Letztes Update am Fr, 01.02.2019 10:14

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sportmesse Ispo

Das Yoga-Problem: Sportbranche will Fitnesstrend zu Geld machen

Yoga ist groß in Mode. Sport- und Bekleidungsindustrie überlegen, wie sich der Trend zu Geld machen lässt. Das Problem: Eigentlich ist Spezialausrüstung für Yoga überflüssig.

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München – Yoga zählt zu den beliebtesten Trendsportarten. Das stellt die Sportartikelhersteller vor ein Problem, denn ebenso wie für viele andere angesagte Fitnesssportarten ist keine besondere Ausrüstung notwendig. Aber: Not macht erfinderisch. Auf der Münchner Sportmesse Ispo (3.2.-6.2.) trifft sich ab Sonntag die internationale Sportbranche, das Angebot reicht vom Yoga-BH bis zum Yoga-Board.

„Yoga ist ein wichtiges Umsatzfeld mit viel Potenzial für die Zukunft“, sagt Miriam Ganz vom Sportfachhandelsverbund Intersport. Seit zwei, drei Jahren steige die Nachfrage nach Produkten stark an. Yogamatten, -blöcke, -kissen, -bänder, -bekleidung und sogar Yoga-Handtücher - „mit Silikonnoppen, damit man einfach mehr Stabilität hat und auf der Matte nicht verrutscht“, erklärt Ganz - haben die Filialen im Angebot. Auf der Ispo werden auch spezielle Artikel wie etwa Yoga-Boards, eine Art Surfbrett mit geschwungener Unterseite, präsentiert.

„Ökologie steht bei vielem im Vordergrund“

Hauptsächlich Käuferinnen greifen bei den Produkten zu, sagt Ganz, zudem sei Nachhaltigkeit sehr wichtig für die Zielgruppe. „Ökologie steht bei vielem im Vordergrund“, erklärt sie, „wir haben zum Beispiel PVC-freie Matten oder Matten aus Naturkautschuk.“

Ebenso wie der gesamte Fitness-Trend ist auch der Yoga-Trend bis jetzt ungebrochen. Darauf reagiert die Industrie wie bei jeder neuen Trendsportart: Sie zieht nach und erfindet passende Produkte. Die Liste der Artikel „extra für Yogis“ scheint ebenso lang wie die der verschiedenen Yoga-Arten, die teilweise sogar geschützt sind.

Sind Yogaboard, Yogapants und Yogakissen notwendig, um den Sport auszuüben? Skifahren ist ohne Ski nicht möglich, der Rennradler braucht ein Fahrrad. Yogis hingegen benötigen fast nichts. „Außer einer Matte braucht man eigentlich nur sich selbst“, sagt Jessica Fink vom Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland (BDY). Die Kleidung soll bequem sein und Bewegungsfreiheit erlauben. Ob das aber extra Yogatops und -pants sein müssen, stellt die Yogalehrerin infrage. Manche Dinge allerdings hält sie für sinnvoll - Yoga-Blöcke beispielsweise oder Polster „für einen bequemen Sitz für zum Beispiel Meditation und Atemübungen“.

„Yoga ist eine Nische“

Fitness und auch gerade Yoga hätten sich sehr gut entwickelt, sagt Nicole Espey, die Geschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Sportartikel-Industrie. Eine sehr große Rolle spielten Yoga-Artikel aber nicht, sagt die Verbandschefin. Zwar erlebten die Hersteller von Yoga-Matten einen Boom, für alle anderen aber seien andere Produkte - beispielsweise aus dem Wintersport-Outdoor-Bereich - weitaus wichtiger. „Yoga ist eine Nische, über die man sich freuen kann“.

Werden Yoga-Artikel aus ihrem Nischendasein herauswachsen? „Wir sind mit Intersport im Yoga-Segment noch nicht da, wo wir hinwollen. Wir sehen den Bereich aber als wichtigen Zukunftsmarkt, den wir auf jeden Fall stärken wollen“, sagt Ganz. Auch der Verband Deutscher Sportfachhandel rechnet mit weiterem Wachstum im Yoga-Bereich. Dass es keine Wettbewerbe wie in anderen Sportarten gibt, erschwere den Vertrieb jedoch, wie ein Sprecher sagt.

Denn aus Sicht der Industrie ist der geringe Ausrüstungsbedarf nicht das einzige Problem: Yoga dient der Selbstvervollkommnung und ist keine Wettkampf-Sportart. Sämtliche Fitness-Sportarten kommen mangels quotenträchtiger Wettbewerbe im Fernsehen so gut wie nicht vor; es fehlen zugkräftige Stars, die als Idole und Werbeträger dienen könnten. Ralph Scholz, dem Präsidenten des Deutschen Industrieverbands für Fitness und Gesundheit (DIFG), schweben daher bereits Wettbewerbe vor: „Wir sehen die Chance, über Wettkämpfe mehr Präsenz zu erzeugen“, sagte Scholz bei der Hauptpressekonferenz zur Ispo am Mittwoch. „Damit haben wir die Möglichkeit, heroes zu bilden.“ (APA/dpa)




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