Letztes Update am So, 17.03.2019 09:45

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Drei kurze Lektionen im Hauptfach Glück

Bis zum Weltglückstag am 20. März ist noch genug Zeit, sich selbst glücklich zu machen. Man kann lernen, wie man dieses Gefühl des Wohlbefindens hervorruft. In Bhutan steht das Streben nach Glück in der Verfassung und in steirischen Schulen am Unterrichtsplan.

Die Menschen in Bhutan werden alle fünf Jahre von der Regierung befragt, wie glücklich und 
zufrieden sie sind.

© iStock UnreleasedDie Menschen in Bhutan werden alle fünf Jahre von der Regierung befragt, wie glücklich und 
zufrieden sie sind.



Text: Matthias Christler

Der Lehrer tritt mit einer Mappe unter dem Arm in die Klasse ein und die Kinder wissen, was das bedeutet: Die Schularbeiten sind korrigiert. In den Bänken wird gezittert, der Puls rast, er tritt auf den ersten zu, der Zettel ist übersät mit roten Korrekturen ... ein Vierer. Glück gehabt.

Doch Glück in seiner ganzen Bedeutung ist eigentlich etwas anderes. Eine positive Note mit Ach und Krach erreicht zu haben, könnte besser als „Erleichterung“ bezeichnet werden. Wie also definiert sich Glück? Ist es, wenn die Ferien beginnen? Auch nicht, denn das würde bedeuten, dass man die restlich Zeit des Jahres nicht genießen hat können.

Die gute Nachricht: Glück kann man lernen, und das gilt besonders für Erwachsene. Willkommen liebe Schüler jeden Alters, heute werden keine Schularbeiten verteilt, am Stundenplan steht der Glücksunterricht. Zu Beginn bitte setzt euch, und dann springt wieder auf, springt, so viel ihr wollt. Bewegung ist nämlich der erste Schritt zu einem Leben mit mehr Wohlbefinden.

Lektion eins: Land des Glücks

Jetzt zur ersten Lektion: Dafür reisen wir nach Asien, ins Himalaya-Gebiet, in das kleine buddhis­tische Königreich Bhutan. Vor 40 Jahren entwickelte der damalige König von Bhutan den Begriff des „Bruttonationalglücks“ und legte damit das Wohlbefinden seines Volkes als höherwertigeres Gut fest als das wirtschaftliche Wachstum.

Die derzeit rund 800.000 Einwohner des kleinen Himalaya-Staates werden in Fünf-Jahres-Abständen befragt, wie es ihnen psychisch und gesundheitlich geht, wie ihr Zeitverhältnis von Arbeit zu Schlaf aussieht, wie zufrieden sie mit der Regierung sind und wie es um ihre Balance zwischen materiellen und spirituellen Bedürfnissen steht.

Der Wiener Claus Walter war schon x-mal im „Land des Donnerdrachens“. Er ist seit 20 Jahren Präsident der Österreichischen Bhutan Gesellschaft und meint zum Thema Glück: „Die Grundsätze des Bruttonationalglücks sind sogar in der Verfassung des Landes verankert und werden in Gesetzen implementiert. Eine eigene Glücks-Behörde analysiert die Daten aus der Befragung.“

Lange war das Land abgeschottet, es gab bis vor wenigen Jahren keinen Zugang zum Internet und auch kein Fernsehen. Nun allerdings öffnet sich Bhutan, bereitet sich auf den Sprung eines unterentwickelten Landes zu einer höheren Wertigkeit vor. Die Öffnung führt allerdings dazu, dass sich vor allem die Menschen aus den Städten auf nicht mehr ganz so traditionelle Werte berufen. Die meisten Bewohner am Land, die Bauern, bekommen jedoch wenig von alldem mit. Ihr Alltag ist geprägt vom täglichen Kampf um die lebensnotwendige Ernte, aber nicht dem Streben nach Reichtum. Am Beispiel einer entlegenen Provinz ganz im Osten des Landes erklärt Walter die buddhistische Bescheidenheit des dortigen Lebens: „Wir haben im Ort Pangtokha eine ländliche Grundschule gebaut. Dort erlebe ich uneigennützige Gastfreundschaft, dort komme ich bei jedem Besuch total zur Ruhe. Es wird hell, es wird dunkel, ich brauche keine Uhr, schon gar keine teure. Ja, in Pangtokha bin ich tatsächlich glücklich, denn ich brauche kaum etwas.“

Um ein Gefühl für das „Streben nach Glück“ des kleinen Königreichs zu bekommen, muss man gar nicht einmal so weit reisen. Denn in Wien lädt der „Druk-Yul-Park“ ein, innezuhalten. Der Name heißt in der Landessprache „Land des Donnerdrachens“. Inmitten des Parks steht ein Glückstürmchen und an der traditionellen Mani-Mauer findet man acht Glückssymbole.

Lektion zwei: Tage des Glücks

Wer alle Lektionen des Glücksunterrichts durch hat, wird merken, dass dieses schöne Gefühl ortsunabhängig ist. Und auch die Zeit sollte keine Rolle spielen.

Dennoch dreht sich die Lektion zwei um einen ganz bestimmten Tag, den Weltglückstag. Die Vereinten Nationen haben sich von Bhutan inspirieren lassen und vor sieben Jahren einen Aktionstag am 20. März ins Leben gerufen. Ziel ist es, dass mehr Länder die Maxime vorgeben, wonach der persönliche Wohlstand über das rein Materielle hinausgeht. Die Vereinten Nationen bezeichnen das sogar als eines ihrer Hauptthemen.

Dem Vorbild Bhutan sind bereits weitere Länder gefolgt, zum Beispiel Ecuador, Schottland und die Vereinigten Arabischen Emirate, und haben eigene Ministerien für Glück geschaffen. In Dubai wird etwa ein Festival veranstaltet, das von Psychologen und Wellness-Experten begleitet wird. Oft benötigt man Menschen von außen, die einem zeigen, was Glück bedeutet.

In Tirol bietet sich dazu ein paar Wochen nach dem Weltglückstag bei dem Kufsteiner Festival „glück.Tage“ die Gelegenheit dazu. Unter anderem erzählen Prominente von ihren Glücks- erlebnissen.

Schauspielerin Adele Neuhauser meint: „Ich habe erkannt, wie glücklich ich bin, älter zu werden. Alles bewegt sich ja in Kreisen, und erst das Alter gibt uns die Chance, zumindest einige davon zu Ende zu denken und abzuschließen.“ Die Schauspielerin hat das erst lernen müssen.

Lektion drei: Schule des Glücks

In Lektion drei geht es darum, wie man schon in der Schule den richtigen Weg zum Glück einschlägt. Seit mittlerweile zehn Jahren steht das an vielen steirischen Schulen am Stundenplan.

Die diplomierte Lebensberaterin Renate Duschnig unterrichtet an einer höheren Schule einmal pro Woche das Fach „Soziales Lernen mit Schwerpunkt Glück“. Das klingt so, als könnte man es lernen wie eine Formel in Mathematik, in diesen Zustand zu kommen. So leicht ist es nicht, aber Duschnig stellt klar: „Ja, Glück ist erlernbar, das ist wissenschaftlich belegt.“

Ihre Formel sieht so aus: „50 Prozent sind genetisch bedingt, 10 Prozent sind die äußeren Umstände, aber 40 Prozent meines Lebensglücks habe ich selbst in der Hand.“ Den Schülern erklärt sie, dass durch Bewegung im Gehirn Botenstoffe aktiviert und Hormone ausgeschüttet werden, dass die Ernährung einen großen Beitrag leistet und die sozialen Kontakte glücklich machen – „die echten, nicht die in den sozialen Netzwerken“, fügt die AHS-Lehrerin schnell noch an.

Die Glückslehrerin sieht ganz stark, wie Menschen verlernen, sich wohlzufühlen, weil sie sich mit anderen vergleichen und durchs Leben hetzen. „Das trifft auf Erwachsene und auf Kinder zu. Was wir alle mehr lernen sollten, ist, mehr darauf zu achten, wie es mir geht und warum es mir so geht. Achtsamkeitstraining ist daher ganz wichtig“, sagt sie.

Man sollte sich die Frage stellen, ob man das eigene Wohlbefinden von anderen abhängig macht, vom Chef, vom Partner oder von der Sehnsucht nach dem nächsten Urlaub. Oder schafft man es, unabhängig von äußeren Faktoren ein Glücksgefühl zu empfinden.

„Kleine Kinder können das, sie sind manchmal richtig in einem Flow, wenn sie etwas machen. Diese Begeisterung kann man sich wieder antrainieren. Wenn ich von einer Sache, die ich tue, begeistert bin, dann bin ich motivierter, dann gelingt es mir besser und dann bin ich auch glücklicher“, fasst Duschnig zusammen. Auch Unternehmen erkennen das immer öfter und buchen Glücksseminare.

Ein Punkt, der für die Lebensberaterin wichtig ist, betrifft die Dankbarkeit. „Wenn man sich ins Gedächtnis ruft, wofür man in seinem Leben dankbar ist, ist das schon ein Schritt zum Glücklichsein.“

Das war die letzte Lektion für heute. Jetzt liegt es an jedem selbst, das Gelernte aus diesem Unterricht in den Alltag mitzunehmen. Mit etwas Glück und vor allem Übung wird das sicher etwas.




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