Letztes Update am Di, 23.10.2018 08:50

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Freizeit

Hotels und Gäste greifen nach den Sternen

Stolz prangen Sterne an vielen Hotel-Fronten. Je mehr, desto besser. Doch wer bewertet die Häuser eigentlich nach welchen Kriterien, was darf man als Gast dort erwarten und warum gibt es auch noch Zwischenkategorien?

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Von Philipp Schwartze

Eigentlich sollte der Aufenthalt zum Luxus- und Verwöhn-Erlebnis werden – doch dann entpuppt sich das mit mehreren goldenen Sternchen verzierte Hotel als enttäuschende Absteige. Nicht wenigen Reisenden wird es bei ihren Urlaubs- oder Dienstreisen einmal so ergangen sein. In manchen Ländern scheint die Auffassung der Kategorien nicht mit den gewohnten Ansprüchen übereinzustimmen, Kritik hagelt es dazu von enttäuschten Urlaubern, etwa im Internet.

Die tröstende Nachricht: Zumindest die Auswahl wird größer, 402.927 Sterne-Hotels gibt es inzwischen weltweit. Das ist das Ergebnis der aktuellen Zählung, dem so genannten „Star Count 2018“, für den das Unternehmen Delta Check seit 2016 jährliche Erhebungen durchführt. Fast die Hälfte (43,9 Prozent) sind 3-Sterne-Hotels.

Eingeordnet wird besonders in Europa, denn etwas mehr als die Hälfte der Sterne-Hotels steht hier. In Österreich sind die Sterne eine Marke des Fachverbands Hotellerie der Wirtschaftskammer, wie WKO-Referentin Nina Pavicevic erklärt. Das Verfahren umfasst unzählige Seiten. „Die Grundlage sind rund 270 Kriterien“, erklärt Pavicevic. Sie reichen vom Hotellift über die Rezeption, Sprachfähigkeiten der Mitarbeiter, Zimmereinrichtung bis zur Erfüllung von Zusatzwünschen wie Zusatzdecken und 24-Stunden-Roomservice. Neben Mindestkriterien – so bekommt ein Hotel etwa keine fünf Sterne, wenn es nicht mindestens zwei Kopfkissen pro Gast, eine Empfangshalle und einen Parkservice bieten kann – zählt am Ende die Gesamtpunktzahl.

Der mysteriöse Testgast

Pavicevic ist von Wien aus in ganz Österreich für 5-Sterne-Hotels zuständig. Denn sobald ein Haus mehr als vier Sterne haben will, kommt nicht eine Landeskommission, sondern eine eigene „5-Sterne-Kommission“ auf Bundesebene. Der Besuch eines Prüfers nennt sich dabei klingend „Mystery Guest Test“ (mysteriöser Gast-Test). Er muss mindestens zwei Übernachtungen tätigen, in Zimmern, die im billigsten Preis-Drittel liegen. Nur Luxus-Suiten gibt es für die streng ausgesuchten, unbefangenen Tester nicht. Am Ende entscheidet die Kommission, ob ein Stern hinzukommt.

Die Kosten dafür trägt der Betrieb, egal, ob fünf oder weniger Sterne. Bei der seit 1984 eingeführten Sterne-Wertung mitzumachen, ist völlig freiwillig.

„Es wollen viele ein 5-Sterne-Hotel sein“, berichtet Pavicevic, doch manchen genügt auch die Wertung 4-S (Superior). „Die erhält man, wenn man mehr erfüllt, als laut Punkten für die jeweilige Kategorie gefordert wird. Anstatt die höheren Erwartungen ihrer Fünf-Sterne-Gäste zu erfüllen, haben es einige Hotels lieber, wenn sich die Gäste bei vier Sternen über einen Zusatz freuen“, erklärt sie.

Um die Verwirrung bei den Gäs­ten perfekt zu machen oder um sich besonders in den Vordergrund zu spielen, brüsten sich inzwischen weltweit einige Hotels mit sechs bzw. sieben Sternen. Offiziell endet die Klassifizierung aber nach wie vor bei 5-S. Ein Marketing-Gag.

Einheitlicher Sterne-Segen

Doch zurück zur Enttäuschung durch unterschiedliche Hotelstandards in verschiedenen Ländern: Diesem Phänomen will man zumindest in einigen europäischen Ländern entgegenwirken, 17 Länder haben sich zusammengeschlossen. „Auch Österreich ist Mitglied der Hotelstars Union. Dort werden dieselben Verfahren für alle Mitglieder angewendet“, sagt Pavicevic. Drei Sterne sind dann die gewohnten drei Sterne, die Buchung soll nicht zum Himmelfahrtskommando werden.

Die Klassifizierung

Einfache Ausstattung: Sauber, gut erhalten; Einrichtung, die für eine übliche Nächtigung im Betrieb nötig ist

Zweckmäßige Ausstattung mit etwas Komfort, auch eingeschränkte Serviceleistungen werden geboten.

Gehobene und einheitliche Ausstattung mit wohnlichem Charakter, gehobene Dienstleistungsangebote

Erstklassige Ausstattung, großzügige Räume, hohes Dienstleistungsniveau, guter Schallschutz

Exklusive Ausstattung; edle, hochwertige Materialien, Architektur, Ausstattung, Ambiente und Dienstleitung auf Luxus-Niveau




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