Letztes Update am Do, 14.03.2019 07:47

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Magazin

Urlaub im Bentley: Eine Ausfahrt in das königliche Leben

Zum 100-Jahr-Bentley-Jubiläum ging es mit 635 PS von Kitzbühel zum Tegernsee. Auf der Straße gibt es dabei Zuspruch von den anderen Verkehrsteilnehmern.

TT-Redakteur Manuel Lutz durfte das Auto testen.

© BentleyTT-Redakteur Manuel Lutz durfte das Auto testen.



Von Manuel Lutz

Ein neuer knallroter Bentle­y Continental GT steht vor der Tür. Die Traumvorstellung eines jeden Autofans. Die erste Reaktion ist klarerweise, das Smartphone zu zücken und ein Erinnerungsfoto zu schießen. Beim Griff in die Tasche jedoch neben dem Smartphone auch den passenden Schlüssel für dieses Gefährt zu finden, ist ein wohl unerfüllbarer Wunsch. Dieser wird jedoch für einen Tag zur Realität – reisen wie Queen Eliza­beth II. und im Fokus zu stehen wie Fußballstars und Rapper. Zum 100-Jahr-Jubiläum von Bentley darf der Autor dieser Zeilen auf Einladung einen Ausflug von Kitzbühel zum Tegernsee machen und erstmals selbst einen Bentley steuern.

Jetzt ist es so weit, endlich kann der Startknopf gedrückt werden. Die elegante Holzarmatur dreht sich plötzlich. Nun ist ein großes Display neben dem Lenkrad. Einen Augenblick später startet der Motor und zaubert mit seinem Klang ein Lachen ins Gesicht. Die Jungfernfahrt kann starten.

100 Jahre Erfahrung

Vorsichtig wird das Gaspedal gedrückt, der kleinste Kratzer wäre ja schon ein großes Fiasko und würde die eigene Geldtasche wohl zutiefst schmerzen, da sich der Neuwagenpreis auf 223.120 Euro beläuft. Als ein grauer Ferrari langsamer wird, um sich das „eigene“ Fahrzeug anzuschauen, komme ich ins Schmunzeln. Das Auto fährt sich perfekt, als ob es das eigene wäre. Kein Wunder, warum sich dieses Modell nach seiner Markteinführung wie warme Semmeln verkaufte. Der Continenta­l GT war der erste Bentle­y, der nach der Übernahme von Volkswagen im Jahr 1998 entwickelt wurde, und erschien fünf Jahre später. Der Absatz ging rasant in die Höhe, statt wie zuvor rund 1000 wurden nun knapp 6000 Bentleys pro Jahr verkauft – die Rettung der Luxus­marke. Nach wenigen Metern ist der Respekt verflogen. Es ist Zeit, das Fahrerlebnis zu fühlen.

Bentley Lodge: Das ehemalige Forsthaus liegt am Fuße der Streif. Unten: Das Wohnzimmer lädt zum Entspannen ein.
Bentley Lodge: Das ehemalige Forsthaus liegt am Fuße der Streif. Unten: Das Wohnzimmer lädt zum Entspannen ein.
- bentley

Die erste Landstraße kommt gelegen – endlich kann etwas beschleunigt werden. Zeit für einen Wimpernschlag bleibt nicht, die erlaubte Geschwindigkeit ist schon erreicht. Dass der Weg über die deutsche Autobahn führt, macht Lust auf mehr.

Mit 635 PS geht es dahin

Bei der Grenzkontrolle schauen die Polizisten etwas ungläubig. Liegt es an der englischen Nummerntafel? Und dass das Steuer trotzdem auf der linken Seite ist? Egal. Endlich ist die Geschwindigkeitsbeschränkung aufgehoben, nun ist mein Freund der Bleifuß an der Reihe.

Bei vielen Autoherstellern geht der Trend Richtung Sicherheit, so baut Volvo ab 2020 nur noch Autos mit serienmäßigem Tempolimit. Die Höchstgeschwindigkeit wird dann 180 km/h sein. Im Bentley scheint es jedoch keine Grenzen zu geben: Die Maximalgeschwindigkeit beträgt 333 km/h. Das muss getestet werden! 100, 130, 170 – innerhalb weniger Sekunden ist das Auto dahinter distanziert, man fühlt sich, als ob das Benzin durch die eigenen Adern schießt.

Der neue Bent­ley Continental GT überzeugt mit seinem Design.
Der neue Bent­ley Continental GT überzeugt mit seinem Design.
- bentley

Die 635 PS unter der Motorhaube sorgen gefühlt für die gleiche Beschleunigung wie bei einem Flugzeug. Dass Gründer Walter Owen Bentley selbst Fluzeug-Sternmotoren entwickelte, spürt man. Der ehemalige Pilot der Royal Air Force erhielt einen Kredit des Royal Naval Air Service, um mit der Produktion seines eigenen Automobils zu beginnen. Dabei sorgte er für eine Revolution: Bentley setzte auf Leichtbau und goss wohl als einer der ersten Hersteller Zylinder aus Aluminiu­m und nicht länger aus Eisen. Die Leichtmetallkolben kannte er bereits von der Royal Air Force. Zwei Jahre nach der Markengründung konnte Bentley zusammen mit seinem Bruder Henry die ersten Fahrzeuge ausliefern. Die Bauweise machte sich bezahlt, beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans sorgten die Briten für Furore und holten sich von 1927 bis 1930 viermal den Sieg in Serie. Wohl mit ein Grund, warum sich das Interesse der anderen Autobahnteilnehmer auf „mein“ Auto richtet.

Neue Ära durch Übernahme

In der Geschichte passierte ja einiges. Finanzielle Probleme sorgten dafür, dass 1931 Rolls-Royce übernahm. Nach der Übernahme von VW wurden wieder neue Akzente gesetzt: Dem Continental folgte der Mulsanne sowie mit dem Bentayga das erste SUV aus dem britischen Autohaus. Für Aufregung sorgte ein Statement nach der Einführung des Geländewagens: „Bisher konnte ein Kunde in Deutschland maximal 160.000 Euro für ein SUV ausgeben. Dieses Problem haben wir mit dem Bentley Bentayga gelöst: Er ist mit 208.488 Euro auch das teuerste und exklusivste SUV der Welt.“ Wenn man bedenkt, dass der durchschnittliche Bentley-Fahrer 7,4 Autos in der Garage stehen hat, schockt der Preis potenzielle Käufer wohl nicht ab.

Unverändert bleibt auch nach 100 Jahren das Leitbild – starke und schnelle Autos zu bauen. Auch die Begeisterung für den Luxuswagen ist immer noch enorm, so macht es Spaß und Freude, die Reaktionen von vorbeifahrenden Personen mitzuerleben. Fleißig wird gewinkt und signalisiert, wie toll das Auto ist. Auch wenn man sich nicht mit fremden Federn schmücken will, tut es gut zu sehen, wie sich Menschen für einen Fremden freuen.

Die Straßen sind wieder freier – einmal noch Gas geben. Dann ist das Abenteuer vorbei – das Leben als Asphalt-König ist Geschichte.

Das revolutionäre Display des neue­n Bentleys: Beim Starten dreht sich die Holzarmatur.
Das revolutionäre Display des neue­n Bentleys: Beim Starten dreht sich die Holzarmatur.
- Bentley

100 Jahre Bentley, 100 Jahre Forsthaus

Vom Frühstückstisch sieht man den Zielhang der legendären Streif in Kitzbühel perfekt. Vor der Türe stehen alle möglichen verschiedenen Bentley-Modelle. Die Unterkunft lässt kein­e Wünsche offen. Eigentlich ein Wunschdenken.

Ein Wochenende in der Bentley Lodge ist jedoch nicht nur Besitzern des Luxuswagens vorbehalten. Für Urlaube, Familienfeiern sowie Tagungen kann das ehemalige Forsthaus gemietet werden.

Auch das Forsthaus wird 100

Gleich wie Bentley feiert auch die Lodge heuer das 100-Jahr-Jubiläum. Das Forsthaus wurde zwar umgebaut, gewisse Details sind jedoch wie einst im Jahr 1919 unverändert. Damit soll eine Kombination aus Luxus und Erinnerung für Entspannung sorgen.

Weltweit ist die Lodge einzigartig. Zwar werden regelmäßig Veranstaltungen rund um den Globus abgehalten, einen fixen Standort gibt es aber nur in Tirol. Kitzbühel hatte für den britischen Automobilhersteller mehrere Gründe: Neben der idealen Lage mit Nähe zum Münchner, Salzburger und Innsbrucker Flughafen finden auch die richtigen Events statt. „In Sardinien zum Beispiel ist im Winter nichts los, hier in Kitzbühel hingegen sind auch im Sommer genug Touristen“, erklärt Bentleys Marketing und Communication Manager Sebastian Michel.

Und wer sich entschließt, als Andenken ein neues Auto zu kaufen, der kann direkt in der Lodge mit der Individualisierung beginnen. Leder­muster sowie Blinker und Schalter liegen als Muster auf. Für weitere Sonderwünsche steht die Abteilung Mulliner zur Verfügung.