Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 19.03.2019


Innsbruck

Tagung in Innsbruck: Kaiser Maximilian I. und die Frauen

Über Maximilians Gemahlinnen kursieren viele Anekdoten. Historikerin Christina Antenhofer relativiert diese Überlieferungen bei der Internationalen Maximilian-Tagung.

Auf dem Relief am Goldenen Dachl in der Innsbrucker Altstadt ist Kaiser Maximilan I. mit seinen beiden Gemahlinnen Bianca Maria Sforza (Mitte) und Maria von Burgund (rechts) zu sehen.

© Thomas BöhmAuf dem Relief am Goldenen Dachl in der Innsbrucker Altstadt ist Kaiser Maximilan I. mit seinen beiden Gemahlinnen Bianca Maria Sforza (Mitte) und Maria von Burgund (rechts) zu sehen.



Von Gerlinde Tamerl

Innsbruck – Maria von Burgund war angeblich sehr schön. Der Tiroler Maler Michael Pacher soll die erste Gemahlin Maximilians als schneewittchenhaftes Wesen porträtiert haben. Der Habsburger hat sich anscheinend auf Anhieb in sie verliebt. Maria von Burgund starb jedoch schon mit 25 Jahren, und so musste sich Maximilian um eine neue Braut umsehen. Er heiratete die Mailänderin Bianca Maria Sforza, doch sie konnte der klugen Burgunderin zeitlebens nicht das Wasser reichen. Sie galt als einfältig und weniger schön. Maria von Burgund wurde zur großen Geliebten, Bianca Maria Sforza hingegen zur ewig verschmähten Gemahlin stilisiert. Wieviel Wahrheit verbirgt sich hinter diesen Zuschreibungen?

Historikerin Christina Antenhofer ist Professorin an der Universität Salzburg und widmet sich dem Leben von Fürstinnen an den europäischen Renaissance-Höfen. Die gebürtige Südtirolerin wird heute um 10.30 Uhr (Kaiser-Leopold-Saal, Alte Universität) im Rahmen der „Internationalen Tagung zum 500. Todestag Maximilians I.“ einen Vortrag über dessen Gemahlinnen halten.

Antenhofer hat sich erneut mit den erhaltenen Quellen beschäftigt und betont, dass „die Ehe zwischen Maria von Burgund und Maximilian I. von Beginn an als große Liebe gefeiert wurde“, und das, obwohl romantische Erwägungen bei der Partnerwahl in den Fürstenfamilien der damaligen Zeit kaum eine Rolle spielten. Wirtschaftliche und politische Überlegungen hatten also Vorrang. Trotzdem war das Vorhaben einer Heirat auch an christliche Vorstellungen geknüpft, die vorsahen, „dass aus freier Herzensentscheidung eine Ehe eingegangen wurde“. Antenhofer erklärt, dass Paare sich nach der Verlobung mit „herzliebste(r) Gemahl(in)“ ansprachen. Diese, teils formelhaften Liebesbekundungen, können sich bei der Deutung von Quellen aber als heimtückisch erweisen, „denn es ist damit schwer zu ergründen, wie es um die eigentliche Gefühlswelt bestellt war“, so die Historikerin. „Beide Ehen Maximilians I. waren übrigens ungewöhnlich“, sagt Antenhofer, denn „hier wurden keine behüteten Mädchen verheiratet, sondern erwachsene Frauen in politischen Umbruchsituationen.“

Dennoch vermutet die Historikerin, dass Maria von Burgund und Maximilian I. einander tatsächlich sehr zugetan waren. Antenhofer sieht dies in dem geringen Altersunterschied begründet, beide waren bei der Hochzeit 18 und 20. Unüblich war jedoch, dass Maximilian I. an den Hof nach Burgund zog. Er musste sich in einem fremden Umfeld als Herrscher etablieren. „Maria von Burgund unterstützte ihn anscheinend sehr, was zu einer Stärkung ihrer Beziehung beigetragen haben dürfte“, erläutert Antenhofer. Um sich als Herrscher weiterhin zu behaupten, musste Maximilian auch nach dem plötzlichen Tod seiner Gemahlin das „Narrativ der großen Liebe“ weiterhin in die Welt hinaustragen. Zweifel an seiner Zuneigung kommen aber auf, wenn er noch nach Jahren die Trennung von seiner einstigen Geliebten in Briefen beklagt. Er musste sie nämlich wegen seiner burgundischen Hochzeit verlassen.

Außerdem zählte ein monogames Leben offenbar nicht zu seinen ritterlichen Tugenden, denn Maximilian hatte auch viele uneheliche Kinder, was damals laut Antenhofer aber nicht ungewöhnlich war. Trotz intensiver Recherchen, so die Historikerin, bleibt Maria von Burgund eine blasse Persönlichkeit. Ihre spärlichen Briefe verraten kaum Persönliches und selbst in den überlieferten Gemälden ist es schwierig, individuelle Züge zu finden.

Die zweite Ehefrau Maximilians, Bianca Maria Sforza, wurde an den Hof nach Innsbruck geholt und hatte in der Fremde eine schwierige Ausgangssituation. Die Mailänderin war jedoch schon vor ihrer Ankunft entwurzelt worden, denn sie wuchs in einem gewalttätigen und grausamen Umfeld auf. Ihr Vater wurde ermordet und ihre Mutter scheiterte als Regentin.

Antenhofer hebt hervor, dass alle Negativurteile über Bianca Maria Sforza vor allem aus zwei Quellen stammen. „Bianca Maria Sforza war sicher nicht einfältig und wahrscheinlich auch nicht hässlich“, sagt sie und relativiert damit die gegenteilige Überlieferung. Antenhofer weiß, dass Sforza-Fürstinnen gebildet waren, und ergänzt: „Bianca Maria korrespondierte viel und besaß etliche Bücher. Sie war eine politisch aktive Frau. Es lässt sich sogar nachweisen, dass sie heimlich lateinische und italienische Briefe ausfertigte. Allerdings fehlte ihr der Rückhalt ihres eigenen Fürstenhauses, und es gelang ihr auch nicht, sich in ihr neues Umfeld zu integrieren.“

Auf dem Goldenen Dachl sind die Gemahlinnen Maximilians I. verewigt. Antenhofer weist darauf hin, dass die Italienerin mit schicksalshafter Geste ihren Apfel an Maria von Burgund weiterreicht. Damit wird wieder suggeriert, dass Maria von Burgund für alle Ewigkeit die große Auserwählte bleiben wird.