Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 08.01.2019


Bezirk Imst

„Kinigetag“: In Nassereith war wieder der Bär los

Am „Kinigetag“ wurde in Nassereith nach drei Jahren wieder die Fasnacht ausgerufen. Traditionell entscheidet das Losglück über die Zuteilung der wichtigsten Rollen. Den „Karrnerwagen“ wollte niemand.

Am Dreikönigstag wird in Nassereith in allen Ortsteilen die Fasnacht ausgerufen und zur abendlichen Vollversammlung geladen. Für „Ausrufer“ Werner Mittermayer war es nach 50 Jahren das letzte Mal.

© DaumAm Dreikönigstag wird in Nassereith in allen Ortsteilen die Fasnacht ausgerufen und zur abendlichen Vollversammlung geladen. Für „Ausrufer“ Werner Mittermayer war es nach 50 Jahren das letzte Mal.



Von Hubert Daum

Nassereith – Für einen Nicht-Fasnachtler wahrscheinlich nicht nachvollziehbar: Erwachsene Männer sind vor Freude fassungslos und flippen förmlich aus. So geschehen am Abend des „Kinigetags“ (Dreikönigstag) bei der Vollversammlung im Gemeindesaal. Die Nasserei­ther gehen nach drei Jahren Pause am 17. Februar wieder in die Fasnacht. Eine Fasnacht, die anders ist als die anderen. Schon während des Tages sind die „Ausrufer“ unterwegs. In allen Weilern und Dorfteilen verbreitet „Ausrufer“ Werner Mittermayer – nach 50 Jahren zum letzten Mal – die Kunde, dass sich die Männer auf jeden Fall am Abend im Gemeindesaal einzufinden haben.

Bei gefühlten 40 Grad Celsius im zum Bersten gefüllten Saal dann zum ersten Mal nach drei Jahren wieder der Schellenklang und das Juchzen der Sackner beim Eintreffen der Ausrufergruppe. Gänsehaut bei vielen Fasnachtler­n, die noch akustisch durch ein ohrenbetäubendes „Ja“ verstärkt wurde nach der Frage von Obmann Gerhard Spielmann, ob „mia­r huire in d’Fasnacht gian“. Knisternde Spannung folgt der Ruhe beim Bericht des Obmannes, denn in Nassereith, dessen Fasnacht zu den großen in Tirol zählt, werden die wichtigsten Rollen per Los gezogen. Allen voran die Hauptfigur, der Bärentreiber, die Schellenreihenfolge, Hexenvater und Hexenmutter, Karrnervolk und der Prinz Karneval. Der Traum jedes Schellers ist es, einmal als Erster beim Zwölfuhrläuten aus dem Hotel Post zu tänzeln und das Schellerlaufen zu eröffnen. Diesen Traum erfüllte sich Markus Schleich bereits 2016. Und wieder steht auf seinem Los der Einser: „I honn sie wieder“, brüllt er in die Menge und stürmt zum auf der Bühne platzierten „G’schall“ und läutet das 28 Kilogramm schwere Gerät minutenlang.

Unglaubliches Losglück hatten Markus Schleich, der erneut die erste Schelle zog ...
Unglaubliches Losglück hatten Markus Schleich, der erneut die erste Schelle zog ...
- Daum

Nun geht es um den Bärentreiber. 17 Burschen, so viele wie noch nie, stürmen die Bühne für das große Glück mit kleiner Wahrscheinlichkeit. Und wieder ein Schrei, Jubelpose und Verneigung: Markus Falbesoner, auch umjubelter Schauspieler der Franz-Kranewitter-Bühne, darf das zentrale Schauspiel des Bärenkampfes aufführen. Jürgen Gritsch wird als Hexenmutter die Hexen anführen und Markus Ruepp als Hexenvater die Zwergelen. Philipp Mang verkörpert den Weltenbummler „Prinz Karneval“.

Der Wermutstropfen: Für den traditionellen Karrnerwagen konnte sich niemand finden. Daran können sich auch die alten Fasnachtler nicht erinnern. Doch gemeinsam stimmte man nun das „Autupetehö“ an, den Gesang für die „schianschte Fasnacht“.

... und Bärentreiber Markus Falbesoner, der sein Glück nicht fassen kann.
... und Bärentreiber Markus Falbesoner, der sein Glück nicht fassen kann.
- Daum