Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 22.11.2018


Osttirol

Alte Prager Hütte: Ein Denkmal auf 2489 Metern Höhe

Die Alte Prager Hütte im Gschlösstal wurde 1877 erbaut und steht unter Denkmalschutz. In den letzten Jahren ist sie in den Urzustand zurückgebaut worden und dient ab 2019 als Museum der Alpingeschichte.

© NPHT/JurgeitIm Sommer 2017 begannen die Rückbau- und Sanierungsarbeiten an der Alten Prager Hütte. Zur Zeit ihrer Errichtung 1877 lag sie noch direkt am Schlatenkees



Von Catharina Oblasser

Matrei – Einfach und nur mit dem Allernötigsten ausgestattet – so zeigten sich die Schutzhütten im Alpenraum, als das Bergsteigen noch in den Kinderschuhen steckte. Eine davon ist die Alte Prager Hütte im Gschlösstal. Sie liegt auf 2489 Metern Seehöhe und wurde nach einem missglückten Versuch im Jahr 1872 schließlich 1877 fertig gestellt. Mit etwa 60 Quadratmetern Grundfläche, einem Gruben-WC neben der Hütte, einem Ofen und einem Pritschenlager fanden die damaligen Alpinisten ihr Auslangen. Wer im Hauptraum keinen Schlafplatz fand, konnte auf dem Heuboden übernachten.

Trotz ihrer Einfachheit wurde die Alte Prager Hütte, die im Nationalpark Hohe Tauern liegt, bis vor etwa zehn Jahren bewirtschaftet. Seit 2012 steht das Gebäude unter Denkmalschutz und hat damit unter den rund 300 Tiroler Schutzhütten eine Sonderstellung, die es mit nur neun anderen Hütten teilt.

In Zukunft wird die Alte Prager Hütte nicht mehr als Bergsteigerunterkunft dienen, sondern als kleines alpingeschichtliches Museum, informiert Nationalpark-Mitarbeiter Florian Jurgeit. Zu diesem Zweck wurde der Bau restauriert, die Arbeiten sind nahezu abgeschlossen. „Ziel war es, die Hütte in ihren Originalzustand zurückzuversetzen“, sagt Jurgeit.

Das Dach der Hütte wurde wieder – so wie es ursprünglich gemacht worde­n war – mit Langschindeln gedeckt.
- Sonja Mitterer

Denn die Zeit ist an der Alten Prager Hütte nicht spurlos vorbeigegangen. Im Lauf der Jahre wurden im Erdgeschoß eine Küche, ein Vorratsraum und eine Innenstiege eingebaut, die Lager wurden in das obere Geschoß verlegt, ein Innen-WC kam dazu. „Es gibt aber Originalpläne vom ursprünglichen Bestand“, informiert Jurgeit. „Nach diesen Plänen ist man bei der Restaurierung vorgegangen.“

So bekam die Hütte wieder das Pritschenlager von damals, das durch eine hölzerne Trennwand in einen Männer- und einen Frauenbereich geteilt ist. Interessant auch die kleinen Nischen, die über dem Lager in regelmäßigen Abständen in der Mauer angebracht sind. „Sie dienten als Nachtkästchen“, erklärt der Nationalpark-Mitarbeiter.

Im Innenraum gab es einst ein Pritschenlager, das nun wieder hergestellt wird. Rechts im Bild die Mauernischen, die als "Nachtkästchen" dienten.
- Sonja Mitterer

All das können Besucher ab nächstem Jahr in Augenschein nehmen. Betreten darf man die Hütte zwar nicht, doch über einen Windfang mit Glaswänden sind alle Details gut zu sehen. Mitte 2019 soll das alpine Museum eröffnet werden.

Architektin Sonja Mitterer ist bei dem Projekt als Rekonstruktionsplanerin und denkmalpflegerische Leiterin zuständig. Die Kosten von 300.000 Euro kommen vom Besitzer, dem Deutschen Alpenverein, sowie vom Nationalpark Hohe Tauern, vom Patenschaftsfonds des Österreichischen Alpenvereins und von Einrichtungen des Denkmalschutzes.

Im Zuge der Restaurierung errichtete der Nationalpark eine Wetterstation in Hüttennähe. Die Station erhebt und speichert Daten zu Temperatur, Wind oder Sonnenstrahlung. Sie dokumentiert auch die Entwicklung bzw. den Rückgang des Schlatenkees.