Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 23.11.2018


Freizeit

Ein Ahornboden fern vom Karwendel

Eine kleine Rundwanderung entführt bei Pill in den Wald und zu einem Wasserfall. Die Runde ist für Läufer ebenso geeignet wie für größere Kinder – ein Teil davon wurde einst von Soldaten angelegt.

© RappImmer wieder öffnet sich am Rückweg der Blick ins Inntal.



Von Irene Rapp

Pill – Eine interessante Rundwanderung haben wir vergangene Woche in Pill gemacht. Denn Teile des Weges sowie eine Holzbrücke auf dieser Strecke wurde einst von den Schwazer Pionieren saniert bzw. gebaut. Vor einigen Jahren musste die Kaserne ihre Pforten schließen, die Brücke und der so genannte Pioniersteig sind jedoch geblieben. Dabei handelt es sich um eine kleine Runde, die man mit größeren, geländegängigen Kindern machen kann, die aber auch zum Trailrunning geeignet ist. Insgesamt ist man – in gemütlichem Gehtempo – rund eineinhalb Stunden unterwegs. Und an einem Ahornboden kommt man auch vorbei.

So kommt man hin: Zunächst nach Pill, dort finden sich gegenüber des Gemeindeamtes, welches im so genannten Schusterhaus direkt an der Bundesstraße untergebracht ist, einige Parkplätze. Wer lieber mit den Öffis anreist: Eine Bushaltestelle findet sich nur wenige Meter weiter westwärts.

Zunächst quert man die Bundesstraße und hält sich geradeaus Richtung Pillberg. Noch wenige Meter, dann zweigt rechts ein Weg ab. Hier informiert erstmals ein Wegweiser, dass man sich am Pioniersteig befindet samt angeführter Schrittzahl – nämlich 5100. Möglicherweise eine Anlehnung an den militärischen Hintergrund?

Wegweiser zeigen, in welchem Abschnitt der Pioniersteig-Tour man sich gerade befindet.
- Rapp

Überhaupt warten die Wegweiser entlang der Pioniersteig-Runde noch mit einer weiteren Besonderheit auf: Man erfährt immer genau – von Mausawiesl bis Lend –, in welchem Abschnitt man sich befindet.

Zunächst also auf einem Forstweg entlang des Pillbaches in eine Art Klamm hinein. Von einer Sekunde auf die andere ist man vom geschäftigen Inntal entfernt, man marschiert mitten im Wald Richtung Süden. Der Pillbach entspringt übrigens im Bereich der Lafaster Alm an der Grenze zwischen Pill und Weerberg, erzählt Christoph Fender, Waldaufseher in Pill. Nach kurzer Zeit erreicht man eine Lichtung mit zwei Gebäuden, die Mausawiesl. Der lustige Name hat etwas mit dem einstigen Besitzer dieses Fleckens hier zu tun, dem Mausa-Bauern. Eine Pause bietet sich jedenfalls an – am Ufer des Pillerbaches gibt es eine Hängematten-ähnliche Sitzgelegenheit.

Tourentipp online

Den Track für die Tour finden Sie unter https://go.tt.com/2Tyci3v

Weiter geht es, indem man rechts an den Häuschen vorbeimarschiert, dann auf einem Steig hinauf. Es wird steil und schmal, Laub am Boden kann rutschig sein – daher aufpassen! Nach wenigen Minuten kommt man zu einer Wegteilung. Geradeaus erreicht man nach wenigen Metern den Piller Wasserfall: „Der führt heuer wenig Wasser, aber kein Wunder bei diesem niederschlagsarmen Jahr“, erzählt Fender. Andererseits stellen wohl auch heftige Niederschläge ein Problem dar – davon zeugen zumindest die Geschiebesperren am Beginn der Tour. Wieder kurz zurück und bei der Teilung links hinauf. Noch einige Kehren lang geht es steil hinauf – dieser Abschnitt nennt sich Himmelsleiter – dann öffnet sich ein wenig das Blickfeld und links tun sich Wiesen auf, wo zuletzt noch Vieh weidete.

Wir bleiben jedoch im Wald und marschieren auf dem Steig wieder ein Stück hinab. Auch hier ist Vorsicht geboten, geht es doch rechts steil hinab. Man erreicht nun jene Holzbrücke – die von den Pionieren errichtet wurde. Auf der anderen Seite über holzversicherte Stufen hinauf und kurz über ein ebenes Waldstück zu einem Forstweg.

Jetzt hat man quasi den Wendepunkt der Tour erreicht. Und ab hier ist die Wanderung ein Kinderspiel, denn man bleibt auf dem Forstweg. Nach rund zehn Minuten kommt man am Ahornboden vorbei. „Hier hat der private Waldbesitzer vor einigen Jahren Ahornbäume gepflanzt“, berichtet Fender. Die Bäumchen sind zwar schon ein wenig gewachsen. Bis sie allerdings die stattliche Größe erreichen wie am Großen und Kleinen Ahornboden im Karwendel, wird es wohl einige Jahre dauern.

Auch einen Ahornboden gibt es hier.
- Rapp

In weiten Kehren erreicht man so den Talboden. Mitunter öffnet sich der Blick und man schaut u.a. auf das gegenüberliegende Karwendel und das Inntal. „Heraus“ kommt man dann einige Meter weiter westlich des Ausgangspunktes. Nun entlang der Bundesstraße wieder zum Parkplatz gegenüber dem Gemeindeamt retour.

Ob man 5100 Schritte gebraucht hat? Keine Ahnung. Uns haben zumindest jene zwei Gänse ein wenig mehr Schritte machen lassen, die die Rückseite des Gemeindeamtes „bewachen“. Und die ihre Aufgabe sehr genau nahmen und mit gestrecktem Hals auf einen zurannten.

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