Letztes Update am So, 20.01.2019 07:12

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Trendsport Schneeschuhwandern: Ein Schuh für alle Schnee-Fälle

Wahrscheinlich war schon Ötzi mit Schneeschuhen unterwegs, denn dass man damit weniger im Schnee versinkt, ist seit Langem bekannt. Heutzutage entdecken immer mehr Wintersportler diese Möglichkeit der Fortbewegung und beinahe hätte eine Schneeschuh-EM in Kirchdorf stattgefunden.

Schneeschuhwandern ist grundsätzlich leicht zu erlernen und im Vergleich zu anderen Sportarten recht erschwinglich.

© Thomas Boehm / TTSchneeschuhwandern ist grundsätzlich leicht zu erlernen und im Vergleich zu anderen Sportarten recht erschwinglich.



Von Judith Sam

A g’führiger Schnee, juchhe!“: Für dessen Genuss brauchen Sportler nicht zwingend „zwoa Brettln“. „Immer mehr Tiroler und Urlauber nutzen Schneeschuhe als Wintersportgerät. Italiener marschieren damit gern über präparierte Pisten, Einheimische und deutsche Touristen hingegen wollen selbst die ersten Spuren ziehen, umgeben von Raureifkristallen, Ruhe und Pulverschnee“, sagt Michael Walzer von der Tirol Werbung.

Das Stapfen durch den knirschenden Schnee sei zwar eher noch ein Nischensport: „Es gibt aber schon einige Tiroler Regionen, die spezielle sichere Schneeschuhwege ausgeschildert haben – von Seefeld über den Achensee, dem Wipptal, Naturpark Kaunertal, Pillerseetal bis hin zu Innsbrucks Umfeld, St. Johann und Kirchdorf.“

Vorsicht vor Lawinen

In letzterem Ort hätte an diesem Wochenende sogar die Schneeschuh-Europameisterschaft stattfinden sollen. „Die wurde aber wegen zu viel Schnee auf das Jahr 2020 verschoben“, weiß Tom Rabl. Der Obmann der Kitzbüheler Bergführer wäre für die Sicherheit verantwortlich gewesen: „Ich wäre die Strecke einen Tag vor der Veranstaltung abgegangen, um sicherzugehen, dass wir Lawinenentwarnung geben können.“

Die Gefahr, die mit dem Sport einhergeht, sei nämlich nicht zu unterschätzen: „Hat man Gipfelambitionen, sollte man dieselben Regeln wie Tourengeher beachten, eine Notfallausrüstung bei sich tragen und am besten einen Lawinenkurs absolvieren.“

Doch auch Schneeschuhwanderer, die nur im Tal von Hügel zu Hügel flanieren, sind nicht völlig ungefährdet: „Im Unterschied zum Sommer findet man oft keine Wegmarkierungen. Es ist also Orientierungssinn gefragt, um sich im weißen Umfeld zurechtzufinden.“ Zudem kann der viele Schnee Hindernisse wie umgestürzte Bäume oder Stacheldrahtzäune „verstecken“: „Auch gilt es, darauf zu achten, nicht in tiefe Rinnen zu stolpern, die entstehen, wenn der erste Schnee fällt, bevor die Bächlein im Herbst verebbt sind.“

Abgesehen davon ist Schneeschuhwandern jedoch leicht zu erlernen und im Vergleich zu anderen Sportarten recht erschwinglich. „Schneeschuhe kos­ten bei uns zwischen 100 und 300 Euro“, schildert Doris Klammer von Koch alpin. Das Milser Unternehmen hat im heurigen Winter im Vergleich zur vorigen Saison 60 Prozent mehr Schneeschuhe verkauft.

Auch Förster sind damit am Weg

Neben Sportartikelhändlern zählen auch das Bundesheer, Jäger und Förster zu ihren Kunden: „Und gerade jetzt, bei diesem wunderbaren Schnee, nutzen Angestellte von Stromanbietern Schneeschuhe, um in entlegenen Ecken zu prüfen, ob alle Leitungen frei sind. Der Preis der Schneeschuhe hängt davon ab, wo man mit ihnen unterwegs ist.“

Darum sei vor dem Kauf kompetente Beratung wichtig: „Manche Kunden sehen Schuhe mit fünf Zentimeter langen Zacken. Die wollen sie! Aber geht man damit nur im Talboden, können sie von Nachteil sein, weil sie schwerer sind und teils beim Abstieg bremsen.“ Alu-Rahmenmodelle mit Kunststoffgewebe-Verdeck seien etwa leicht, aber nicht so robust wie komplette Kunststoffschuhe.

„Man merkt, dass Gäste nicht mehr nur nach Tirol kommen, um Ski zu fahren“, resümiert die Marketingexpertin. Für Schneeschuh-Neulinge unter ihnen wäre es ratsam, geführte Touren zu buchen. Dort lerne man u. a., kraft­sparend durch den Schnee zu stapfen, und erfahre, wo man gehen kann, ohne Wildtiere zu stören.

Materialkunde

Schneeschuhe gibt es in unzähligen Ausführungen – sie können u. a. aus Kunststoff bestehen oder einen Alu-Rahmen haben. Im Internet finden sich zahlreiche Tests über die unterschiedlichen Modelle – entscheidend ist, wo man mit den Schneeschuhen bevorzugt unterwegs sein will.

Wir waren im Gelände mit dem EVVO-Schneeschuh (Foto) unterwegs. Das Besondere dabei: Das Produkt eines französischen Herstellers entstand in Zusammenarbeit mit Reifenhersteller Michelin. Soll heißen: Die Sohle ist aus Reifen-Material, der Schuh somit leicht und angenehm zu tragen.