Letztes Update am Do, 14.03.2019 08:16

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Rosen zu Fairtrade-Preisen: Der dornige Weg zur fairen Romantik

Herwig Tretter betreibt eine Rosenfarm in Tansania. Damit sorgt

der Wiener für gute Arbeitsbedingungen in Afrika und für Romantik in Österreich. Um auf die Wichtigkeit von Fairtrade hinzuweisen, wurde nun eine Challenge ins Leben gerufen.

Der Wiener Herwig Tretter und seine Mitarbeiter züchten seit 2004 Blumen in der Rosenfarm „Mount Meru“ in Tansania.

© TretterDer Wiener Herwig Tretter und seine Mitarbeiter züchten seit 2004 Blumen in der Rosenfarm „Mount Meru“ in Tansania.



Von Judith Sam

Gehen Rosen auf Reisen, sollte es kühl sein. Darum herrschen im Bauch der Flugzeuge, in denen die langstielige Pracht von Afrika nach Europa fliegt, frische vier Grad. „So exportieren wir rund 70 Millionen Rosen jährlich“, sagt der gebürtige Wiener Herwig Tretter, der in Tansania die Rosenfarm „Mount Meru“ betreibt.

Beim Gedanken, in einer Rosenfarm im Herzen Afrikas zu arbeiten, dürfte so mancher eine romantische Vorstellung von schier endlosen Rosen-Reihen haben, die auf duftenden Feldern sprießen. Die Realität sieht jedoch etwas anders aus: „Man kann den Arbeitsalltag hier nicht mit österreichischen Standards vergleichen. In Afrika ist vieles +.“

Chef und Sekretärin in einem

Stromausfälle schädigen Computersysteme, die Internetverbindung bricht oft zusammen, Stürme zerstören die Dächer der Hallen: „Wegen des häufigen Regens käme es zudem zu Pilzbefall an den Rosen, würden diese nicht in Foliengewächshäusern kultiviert.“ Hinzu kommt das Arbeits-Credo der Einheimischen: „Immer mit der Ruhe.“

„Im Wienerwald, wo ich früher gelebt habe, sind die Positionen mit Leuten besetzt, die ihre Aufgaben selbstständig erledigen“, erinnert sich Tretter. In Tansania hingegen muss der 62-Jährige laufend alle Arbeiten seiner Mitarbeiter nachkontrollieren: „Ich bin nicht nur Chef, sondern quasi auch meine eigene Sekretärin und der Koordinator des Ganzen.“ Keine einfache Aufgabe bei 900 Mitarbeitern.

Doch gerade für diese Menschen lohnt sich Tretters Engagement. Seine blühende Ware besteht nämlich ausschließlich aus Fairtrade-Blumen. „Das bedeutet, dass es regelmäßige Kontrollen gibt, um sicherzustellen, dass die Arbeitsbedingungen besser sind als die lokalen afrikanischen Normen“, sagt Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich.

In Folge dessen genießen die Angestellten von „Mount Meru“ Mutterschutz, reglementierte Arbeitszeiten, das Verbot von Kinderarbeit und einiges mehr. Zusätzlich gibt es eine Prämie, die Menschen indirekt fördert – etwa durch Zuschüsse für den Schulbetrieb und Wasserversorgung in den Gemeinschaften.

Um Kunden auf die Wichtigkeit des fairen Handels hinzuweisen, wurde die „Fair­trade Rosen Challenge“ ins Leben gerufen. „Deren Ziel ist es, bis 31. Mai in Österreich zehn Millionen Fairtrade-Rosen zu verkaufen“, sagt Kirner. Rund eine Million wurden seit Beginn der Challenge am 1. März gekauft.

Durch Zufall in die Rosenfarm

Wegen kleiner Erfolge wie diesem bereut Tretter es nicht, dass er sich 2004 mit „Mount „Meru“ selbstständig gemacht hat. Damals plante er, Entwicklungshilfe zu leisten, kam jedoch zum Schluss, dass die Arbeit an einem Projekt, das sich finanziell selbst trägt, eine höhere Entwicklungschance hat als ein gesponsertes Unternehmen.

Also fragte Tretter bei Banken nach, ob sie Firmen kennen würden, die zu wenig Geld erwirtschaften und einer Sanierung bedürfen. So kam er über Umwege zu seiner einst kleinen afrikanischen Farm für Schnittrosen. Inzwischen hat er mehrere Nachbarfarmen übernommen, die vom Management überfordert waren: „Jetzt exportieren wir jährlich rund zehn Millionen Rosen nach Österreich. Weitere 60 Millionen fliegen nach England sowie Holland und werden von dort aus nach Skandinavien, Frankreich und Deutschland verkauft.“

Möglich machen das Tretters Mitarbeiter, deren Arbeitstag um 7.30 Uhr beginnt: „Bei uns wird an sechs Tagen pro Woche siebeneinhalb Stunden gearbeitet. Mittags bieten wir kostenlose Speisen wie Reis, Polenta, Fisch und Obst an.“ Nach dem Feierabend in der Rosenfarm ist die Arbeit jedoch nicht getan: „Dann gilt es für die meisten Afrikaner, den eigenen Kleinbauernhof zu bewirtschaften, der meist aus einem halben Hektar Mais- oder Bohnenfeldern, ein paar Hühnern und der einen oder anderen Kuh besteht.“

Wer nun mit dem Gedanken spielt, Rosen zu kaufen, kann übrigens leicht nachvollziehen, ob er damit „Mount Meru“ oder eine der 15 anderen Rosenfarmen, die Blumen für die Challenge nach Österreich liefern, unterstützt. Ein Code auf der Blumenverpackung gibt an, wo die dornigen Schönheiten gewachsen sind.