Letztes Update am So, 24.03.2019 07:04

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Magazin

Power-Magier: „Papa war der dritte Ehrlich Brother“

Das Kaninchen im Hut ist Magie von gestern. Moderne Zauberer wie die „Ehrlich Brothers“ lassen Monster Trucks erscheinen und Schwiegermütter verschwinden. Die TT traf die beiden wohl bekanntesten deutschsprachigen Magier in Innsbruck.

Die "Ehrlich-Brothers" auf der Bühne

© ShowfactoryDie "Ehrlich-Brothers" auf der Bühne



Text: Judith Sam · Fotos: Thomas Böhm

Andreas Ehrlich ist vier Jahre älter. Während Christian nicht viel über sein Liebesleben preisgibt, ist Andreas dreifacher Vamilienvater.
Andreas Ehrlich ist vier Jahre älter. Während Christian nicht viel über sein Liebesleben preisgibt, ist Andreas dreifacher Vamilienvater.
- Thomas Boehm / TT

In Ihrer Show verbiegen Sie stählerne Bahnschienen, wechseln binnen einer Sekunde die Farbe Ihrer Kleidung und „teleportieren“ Schwiegermütter aus dem Publikum an einen anderen Ort. Welche Ihrer Nummern hat Sie am meisten Nerven gekostet?

Andreas Reinelt: Der Monster Truck! Anfangs liegt ein Tuch auf der Bühne, unter dem dann der Truck zum Vorschein kommt. Die Illusion haben wir das erste Mal vor 40.000 Zusehern aufgeführt. Zehnmal haben wir sie davor im Stadion geprobt und nie hat’s geklappt. Immer kam ein neues Problem dazu. Wir hatten so einen Bammel. Es war auch das erste Mal, dass der Veranstalter meinte, wir sollten die Illusion auslassen. In der Show hat aber alles funktioniert!

Wie entstehen Ihre Tricks?

Christian „Ehrlich“  wurde 1982 in Herford, Deutschland, geboren.
Christian „Ehrlich“ wurde 1982 in Herford, Deutschland, geboren.
- Thomas Boehm / TT

Andreas: Es gibt verschiedene Anlässe, durch die wir auf die Ideen kommen. Bei der Illusion, wo ein Motorrad aus einem iPad fährt, dachten wir uns, dass wir diese beiden Komponenten für ein cooles Opening verbinden. So entsteht die erste Idee. Dann überlegen wir, wie wir es umsetzen. Wir bauen alles, was dazu nötig ist, selbst. Ein anderes Mal haben wir nachgedacht, was wir unserem Papa widmen könnten. Er ist vor fast sechs Jahren verstorben. Mein Bruder kam mit einem Stück Draht an und sagte, dass wir daraus ohne Zutun unserer Hände den Schriftzug „Danke“ formen könnten. Als Dankeschön an unseren Papa, um den Zuschauern zu zeigen, dass er der dritte „Ehrlich Brother“ war.

Christian Reinelt: Wir versuchen, unser Leben auf die Bühne zu bringen. Etwa, eine Frau zu zersägen, macht für uns keinen Sinn. Eine Illusion muss authentisch sein.

Wie wichtig ist dabei die Dramaturgie einer Nummer?

Andreas: Musik, Pyrotechnik, Nebel – das alles sind Inhaltsstoffe, aus denen ein Rezept entsteht, das den Leuten hoffentlich schmeckt. Natürlich besteht die Gefahr, es zu viel zu würzen – wenn man vor Nebel etwa nichts mehr sieht.

Hat Ihr Vater Sie auch noch unterstützt, als Sie 500.000 Euro Schulden hatten, weil die Magier-karriere noch nicht florierte?

Andreas: Ja. Unsere Eltern haben uns so viel von ihrem Geld geliehen wie möglich. Das haben wir gebraucht, um neue Illusionen anzufertigen.

Christian: So 50.000 Euro waren das – die wir ihnen aber zurückbezahlt haben. Das war für sie kein Pappenstiel. Sie waren nicht reich, hatten aber ein wenig angespart. Als es auf unsere erste Tournee zuging, hatten wir keinen Veranstalter. Keiner hat an uns geglaubt. Also haben wir das selbst in die Hand genommen – auf eigenes Risiko Lkw, Crew und Hallen gemietet. Die Tour rückte näher und wir hatten nicht so viele Tickets verkauft wie gedacht. Die Hallen wollten trotzdem ihr Geld. Da waren wir 500.000 Euro im Minus. Aber in den letzten sechs Wochen vor den Shows konnten wir noch gut verkaufen. Zwei Jahre später waren wir kreditfrei.

Was hat Sie anfangs motiviert, nicht die Flinte ins Korn zu werfen, als Sie vor nur 15 Leuten aufgetreten sind?

Christian: 2003 war das. Wir hatten trotzdem totale Freude am Auftreten.

Andreas: Das war so eine positive Zeit, da war es auch egal, dass die Hälfte der 15 Leute nur deshalb da waren, weil sie unser Cousin organisiert hat.

Christian: Das waren damals aber Säle für 50 Leute. Keine Säle für 4000 Menschen, in denen dann nur 15 gestanden sind.

Heute reisen Sie von Show zu Show – von Helsinki bis Innsbruck – mit mehr als 70 Mitarbeitern. Wie schaffen Sie es, bei so vielen Leuten den Trick hinter Ihren Illusionen geheim zu halten?

Andreas: Jeder von ihnen kennt nur seinen kleinen Teil vom gesamten Kosmos.

Zu Beginn Ihrer Karriere wollte der berühmte US-Magier David Copperfield zwei Ihrer Illusionen kaufen. Bereuen Sie es, dass Sie sich dagegen entschieden haben?

Andreas: Unser Papa hat von Beginn an gesagt, dass wir unsere Geheimnisse nicht verkaufen, sondern selbst damit auf Tournee gehen sollen. Damals sind wir nur auf Sommerfesten und zu Weihnachten aufgetreten. Ich war sehr enttäuscht, als das mit Copperfield auseinanderging. Er war der Held meiner Kindheit. Heute bin ich Papa aber sehr dankbar. Sein Rat hat uns Selbstbewusstsein gegeben. Wenn Copperfield unsere Ideen will, können sie nicht so schlecht sein.

Christian: Also haben wir beschlossen, auf Tournee zu gehen.

Andreas: Die Presse fand es cool, dass wir Copperfields Angebot ausgeschlagen haben. Das hat erste Leute zur Show gebracht. 2011 hatten wir erstmals 500 Besucher. Das war sehr viel für uns.

Andreas, zaubern Sie zuhause auch mit Ihren Kindern?

Andreas: Nein. Das muss von einem selbst kommen. Die Türen stehen offen, ich will aber nichts zu sehr forcieren.

Mal ehrlich: Wer von Ihnen beiden hat das Sagen?

Christian: Ich!

Andreas: Und ich lasse ihn in dem Glauben.

Ganz „Ehrlich“ auf der Bühne

Andreas und Christian Reinelt verzaubern ihr Publikum unter dem Namen „Ehrlich Brothers" — um zu zeigen, dass alles ehrlich zugeht und sie keine paranormalen Fähigkeiten haben.

Christian studierte zunächst Anglistik und Romanistik, absolvierte dann aber die Ausbildung zum Pyrotechniker. Andreas begann Sport und Mathematik auf Lehramt zu studieren, entschloss sich aber bald, seine ganze Aufmerksamkeit der Zauberei zu widmen.

Seit dem Jahr 2000 treten sie gemeinsam auf und stellten dabei mehrere Rekorde auf. Einer war „die größte Zaubershow der Welt" 2016 vor knapp 40.000 Zusehern. Dabei zauberten sie erstmals einen Monster Truck auf die Bühne. www.ehrlich-brothers.com


Mehr Artikel aus dieser Kategorie

Ingrid Schneider (Tirol Werbung, links) und Claudia Pichler (Tirol Shop, rechts) überreichten den Siegern Andreas Haselwanter und Martin Schellhorn ein Tirol Goodie Bag.Freizeit
Freizeit

Sonnenaufgang, Mond und Sterne: Das sind die Leserfotos des Monats

Aus Hunderten Einsendungen für die neue TT.com-Bildergalerie wurden die drei besten Leserfotos des Monats März gekürt. Für die Sieger gab es Tirol Goodie Bag ...

fotos
Events in Tirol
Events in Tirol

Sarah Connor und Radieschenfest: Das ist am Wochenende los in Tirol

Auch wenn sich das Wetter zum Wochenende hin wieder von seiner weniger schmeichelhaften Seite zeigt, wird es in Tirol noch lange nicht langweilig. Vom Mittel ...

events
Nach dem Besuch des Wilden Pfaff wird nochmals aufgefellt.TT-Tourentipp
TT-Tourentipp

Wilder Pfaff und Pfaffenkogel: Abseits des großen Trubels

Der Wilde Pfaff und der Pfaffenkogel in den Stubaier Alpen sind zwei alternative Skitourenziele zum bekannten Zuckerhütl. Landschaftlich können sie mit dem „ ...

skitouren
Kürzlich aus der Taufe gehoben: Der Verein „Krampusrunde See“ sieht sich der regionalen Brauchtumspflege verpflichtet.Bezirk Landeck
Bezirk Landeck

„Krampusrunde See“: Brauchtumspflege steht hoch im Kurs

„In den vergangenen Jahren sind bei uns der Nikolausumzug und auch das Brauchtum um den Krampuslauf abhandengekommen", schildern Michael Zan...

Beim vierten Charity-Event von „Wir bewegen Tirol“ konnte ein neuer Rekord aufgestellt werden. Da waren der Jubel und die Freude groß.„Wir bewegen Tirol“
„Wir bewegen Tirol“

Schwitzen für den guten Zweck: 4850 Euro für Tiroler Familie

Das Tiroler Sportunternehmen „Wir bewegen Tirol“ hat sich einmal mehr in den Dienst der guten Sache gestellt. Einen ganzen Tag lang wurde bei elf Fitnesskurs ...

Weitere Artikel aus der Kategorie »