Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 09.04.2019


Libanon

Patrouille des Cèdres: Skitour im Land der Zedern

Ein Tiroler Duo siegte bei der „Patrouille des Cèdres“, einem alpinen Tourenbewerb im Libanon. Die beiden Tiroler zeigten sich nach dem Wettkampf sichtlich überrascht.

Patrick Stöckl und Andreas Aschaber mit den Siegertrophäen der „Patrouille des Cèdres“ im Libanon-Gebirge.

© Andreas AschaberPatrick Stöckl und Andreas Aschaber mit den Siegertrophäen der „Patrouille des Cèdres“ im Libanon-Gebirge.



Von Mario Zenhäusern

Zaarour, Kirchberg – Der Libanon ist gemeinhin als Perle des Nahen Ostens bekannt, auch als Land der Zedern – aber als Mekka der Skitourengeher? Zwei Tiroler, Patrick Stöckl und Andreas Aschaber, überzeugten sich dieser Tage davon, dass in der Levante auch der Wintersport zu Ehren kommt. Über Bekannte, einer davon Austrolibanese und Olympiateilnehmer, der andere „Seven-Summits“-Bezwinger, erfuhren die beiden von einem einzigartigen Rennen im gebirgigen Landesinnern des Libanons: der „Patrouille des Cèdres“ (Zedern-Patrouille).

Die libanesische Armee organisiert die Veranstaltung seit Jahren in Anlehnung an die berühmte „Patrouille des Glaciers“ in der Schweiz. Das Rennen von Zermatt nach Verbier gilt als härtestes und größtes Skitourenrennen der Welt. Die Libanesen backen allein schon der Höhenlage und des Schwierigkeitsgrades wegen kleinere Brötchen, aber immerhin nahmen heuer 350 Teilnehmer die 14 Kilometer lange Strecke (700 Höhenmeter im Aufstieg, 600 in der Abfahrt) in Angriff.

Ein gewaltiges Militäraufgebot sorgte für die Sicherheit der 350 Teilnehmer des von der libanesischen Armee organisierten Rennens.
Ein gewaltiges Militäraufgebot sorgte für die Sicherheit der 350 Teilnehmer des von der libanesischen Armee organisierten Rennens.
- Andreas Aschaber

Die Tiroler, beides erfahrene Alpinisten und Wintersportler, erfuhren im Nahen Osten schon allein deswegen große Wertschätzung, weil „wir aus einem so für den Skitourensport bekannten Land angereist sind, um an dem Rennen teilzunehmen“, erinnert sich der aus Kirchberg stammende Aschaber, der „im Nebenberuf“ Wanderführer beim TT-Wandercup ist.

Schon der Fußweg zum Start hatte es in sich. Aschaber: „Die Straße war gesäumt von einem beachtlichen Aufgebot des militärischen Fuhrparks der libanesischen Armee. Vom gepanzerten Armeefahrzeug mit MG-Geschütz am Dach bis hin zu schwergewichtigen Panzern sahen wir alles. Zuhause wäre es eine Militärparade, hier im Libanon gehört es zum Alltag wie auch die Sicherheitskontrolle mit Metalldetektor beim Zutritt zum Startgelände.

Aschaber und Stöckl ließen sich davon nicht aus der Ruhe bringen, postierten sich am Start direkt hinter der Staffel der libanesischen Spezialeinheit „Fawj al-Maghaweer“, welche im Tarnanzug an den Start ging. Nach einem für europäische Verhältnisse eher chaotischen Start zogen die Tiroler in einer eigenen Spur den Berg hoch. „Die Strecke glich eher einem Hindernisparcours, bei dem wir Felsen umgehen, Bäche überqueren und zusammengeschobene Schneehügel überklettern mussten“, berichtet Aschaber. Der letzte Anstieg verlangte dem Team Tyrol dann nochmal alles ab, die abschließende Abfahrt „fiel uns aber sichtlich leichter als so manchen libanesischen Kollegen“, schmunzelt Aschaber.

„Die abschließende Abfahrt fiel uns sichtlich leichter als so manchen libanesischen Kollegen.“ Andreas Aschaber, links im Bild 
(Alpinist, TT-Wanderführer).
„Die abschließende Abfahrt fiel uns sichtlich leichter als so manchen libanesischen Kollegen.“ Andreas Aschaber, links im Bild 
(Alpinist, TT-Wanderführer).
- Andreas Aschaber

Bei der anschließenden Preisverteilung stellte sich heraus, dass Stöckl und Aschaber ihre Wertungsklasse klar gewonnen hatten. Aschaber: „Der General der Fawj-al-Maghaweer-Einheit höchstpersönlich überreichte uns den Siegerpokal. Für uns als Außenseiter war es ein großer Überraschungssieg und es freute uns noch mehr, als wir erfuhren, dass wir in der Gesamtwertung unter den ersten acht Teams waren.“