Letztes Update am Mi, 21.11.2018 12:40

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Führerschein: Schummeln wie James Bond

Schummeln bei der Führerscheinprüfung ist kein Kavaliersdelikt. Darum besteht nur, wer gelernt hat. Dass der Test gar nicht so einfach ist, hat eine Redakteurin erlebt.

© iStockBei der Führerscheinprüfung werden aus der 1498 Fragen umfassenden Auswahl rund 80 zufällig ausgewählt.



Ich bin gescheitert. Kläglich sogar. Wer die theoretische Führerscheinprüfung bestehen will, muss in zwei Bereichen (Grundwissen und spezifisches Wissen) jeweils 80 Prozent der Fragen richtig beantworten. Ich schaffe gerade mal 46 und 29 Prozent. Peinlich. Trotzdem lobt Fahrschullehrer Roman Haider von „Easy Drivers Harm“ in Innsbruck: „Ein super Ergebnis!“

Wie bitte? Auf die Frage, wie schnell ich fahren darf, wenn ich einen Pkw via Abschleppseil auf der Autobahn ziehe, habe ich „80 km/h“ geantwortet. 40 km/h wären richtig. Um nur ein Beispiel meines Fahrwissens zu nennen. Das soll ein super Ergebnis sein?

„Wer wie du seit Jahren den Führerschein besitzt und zum Spaß die Prüfung wiederholt, fällt quasi immer durch. Meist liegen die Ergebnisse sogar bei rund 15 Prozent“, erklärt der 35-Jährige.

Kamera im Knopfloch

Warum ich den Test gemacht habe? Um festzustellen, ob man ohne Vorbereitung besteht. Und ohne zu schummeln. Schließlich kam es in letzter Zeit öfter zu Betrugsversuchen. Ursula Zelenka, Juristin des ÖAMTC, kennt die Details: „Prüflinge waren mit kleinen Kameras ausgestattet, die die Fragen durch ein unauffälliges Loch in der Kleidung vom Computer abfilmten und via Bluetooth an einen Helfer außerhalb der Fahrschule sandten.“ Der gab die Antwort über eine Art Hörgerät an den Kandidaten weiter. „In anderen Fällen übernahmen Hacker die Computermaus und dirigierten sie zur Antwort“, ergänzt Haider. Schummeln in feinster James-Bond-Manier. Der klassische heimliche Blick zum Nachbarn scheint ebenso veraltet wie mein Fahrwissen.

„Retro-Schummeleien machen bei der Führerscheinprüfung keinen Sinn, weil aus der 1498 Fragen umfassenden Auswahl rund 80 zufällig ausgewählt werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Nachbar gerade dieselbe lösen soll, liegt quasi bei null“, weiß Haider. Außerdem würden die zehn Kandidaten, die pro Prüfung antreten, von einer Aufsichtsperson der Behörde im Auge behalten.

Schon die Vorstellung, in so einer Situation zu schummeln, bringt mein Nervenkos­tüm zum Flattern. Wie kann man nur unauffällig wirken, während die Antworten via Knopf im Ohr übermittelt werden?

Nicht zuletzt, weil die Helfershelfer in solchen Fällen Teil organisierter Banden sind. Deren „Service“ kostet laut Juristin Zelenka ähnlich viel wie der Führerschein selbst: „Wer so viel Geld zum Schummeln in die Hand nimmt, hat in meinen Augen weiterhin die Tendenz zu Illegalem. Darum finde ich die Prüfungssperre, die derzeit als Konsequenzen überlegt wird, richtig. Die geplanten neun Monate Sperre halte ich aber für zu lang. Sechs wären optimal.“

Der Führerscheintourismus

Zu lange Wartezeiten würden zu Führerscheintourismus motivieren – wo Fahrschüler den Wohnsitz ins Ausland verlegen, um die Fahrerlaubnis dort zu erhalten, wo die Vorschriften teils großzügiger sind als in Österreich.

Anderer Meinung ist Barbara Gaugg, Chefin der Fahrschule Jaufer in Innsbruck und Hall: „Ich würde die Strafe auf ein Jahr ausweiten. Jugendliche überlegen sich dann zweimal, ob sie schwindeln, wenn Ertappten der Zugang zur Mobilität erschwert wird.“ Die Details müssen noch geklärt werden. Klar ist, dass nur auf die Straße sollte, wer die Regeln kennt.

Apropos Regeln. Wer jetzt Angst hat, im Verkehr auf mich zu treffen – nur so viel: Ich hatte alle Vorrang- und Verkehrsschilderfragen richtig. Keine Sorge. Holprig wurde es erst, als es um Details zum Anhänger ging. (Judith Sam)


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