Letztes Update am Do, 08.11.2018 08:23

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Kegeln: Eine ruhige Kugel schieben? Sicher nicht!

Alle Neune nach Feierabend: Kegeln ist für einige Tiroler liebstes Hobby und ernst zu nehmender Wettkampfsport zugleich. Wir haben die Damen-Mannschaft des Kegelclubs Rofan Jenbach besucht, um herauszufinden, was daran so fasziniert und warum die Jugend das nicht weiß.

© Karin Pedersen / TT



Von Evelin Stark

Ein lustiger Abend auf der Kegelbahn – vor 30 Jahren gehörte das für viele Tiroler noch zum regelmäßigen Freizeitprogramm. Kegeln war eine beliebte Möglichkeit, Sport und Geselligkeit zu verbinden. Heute ist das etwas anders: Viele der Gaststätten mit Kegelbahnen sind alt geworden und haben inzwischen geschlossen. Und das einst beliebte Kegeln scheint es kaum mehr zu geben. „Eine ruhige Kugel schieben“ scheint da noch untertrieben.

Aber nicht überall. In Tirol sind derzeit 14 Kegelsportvereine aktiv – das sind 445 Kugelschieber. Vier der Vereine haben eine eigene Damen-Mannschaft. Der KC Rofan Jenbach ist einer davon. „Unseren Verein gibt es bereits seit 1973. Vor zehn Jahren haben wir unser Damen-Team gegründet“, sagt Beate Werth, eine der neun Frauen, die sich jede Woche zum Training im Veranstaltungszentrum Jenbach treffen. Vorher, so die 55-Jährige weiter, hätten die Damen gemeinsam in den Mannschaften mit den Herren gespielt.

Das Damen-Team des KC Rofan Jenbach: Maria Spitzer, Fini Steinlechner, Petra Hechenblaickner, Beate Werth, Silvia Paulitsch und Christl Marterer (v. l. n. r.).
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Frauen und Männer zusammen

Das ist in allen Tiroler Vereinen nach wie vor auch üblich: „Weil die Spielerzahl in den letzten Jahren insgesamt so zurückgegangen ist, hat man sich dafür entschieden, gemischte Mannschaften zuzulassen“, erklärt Gerhard Werth, Präsident des Tiroler Sportkegler-Verbandes und Mann von Beate Werth. „Als ich vor 20 Jahren angefangen habe mit dem Kegeln, gab es in Tirol noch etwa 12 Frauen-Mannschaften“, erzählt der Schwazer. Allein in den letzten fünf Jahren sei die Zahl der aktiven Sportkegler allerdings um 30 Prozent kleiner geworden.

Aber zurück zu unseren Damen, die noch lange nicht daran denken, die Kugel wegrollen zu lassen: „Das Schöne an diesem Sport ist, dass man ihn das ganze Jahr machen kann. Er ist körperlich anspruchsvoll und fördert die Konzentration“, sagt Maria Spitzer. Sie und Beate Werth kommen zweimal pro Woche von Schwaz nach Jenbach, um zu trainieren. Dabei gäbe es auch in Schwaz eine Damen-Mannschaft. „Man gehört zu dem Verein, wo einem die Menschen sympathisch sind“, lacht Spitzer.

Mit dem Lachen geht der Kampfgeist der illustren Frauenrunde jenseits der 50 jedoch nicht verloren: „Das Kegeln ist einfach ein Kampfsport. Zu gewinnen, ist uns allen wichtig“, sagt Ur-Keglerin Fini Steinlechner. Die Wettkämpfe würden deshalb eine große Rolle spielen, auch für den Teamgeist. „Die Spielsaison geht von September bis Dezember und von Jänner bis April. Fast jede Woche findet ein Spiel statt“, ergänzt Beate Werth.

Otto Steinlechner ist seit 1980 Obmann des KC Rofan Jenbach.
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Dabei gebe es vier Ligen in Tirol: Allen voran die Tiroler Liga, dahinter die Landesliga 6er, die Landesliga A 4er und zuletzt die Landesliga B 4er.

„Die letzte ist unsere Liga“, sagt Petra Hechenblaickner. Sie ist das jüngste Mitglied des Damen-Teams. Mit ihren zarten 51 Jahren ist sie auch das biologisch jüngste Mitglied im Team. Wie man dazu kommt? „Durch meinen Mann, wie die meisten“, schmunzelt sie.

Kegeln ist Muskelarbeit

Seit Juli diesen Jahres trainiert die Jenbacherin nun im Verein und hat auch schon einige Spiele mit ihrer Frauen-Mannschaft absolviert. Der Anfang, so sind sich alle einig, ist aber gar nicht so leicht: „Nach den ersten Malen gehst du rückwärts die Stiege hinauf“, sagt Christl Marterer. Die Beine würden nämlich neben dem Rücken und den Schultern am meisten beansprucht.

Dass Kegeln ein Sport ist, der die Muskeln genauso trainiert wie das Gehirn, scheint aber kaum bekannt zu sein. „Die Leute haben ein falsches Bild vom Kegeln. Es ist keine Beschäftigung neben dem Gasthausbesuch, sondern ein Hochleistungssport, der auf nationaler und internationaler Ebene ausgeübt wird“, sagt Klaus Zanger, Sportobmann des Tiroler Sportkegel-Verbandes. Dieses schlechte Image des Kegelns sei jedoch mit ein Grund, weshalb die Vereine so unter der Regression der Spieler leiden. Junge Menschen für den Sport zu gewinnen, sei ausgesprochen schwierig.

Die Regeln beim Kegeln

Die Kugel rollt beim Sportkegeln übrigens pro Spieler exakt 120-mal über die Bahn, wobei nach je 30 Wurf gewechselt wird. Von den 30 Wurf sind wiederum 15 „in die Vollen“ – sprich: auf die neun aufgestellten Kegel, die Zahl der gefallenen wird hier jeweils gezählt. Die anderen 15 Wurf sind zum „Abräumen“: Es wird so lange auf die Kegel gespielt, bis alle umgefallen sind. „Die Gegner spielen immer direkt gegeneinander“, sagt Willi Amort, Obmann des KSC Schwarz-Weiß Innsbruck.

„Nach den 30 Würfen erhält der Gewinner einen Satzpunkt. Nach den 120 Würfen – also insgesamt vier Bahnen – bekommt derjenige mit den meisten Satzpunkten einen Mannschaftspunkt.“ So würden die 4er- und 6er-Teams zu ihrer Wertung im Tiroler Vergleich kommen. Der KSC Schwarz-Weiß Innsbruck spielt übrigens in der höchsten, der Tiroler Liga.

Die Jenbacher B-Liga-Damen warten indessen darauf, dass die männlichen Kollegen ihr Training beenden, um endlich selbst in die Bahnen zu kommen. Da findet sich auch der ein oder andere Ehemann unter den schweißgebadeten Sportlern. „Manchmal spielen unsere Mannschaften auch gegeneinander“, sagt Silvia Paulitsch. Ob das zur Ehekrise führe? „Gar nicht. Ich rede davor einfach eine Weile nichts mit ihm, das war’s“, lacht die 62-Jährige. Das gesellige Anstoßen danach findet dann bestimmt wieder im ehelichen Kegel-Frieden statt.

Handy-Apps zum Üben

Warum das Kegeln vom Volks- zum Nischensport geworden ist, ist schwer zu sagen. Vor allem bei den jungen Menschen scheint das Kugelschieben nicht im Trend zu liegen. In einigen Handy-Apps könnten die Jungen das Kegeln allerdings schon üben. Der Vorteil: Sie haben Zeit, es doch einmal in Wirklichkeit zu versuchen. Werth: „Kegeln kann man mit 80 auch noch!“

Kegeln für Laien in fünf einfachen Fragen

Ich war noch nie kegeln, würde es aber gern ausprobieren. Wo geht das?

Es gibt einige öffentlich zugängliche Kegelbahnen in Tirol, die regelmäßige Öffnungszeiten haben. Bei Orten, wo Kegelvereine trainieren, ist es am besten, mit diesen Kontakt aufzunehmen.

Welche Regeln muss ich als Nicht-Profi befolgen? Kann ich einfach loslegen?

Beim Freizeitkegeln stehen die sportliche Betätigung und der Spaß im Mittelpunkt. Die Regeln können die Hobbykugelschieber sich selbst ausdenken – Punkte zählen geht immer!

Brauche ich eine spezielle Ausrüstung, um Kegeln gehen zu können?

Nein. Beim Kegeln benötigt man keine spezifische Ausrüstung. Kegelkugeln sind auf der Bahn vorhanden, sodass man nur Sportschuhe mit heller Sohle benötigt.

Ich bin begeistert und möchte an Wettkämpfen teilnehmen. Was muss ich dafür tun?

Am besten einem Verein beitreten. Der Tiroler Sportkegler-Verband informiert gern über die Möglichkeiten des Sportkegelns und stellt Kontakte zu geografisch nahen Vereinen her.

Was ist der Unterschied zwischen Kegeln und Bowling?

Bowling kommt aus den USA, während Kegeln in Deutschland entwickelt wurde. Die zehn Kegel beim Bowling (beim Kegeln sind es neun) werden als „Pins“ bezeichnet. Sie stehen frei im Gegensatz zu den Kegeln, die an Schnüren hängen. Die Kegel-Kugel hat keine Löcher, während der größere und schwerere Bowling-Ball drei Löcher für die Finger hat.

Weitere Infos: www.tskv.at (Tiroler Sportkegler-Verband)