Letztes Update am Fr, 05.04.2019 06:56

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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Hoch über dem Kaunertal: Tour auf das Stupfarriköpfle

Der Name ist zwar kaum rauszubringen, doch davon abgesehen hat das Stupfarriköpfle im Kaunertal alles, was eine Traum-Skitour auszeichnet: schöne, weite Hänge, tolle Ausblicke und zu dieser Jahreszeit Firn.

Hoch über dem Kaunertal ist man bereits in der Sonne, das Gelände erschließt sich in vielen Stufen.

© RappHoch über dem Kaunertal ist man bereits in der Sonne, das Gelände erschließt sich in vielen Stufen.



Von Irene Rapp

Kaunerberg — Der Naturpark Kaunergrat wartet mit einigen Highlights auf. Und mit einigen interessanten Fakten: Da gibt es etwa zwischen Kaunertal und Pitztal Gipfel zu finden mit Namen wie aus einem Heimatroman: Kitzmörder (2435 m) oder Wallfahrtsjöchl (2766 m). Und dann finden sich in diesem Gebiet noch der Hintere (2895 m), der Mittlere (2911 m) sowie Vordere Stupfarri (2874 m). Uns zog es am vergangenen Wochenende jedoch auf das Stupfarriköpfle: eine 2808 Meter hohe Erhebung, die wie ein kleiner Mugel inmitten beeindruckender Felsgestalten aus dem Boden wächst. Eine ideale Frühjahrstour, denn wir schmierten auf vielen Höhenmetern Firn ins Tal. Doch dazu später.

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Den Track für die Tour finden Sie unter https://bit.ly/2CPyuj2>

So kommt man hin: Zunächst ins Kaunertal, bis man zum Weiler Nufels der Gemeinde Kaunertal gelangt. Dort links hinauf abbiegen Richtung Kaltenbrunn/Wiesenhof. Auf einer schmalen Straße geht es hinauf, einmal heißt es Richtung Wiesenhof abzweigen. Auf 1580 Metern Höhe in einer Kehre finden sich dann einige Abstellmöglichkeiten für Pkw, hier befindet man sich bereits auf Kaunerberger Gemeindegebiet.

Das Stupfarriköpfle selbst ist eine unscheinbare Erhebung.
Das Stupfarriköpfle selbst ist eine unscheinbare Erhebung.
- Rapp

Man lässt das Auto stehen und geht am Forstweg weiter, auf dem am vergangenen Sonntag noch von Beginn an Schnee lag. Man könnte immer diesem Weg folgen, wir haben einige Male Abzweigungen über Wiesenstücke und den Sommerweg genommen.
Der Waldbestand wird immer lichter und bereits jetzt ist der Ausblick auf das Obere Gericht sowie das Kaunertal beeindruckend. Noch beeindruckender sind jedoch die Gipfel, die sich präsentieren.

Taleinwärts auf der linken Seite drängt sich etwa der markante Gsallkopf ins Blickfeld. Ausgangspunkt dafür ist ebenfalls der Wiesenhof. Mit seinen 3277 Metern ist diese Erhebung zwar auch mit Skiern zu erreichen, allerdings nur wirklich erfahrenen und erprobten Tourengehern zu empfehlen.

Kurios: Auf dem Weg dorthin muss man durch einen einen Kilometer langen Tunnel, der einst für eine Bewässerungsanlage am Kaunerberg errichtet worden ist.
Der Kaunerberghang, auf dem wir unterwegs sind, gehört nämlich zu den regenärmsten Gegenden Österreichs. Deswegen wurde gleich nach dem Zweiten Weltkrieg eine Bewässerungsanlage errichtet — es gibt auch einen Waal — die das Wasser aus dem Gallruthferner am Gsallkopf herableitet und so die Landflucht verhinderte.
Doch zurück in die Gegenwart: Im baumlosen Gelände sieht man aber auch, wie weit die Hänge sind. Wir hielten uns immer links, u. a. ging es unter einer kleinen Felsmauer hinauf. Einige Geländestufen werden überwunden und früh am Morgen sind auf jeden Fall Harscheisen ideal, außer, man will unnötig Kraft verschwenden. So zieht man gemächlich hinauf, das Stupfarriköpfle allerdings kann man lange nicht erblicken. Erst in den letzten 15 Minuten der Tour präsentiert sich das Ziel und, wie gesagt, das Köpfle ist zwar unscheinbar, aber die Umgebung entschädigt für alles.

Dafür hat man u.a. die beeindruckende Rofelewand und den Gsallkopf im Blickfeld.
Dafür hat man u.a. die beeindruckende Rofelewand und den Gsallkopf im Blickfeld.
- Rapp

Nach drei Stunden Gehzeit über rund 1300 Höhenmeter und fünf Entfernungskilometer kann man dann die Felle von den Bretteln abziehen und staunen. Die Gipfelrast war am vergangenen Sonntag ausgiebig, auf den idealen Firn-Zeitpunkt warten lautete die Devise. Um noch einen besseren Überblick zu bekommen, sind wir links vom Stupfarriköpfle in wenigen Minuten auf ein kleines Joch hinauf, das von den Einheimischen Ölgrubenköpfl genannt wird.
Dort mussten wir allerdings auf den letzten Metern hinauf in einigen abgewehten Bereichen die Ski schultern. Dafür konnten wir von hier aus gut auf das Gipfelkreuz der Schwarzwand sehen (2942 m).

Die Abfahrt, mehrheitlich entlang der Aufstiegsspur, war dann Butterbrot-gleich: Wer je auf Firn abgefahren ist, weiß, wovon die Rede ist. Allen anderen sei dieses Erlebnis einmal vergönnt.

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