Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 04.10.2018


Bezirk Schwaz

Kreative Projekte bereichern Region Schwaz-Achental

Von der Wunschomi, der Rolle der Frau auf dem Land bis hin zur Vermarktung heimischer Lebensmittel – das Regionalmanagement Schwaz-Achental hat rund 67.000 € in sieben Projekte investiert. Weitere sollen folgen.

© FankhauserAls erstes Projekt des Regionalmanagements Schwaz-Achental durften die Volksschüler der Region das Almleben in der Eng kennen lernen.Foto: Fankhauser



Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz, Steinberg a. R. – Das Leben am Bauernhof ist vielen Migrantinnen in der Region unbekannt. Was machen die Bäuerinnen den ganzen Tag? Welche Tiere werden gehalten und welche Produkte werden hergestellt? Diese Fragen sollen am Enterhof in Steinberg am Rofan beantwortet werden. Dorthin fahren nämlich rund 16 Frauen mit Fluchtgeschichte am Freitag. Sie sollen das Rollenbild und die Stellung der Frau in Österreich – vor allem im ländlichen Bereich – hautnah kennen lernen. Gelebte Tradition, Kultur, heimische Produkte und die Tierhaltung sind auch Thema.

„Ich zeige ihnen unseren Hof, wie und wo wir die Tiere halten, die Wiese, wo unsere Kühe grasen, oder wie wir unsere Eier verpacken“, sagt Gabi Thumer. Die Ortsbäuerin aus Steinberg war sofort begeistert, als das Regionalmanagement Schwaz-Achental und das Freiwilligenzentrum Schwaz mit dieser Idee auf sie zukamen. Die Migrantinnen sind Teilnehmer des Projektes Marjam, wo heimische Frauen die Patenschaft für Frauen mit Fluchthintergrund übernehmen und ihnen im Alltag zur Seite stehen. „Integration soll keine Einbahnstraße sein. Wir wollen von unserer Seite auch etwas einbringen und zeigen, dass die Bäuerin am Hof ihre eigene Chefin ist“, sagt Karin Gasser vom Regionalmanagement. Auch ein Besuch am örtlichen Bauernmarkt steht auf dem Programm.

Seit der Gründung des Regionalmanagements vor wenigen Monaten wurden bereits sieben Projekte gefördert (siehe Factbox). Oftmals bedarf es nur einer kleinen Finanzspritze, damit Projekte ins Rollen kommen, wie etwa bei der Speisekammer Schwaz oder dem Coworking Space. Jeder könne an das Regionalmanagement mit Ideen für die Region herantreten. Manchmal ergreift das Gremium aber auch selbst die Initiative – wie beim Projekt „Wunschgroßeltern“.

Bisherige Projekte

Volksschulexkursion: Schüler lernten in der Engalm das Almleben und regionale Lebensmittel kennen.

Marjam am Bauernhof: Interkultureller Ausflug mit Migrantinnen nach Steinberg am Rofan, um das Rollenbild der Tirolerin kennen zu lernen.

Speisekammer Schwaz: Vernetzung regionaler Produzenten und privater Abnehmer.

Coworking Schwaz: Gemeinsamer, geteilter Arbeitsplatz für Startups, Kleinunternehmen etc.

Zeitenblicke: Frei zugängliche Plattform alter Fotos bzw. Zeitdokumente aus der Region.

Wunschoma/Wunschopa: Vernetzung von Alt und Jung zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Potenzialstudie Liftanlagen und Wintersport in der Silberregion Karwendel: Touristische Weiterentwicklung der Gesamt-Region vorantreiben.

Egal ob Zuwanderer oder zugezogene Jungfamilien – oftmals wohnen die Großeltern nicht in der Nähe. „Manchmal wäre es aber fein, wenn man eine Oma oder einen Opa dahätte oder sich eben ausleihen könnte“, sagt Gasser. Es solle ein Geben und Nehmen auf ehrenamtlicher Basis sein. „Wir treten quasi als Vermittlungsplattform auf und bringen Jung und Alt zusammen“, erklärt Gasser. Laut ihr gebe es in der Region einen großen Bedarf an Bezugs- und Betreuungspersonen, die wie Großeltern einspringen können. Gerade an Wochenenden, Feiertagen oder den Tagesrandzeiten ist die Kinderbetreuung für junge Familien oft eine Herausforderung. Umgekehrt gebe es auch viele Menschen ab 55 Jahren, die gerne Zeit mit Kindern verbringen. „Auf mich ist z.B. schon eine junge Mutter aus Deutschland zugekommen, die für ihre Kinder gerne eine Tiroler Oma hätte“, sagt Gasser. Die Omas und Opas erhalten zudem einen Erste-Hilfe-Kurs und müssen ein Leumundzeugnis vorlegen. „Es geht hier nicht um Geld, das ist kein Babysitter-Service, sondern um Beziehung“, sagt Gasser. Interessierte können sich jederzeit beim Regionalmanagement melden.

Gerade angelaufen ist auch das Projekt „Potenzialstudie Liftanlagen und Wintersport in der Silberregion Karwendel“ des Tourismusverbandes. Man wolle das Alleinstellungsmerkmal der Region herausarbeiten und Potenziale ausschöpfen. „Wir sind kein Zillertal. Aber das Skifahren kann man hier in der Region sehr gut erlernen“, sagt Gasser. Man wolle zur „Schule des Wintersports“ für Gäste und Einheimische werden. Aber auch abseits der Piste soll ein attraktiveres Angebote entstehen. Geplant ist ein Strategieplan für die gesamte Region, der dann etappenweise umgesetzt werden könne und die Region stärken soll.




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