Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 30.11.2018


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Kartnall: Zwei Höfe und viel Geschichte

Auch ein wenig Schnee kann diese Tour nicht verhindern. Oberhalb von Neustift liegen die Kartnall-Höfe: eine Rundwanderung zwischen toller Kulinarik und geschichtsträchtigen Plätzen.

© RappAuf dem Weg zu den Kartnallhöfen hat man tolle Ausblicke u.a. auf Neustift.



Von Irene Rapp

Neustift – Wie Adlerhorste kleben die Kartnallhöfe über einem Felsband oberhalb von Neustift. In beiden – dem Unteren und dem Oberen Kartnallhof, die nur wenige Meter auseinander liegen – kann man sich verköstigen lassen. Im unteren, bei der Familie Hofer, bekommt man etwa u. a. Stubaier Topfennocken in Rahmsauce mit Salat serviert, eine pikante Angelegenheit also. Im oberen gibt es von Trudi Pfurtscheller selbst Produziertes – von Butter bis Brot und Graukäse „und so gut wie nichts aus der Dose“, wie sie erzählt. Die Wanderung von Neustift hinauf zu den beiden Höfen ist – gemütlich – in einer Stunde zu schaffen. Die Tour kann noch zu einer schönen Runde ausgedehnt werden.

So kommt man hin: In Neustift Richtung Gletscher fahren und gleich nach dem Ortskern beim Freizeitzentrum parken. Kurz geht man zurück zum Kreisverkehr und dann in nordwestlicher Richtung, vorbei am Kindergarten, über die Straße und an einem Haus mit einem Bild von Franz Senn – dem Gründer des Deutschen Alpenvereins – vorbei. Nun auf einer Straße bergauf, links sind am Berg bereits die zwei Kartnallhöfe zu erkennen.

Im Oberen Kartnallhof darf in der urigen Gaststube auch schon einmal Gitarre gespielt werden.
- Rapp

Die Wiesenflächen darunter warten übrigens mit einer interessanten Geschichte auf. Bis vor 100 Jahren hatten hier Knechte die Möglichkeit, ein eigenes Stück Land zu bewirtschaften. „Die Knechte auf den Bauernhöfen waren ja zu dieser Zeit besitzlos und konnten sich mit diesem Flecken Land ein wenig Geld verdienen“, erzählt Luis Töchterle aus Neustift, der sich mit der Geschichte der Gemeinde beschäftigt hat.

Noch heute würde ein Blick in das Grundbuch zeigen, dass diese so genannte „Kranbittleiten“ aus vielen „Mikro-Grundstücken“ besteht. Die Flächen werden zum Teil immer noch von Bauern gepflegt, „viele Wildtiere – wie Hirsch und Gams oder auch Vögel – profitieren davon“, erzählt Töchterle.

Mit Blick auf dieses besondere Stück Kulturgrund wandert man also zunächst eine schmale Straße hinauf, vorbei an einem Wasserbehälter. Der Weg ist gut beschildert, eine Infotafel klärt u. a. auf, dass Kartnall einer von zahlreichen Naturschauplätzen im Stubaital ist.

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Den Track für die Tour finden Sie direkt unter https://go.tt.com/2QsmtYN

Beim Abstieg über den Steig beim Forchachhof kommt man an diesem Stadel vorbei.
- Rapp

Wenn man den Wald erreicht, wird der Asphalt von Waldboden abgelöst. In einigen Kehren geht es auf einem guten, breiten Weg stetig hinauf, die Kartnallhöfe liegen auf 1300 Höhenmetern. Der Sturm von vor einigen Wochen hat auch hier Bäume gezeichnet, toll sind die Ausblicke auf das Stubaital und die andere Talseite mit Serles, Elfer usw. Wenn der Wald endet, ist es nicht mehr weit bis zu den Höfen. Links und rechts geht es bergauf bzw. bergab – dass die Bewirtschaftung dieser Flächen nicht einfach ist, kann man sich gut vorstellen.

Bei den Kartnallhöfen angelangt hat man die Qual der Wahl: oben oder unten einkehren? Wie auch immer: In beiden Höfen gibt es schöne, jahrhundertealte Bauernstuben und bietet sich auf den Terrassen eine tolle Aussicht auf die Stubaier Alpen an. Woher der Name Kartnall kommt, weiß Töchterle. Demnach leitet er sich vom Romanischen „quartinale“ ab, mit dem man einen Acker bezeichnete, der ein „Viertel“ (zu lat. quartum), „also ein gewisses Maß an Getreide erbrachte“.

Der Obere und Untere Kartnallhof (4) picken wie zwei Adlerhorste am steilen Wiesenhang.
- Rapp

Nun könnte man auf dem Aufstiegsweg wieder nach Neustift. Wir sind am vergangenen Sonntag allerdings weiter taleinwärts gewandert. Auf einer Straße mit wenig Verkehr geht es in zwei Kehren noch ein paar Meter hinauf, man passiert ein Holzgebäude und einen Parkplatz und gelangt zum Forchachhof. Von hier aus könnte man weiter auf der Straße Richtung Oberbergtal, dem größten Seitental des Stubaitals, marschieren und dann wieder zurück zum Ausgangspunkt.

Wir allerdings sind direkt vorm Forchachhof links auf einen Steig in den Wald hinab abgebogen. Dieser ist schmal und steil, führt allerdings durch einen märchenhaft anmutenden Wald hinab, bis man zum Ufer des Oberbergbaches kommt. Auf einer Brücke geht es über das Gewässer und am Uferweg talauswärts wieder direkt zum Freizeitzentrum.

Man kann die Tour auch umgekehrt wandern und den Steig vom Forchachhof herab von unten nach oben angehen. Wie auch immer: Die Runde ist empfehlenswert.

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