Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 06.11.2018


Bezirk Landeck

220 Jahre alter Larch ist Star des Tobadiller Blochziehens

Am Wochenende wurde der Baum für das Blochziehen geschlagen. Nach vier Jahren Pause laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren.

© ReichleDas letzte Blochziehen fand im Jänner 2015 statt. Der Bloch für die kommende Fasnacht am 27. Jänner 2019 wurde am vergangenen Wochenende geschlagen.



Von Matthias Reichle

Tobadill – „Das ist Fanatismus pur. Das ganze Dorf wirkt mit. Einzigartig ist bei uns sicher, dass es ohne Tourismus funktioniert“, betont Fabian Grießer. Bei dem Tobadiller ist heuer – wie bei vielen in seiner Nachbarschaft – das Fasnachtsfieber ausgebrochen. In knapp drei Monaten findet in der kleinen Gemeinde oberhalb von Land­eck nach vierjähriger Pause wieder das traditionelle Blochziehen statt. Das Organisationsteam, dem Grießer als Jungbauernobmann-Stellvertreter angehört, ist bereits mitten in den Vorbereitungen.

Am Wochenende wurde der Star der kommenden Fasnacht gekürt. Eine 40 Meter lange Lärche, die am Berg oberhalb der Ortschaft geschlagen wurde – laut einer Zählung der Jahresringe ist sie 220 Jahre alt. Das Stockmaß beträgt einen Meter. Beim Fällen sei alles gut gegangen, berichtet Grießer. Der Stamm wird nun bis zum Blochziehen am 27. Jänner 2019 versteckt und erst zur Fasnacht geschmückt.

Nach der Tradition wird er dann von ca. 30 „Holzern“, die von den verheirateten Männern dargestellt werden, vom Ortsteil Anderlen zum Dorfplatz gezogen, wo ihn der Bürgermeister versteigert. Begleitet wird der Zug von rund 25 Masken wie den Moos- und Tatschenmännern, dem Bajatzl, den Hexen, Bären, Jägern, dem Tuifl und anderen. In die Rollen schlüpfen ausschließlich unverheiratete Burschen und Männer. Wie bei allen traditionellen Fasnachten im Oberland bleiben die Frauen im Hintergrund.

„Die Figuren werden intern vergeben“, weiß Grießer. Im Dezember findet dann eine Blochsitzung statt, bei der der genaue Ablauf besprochen wird. Bereits begonnen hat man damit, die Kostüme wieder herzurichten. Neu gemacht wird das Outfit des Bajatzls.

Veranstaltet wird die Fasnacht von den drei bäuerlichen Institutionen in Tobadill, wobei die Jungbauern die Hauptverantwortung bei der Organisation innehaben, aber auch die Ortsbauern und die Ortsbäuerinnen sind eingebunden.

Bei einer Einwohnerzahl von knapp über 500 bleibt es nicht aus, dass praktisch jede Familie im Ort in das Blochziehen involviert ist. „Insgesamt sind es 150 Leute, die aktiv mithelfen“, so Grießer.

Auch die Kostüme werden schon hergerichtet – besonders aufwändig sind jene der Moos- und Tatschenmänner.
- Reichle