Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 12.10.2018


Tourentipp

220 Meter über dem Boden

Eine familientaugliche Herbstwanderung ist oberhalb von Längenfeld möglich: Zunächst geht es zur Brandalm, die noch kurz offen hat, danach über eine spektakuläre Hängebrücke – mit eigener Hundespur.

© RappEin Highlight der Wanderung: die Hängebrücke.



Von Irene Rapp

Längenfeld – Fällt das Wort Längenfeld, denkt man vor allem an die Therme Aqua Dome. In Längenfeld gibt es aber auch sehr viele Kapellen – dazu später – und eine spektakuläre Hängebrücke. Letztere haben wir am vergangenen Samstag im Rahmen einer idyllischen Herbstwanderung begangen. Zuvor kehrten wir noch in der auf einem traumhaften Platz gelegenen Brand- alm auf 1385 Metern Höhe ein. Alles in allem eine gemütliche Runde, die man gut mit Kindern machen kann und – großes Plus – die Brandalm hat noch einige Tage geöffnet und lädt zum Verweilen ein.

Erste Station ist die Brandalm.
- Rapp

So kommt man hin: Ins Ötztal nach Längenfeld und dort im Ortszentrum einen Parkplatz suchen (gibt es mehrere). Wir haben die Runde direkt beim Fischbach gestartet (dazu an der Kirche vorbei talauswärts, vor einer Brücke rechts hinauf – beschildert). Auf einer Straße an einigen Häusern vorbei, dann wieder über eine Brücke auf die linke Bachseite.

Noch einige Meter weiter, dann wieder auf die rechte Seite des Baches. Auf einem breiten Forstweg geht es kurz bergauf, bis man zur Strelesperre kommt. Hier hält eine Staumauer den Fischbach in Zaum, der laut einer Infotafel als größter und gefährlichster Wildbach des Ötztales gilt. Zahlreiche Katastrophen hatte das früher zur Folge, dann wurde an dieser Stelle das Wildwasser durch eine ungewöhnliche Konstruktion gezähmt, die vor rund 100 Jahren errichtet worden ist.

Bei diesem Schutzbau zeigt auch eine Holzkonstruktion den Weiterweg an. Über Stufen und eine Brücke, die über den Aufstiegsweg führt, taucht man in die sich in die Höhe ziehende Wand ein. Steile Treppen – mal aus Stahl, mal aus Holz – führen nun in einem herbstlichen Mischwald hinauf. Immer wieder hört man den Fischbach rauschen, dann wird es leiser.

Die Brandalm wartet mit einer Kapelle auf.
- Rapp

Man erreicht einen Forstweg, auf dem man die Brand- alm vom Dorf herauf ebenfalls erreichen kann, hält sich links und geht nun nur noch wenige Meter, bis man „ins Freie“ kommt: Will heißen, man lässt den Wald hinter sich und steht plötzlich auf einer schönen, freien Fläche. Links im Vordergrund sieht man die Brand­alm, auf der anderen Talseite u. a. die Fünffingerspitze. Die auf 1385 Metern gelegene Brandalm wird von Rita und Siegfried Jordan bewirtschaftet. Die Gebäude dienen als Hauptwohnsitz, auch eine Kapelle gibt es.

„Die Leute sagen immer, wie schön es hier ist, die viele Arbeit sehen sie aber nicht“, erzählt Siegfried Jordan lachend. Er bewirtschaftet u. a. rund sechs Hektar Land. Einige der vielen Tiere – Ziegen, Schafe und Hängebauchschweine – erfreuen Kinder in einem Streichelzoo.

Die kleine Marien-Kapelle soll angeblich Frauen mit Kinderwunsch helfen, „hier haben wir alle unsere Enkel getauft“, sagt Jordan. Kochen tut übrigens Ehefrau Rita, bis 1. November ist die Brandalm auf jeden Fall noch geöffnet. Dann wieder ab 20. Dezember für romantische Winterwanderungen. Am vergangenen Samstag haben übrigens viele Leute die Kapelle aufgesucht.

Die Längenfelder wissen ihre Stammgäste u. a. mit Namensschildchen zu ehren.
- Rapp

Bei der Längenfelder Pfarrwahlfahrt wurden alle Kapellen des Seelsorgeraumes Längenfeld-Huben-Gries besucht – und davon gibt es jede Menge. Um 6 Uhr morgens ging es los, um 19.30 Uhr fand als Abschluss die Wallfahrtsmesse in Längenfeld statt.

Weiter zur Hängebrücke geht es dann, indem man an der Brandalm vorbei taleinwärts wandert. Durch ein Gatter wieder in den Wald hinein und dort in stetigem Auf und Ab dahin. Nach rund einer halben Stunde erreicht man die Hängebrücke, die die Ortsteile Brand und Burgstein verbindet. 83 Meter lang ist die kühne Konstruktion, die sich über die „Maurer Rinne“ spannt, 220 Meter hoch bewegt man sich über dem Boden. Nach unten schauen traut sich beim Drübergehen wohl nicht jeder, sogar eine Hundespur gibt es – sprich, ein Teil des Brückenbodens besteht nicht aus dem Stahlgitter, sodass die Pfoten nicht auf einmal in der Luft hängen. Die Brücke feiert heuer ihren fünften Geburtstag und ist wahrscheinlich seitdem als Fotomotiv schon Hunderttausende Male verewigt worden.

Nach der Brücke ist man nur noch wenige Meter im Wald, dann erreicht man wieder eine schöne weite Fläche mit dem Weiler Burgstein. Der Weg mündet in einen breiten Weg ein, auf diesem hält man sich rechts und hat somit quasi den Rückweg angetreten.

Gleich geht es wieder in den Wald hinein, an einem Bildstock vorbei. In gemütlichen Kehren hinab ins Tal, auf einem Teilstück befindet man sich direkt unter der Hängebrücke. Hier vorbei führt auch ein Klettersteig, der allerdings privat ist (www.alpin-guide.at). Und dass die Längenfelder ihre Stammgäste zu ehren wissen, zeigen neben einer Infotafel bei der Hängebrücke u. a. die vielen Namen an einer Eisenkette, die am Weg ins Tal an den Fels angebracht ist.

Einmal geht es noch durch einen unbeleuchteten Tunnel, doch dieser ist nur kurz. Wenn man im Dorf angelangt ist, hält man sich wieder rechts und kehrt zum Ausgangspunkt zurück.

Tourentipp online

Den Track für die Tour finden Sie hier.

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