Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.11.2018


Tiroler Almen

Die schönen Tage mit Panoramablick nutzen

Der Herbst dauert heuer etwas länger und vom Oberland bis ins Unterland haben noch einige Almen offen. Ein Streifzug.

© privatDie Simmering Alm hat ausnahmsweise noch am Wochenende offen.



Innsbruck – Der Berg ruft – auch im November. Sollte der Föhn am kommenden Wochenende wieder für überdurchschnittlich milde Temperaturen sorgen, hat der Alpinist, Wanderer oder Mountainbiker gleich mehrere Optionen für die Einkehr. Eine ganze Reihe von Almen ist noch in Betrieb, so etwa die Simmering Alm in Obsteig. „Heuer ist eine Ausnahme, eigentlich haben wir schon zu“, sagt Maria Aschwalder von der auf 1813 Meter Seehöhe gelegenen Hütte. „Da wir derzeit aber sowieso beim Putzen sind, kriegen die paar Leute, die kommen, auch was zum Essen.“ Im Dezember soll wieder regulär aufgesperrt werden – falls es Schnee gibt.

„Absolut nicht ungewöhnlich“ ist die Saison heuer für Bernhard Schlechter von der Höttinger Alm verlaufen. „Wir sperren jedes Jahr am dritten Sonntag im November zu. Heuer ist der 18. November Saisonende.“ Seit 18 Jahren bewirtschaftet Schlechter die 1441 urkundlich erstmals erwähnte Alm, bislang wurde erst zweimal früher dichtgemacht. „Wenn Lawinengefahr herrscht, müssen wir schauen, dass wir wegkommen.“

Über einen Mangel an Gästen kann sich Schlechter nicht beklagen, auf der „Sonnenseite des Inntals“ sei das „Geschäft auch im November noch sehr angenehm. Am Mittwoch waren wir fast komplett voll.“ Ab Ende November darf bis voraussichtlich Mitte April gerastet werden.

Während die Thaurer Alm bereits Ende Oktober zugesperrt hat, werden auf der Rumer Alm weiterhin die schönen Tage genutzt. „Heuer ist es insgesamt gut gelaufen“, sagt Wirt Fritz Mair. Bis 9. Dezember ist täglich geöffnet, über Weihnachten gibt es dann eine kurze Verschnaufpause. Spätestens zu Silvester soll auf der 1243 Meter hoch gelegenen Hütte die Rodelsaison losgehen, hofft Mair.

Die Kemater Alm sperrt heuer vermutlich gar nicht zu.
- privat

Gar nicht zusperren wird heuer voraussichtlich die Kemater Alm. Bis 20. November kann das herrliche Panorama der Kalkkögel noch täglich bei Bewirtung genossen werden. Es sei denn, „das Wetter ist grauslig“, so Wirtin Barbara Wolf. Nach dem 20. November ist auf 1917 Metern aber weiterhin am Wochenende geöffnet. Kommt genug Schnee, sei die Rodelbahn tags darauf präpariert, verspricht sie.

Den größten Ansturm haben heuer wohl die drei Gasthäuser, die zum Gebiet Walleralm gehören, erlebt. Bei Peter Pichler von der Stöfflhütte sind jedenfalls die „Batterien leer“.

Vergangenen Sonntag wurde auf der Hütte zum letzten Mal das von der hofeigenen Brauerei hergestellte Bier ausgeschenkt und der ebenfalls ausgezeichnete selbstgemachte Käse serviert. Die Region Hintersteiner See und die Walleralm in Scheffau am Wilden Kaiser starteten heuer für Tirol bei der ORF-Show „9 Plätze, 9 Schätze“ und wurden zum zweitschönsten Ort Österreichs gewählt. „Die Werbung hatte extremen Effekt“, sagt Pichler.

Noch besteht die Möglichkeit, die landschaftlichen und kulinarischen Reize der Region kennen zu lernen. Die Walleralm, oberhalb der Stöfflhütte auf 1170 Metern gelegen, hat bis Sonntag offen. Es lockt der Panoramablick vom Kitzbühler Horn über die Hohe Salve bis ins Inntal, dahinter leuchten die Gletscher der Hohen Tauern. (sire)