelt. „Das Gesetz gibt Richtwerte für den Mietzins pro Quadratmeter vor, die in allen Bundesländern unterschiedlich sind. In Tirol ist er bei 6,81 Euro pro Quadratmeter festgesetzt“, sagt Herta Trummer vom Mieterschutz-Verband Tirol. In Wien liegt der Richtwert im Vergleich bei 5,58, während er in Vorarlberg bei 8,75 Euro liegt.

Dennoch zeigt Innsbruck das höchste Mietzinsniveau der Republik auf. „Der Vermieter kann verlangen, was er will. In Innsbruck liegen die Mietpreise bei zehn bis zwölf Euro pro Quadratmeter“, so Trummer. Der fast doppelte Preis zum Richtwert sei auf das Angebot-und-Nachfrage-Prinzip zurückzuführen: Der Wohnraum wird kaum mehr, dafür aber die Wohnungssuchenden. Speziell den Mangel an öffentlichem Wohnbau kritisiert Trummer.

„Eine große Rolle spielen in Innsbruck die Studenten, die die Preise nach oben treiben“, sagt Daniela Immitzer von der Schlichtungsstelle I der Stadt Innsbruck. Ihr Job ist es unter anderem, Richtwertmieten zu überprüfen. „Es herrscht viel Unkenntnis bei den Vermietern. Viele wissen nämlich gar nicht, dass es einen vorgeschriebenen Mietzins gibt“, so Immitzer. Dieser gelte auch bei neu sanierten Altbauwohnungen und Aushöhlungen, denn: „Das Baudatum zählt.“

Das Ziel ihrer Arbeit sei es – kostenlos – als neutrale Stelle zwischen Mieter und Eigentümer zu schlichten und das Bezirksgericht zu entlasten, erklärt Immitzer. Das wäre nämlich die nächste Instanz. Anhand eines Gutachtens vor Ort stelle sie fest, welche Zuschläge zum Richtwert hinzukämen. Solche Zuschläge kann es zum Beispiel für die Lage einer Wohnung geben. Balkon, Terrasse und Garten spielen hierbei ebenso eine Rolle wie Parknähe oder Öffi-Anbindung. Es gibt aber auch Abschläge – so etwa, wenn die Wohnung direkt an einer Straße liegt.

„Es ist tatsächlich so, dass die Miete meistens überhöht ist“, sagt Immitzer. Wenn ein Mieter einen Antrag bei der Schlichtungsstelle einreicht und ihr Gutachten hat ergeben, dass der Vermieter zu viel verlangt, muss dieser die Differenz zurückzahlen.

Hier gilt: Bei unbefristeten Verträgen ist die Rückforderung bis zu drei Jahre nach Abschluss des Mietvertrages möglich. Bei befristeten Verträgen endet die Frist zur Überprüfung sechs Monate nach Auflösung des Mietverhältnisses. Grundsätzlich gilt für alle eine zehnjährige Verjährungsfrist.

Die Befristung bringt noch mehr Gutes mit sich: „Wird ein Mietverhältnis zeitlich befristet, muss der Vermieter einen 25-prozentigen Befristungsabschlag vom Mietzins vornehmen“, erklärt Trummer. Das ist der größte Brocken, den viele Vermieter ebenso unter den Tisch fallen lassen wie den Richtwert.

Und jetzt kommt die Krux: Jeder Mieter, der während eines befristeten Mietvertrages den Weg des Einforderns der Differenz zum tatsächlichen Mietzins geht, riskiert damit, dass sein Vermieter das Mietverhältnis schnellstmöglich beendet. Aber es geht ja auch noch nach dem Auszug.




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