Letztes Update am So, 14.04.2019 09:42

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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Semino Rossi: In der Schlagerwelt „scheint die Sonne für jeden“

Nach 15 Jahren in der Schlagerwelt denkt Semino Rossi noch lange nicht ans Aufhören. Eine neue Tour sowie ein neues Album stehen an. Für den Schlagerstar aber auch ein Anlass, an seine Anfänge zurückzudenken.

Schlagersänger Semino Rossi.

© TT/Rudy de MoorSchlagersänger Semino Rossi.



Ihre aktuelle Latino-Tour bringt vor allem spanische Songs auf die Bühne. Pflegen Sie Kontakt zu Ihrer Heimat Argentinien?

Semino Rossi: Ja, auf jeden Fall. Ich bin mindes­tens einmal im Jahr dort. Meine Familie, meine Mutter lebt dort, mit der ich einen sehr engen Kontakt pflege. Ebenso wie mit vielen meiner Freunde.

Wie nimmt Ihre Familie dort Ihren Erfolg wahr?

Rossi: Meine Mutter ist sehr stolz auf mich. Sie begleitet mich immer wieder mal bei Auftritten. Einmal spielte ich in Wien vor 9700 Leuten; meine Mutter glaubte, es wären noch andere Künstler mit mir auf der Bühne. Dabei erklärte ich ihr, dass ich das Konzert alleine gebe. Sie konnte es fast nicht glauben, dass so viele Menschen nur wegen mir anreisen würden. Am Schluss meinte sie dann: Die Menschen würden kommen, weil ich so viel Liebe zu geben habe.

Seit Ihrem Debütalbum „Alles aus Liebe“ sind Sie mit dieser Einstellung erfolgreich unterwegs.

Rossi: Ich kann mich aber auch noch an die Zeit erinnern, wo ich vor wenigen Zuhörern gespielt habe. Hier in Innsbruck in unterschiedlichen Bars, in Hall, wo ich meine Ehefrau kennen gelernt habe. Damals habe ich vor allem lateinamerikanische Songs gesungen. Irgendwann kam jemand auf mich zu und fragte, ob ich mir auch vorstellen könnte, auf Deutsch zu singen. Ich konnte mir damals vorstellen, auf Japanisch oder Arabisch zu singen – ich wollte einfach unbedingt eine Chance.

Und diese haben Sie bekommen.

Rossi: Auf meinem ersten Vertrag war noch vermerkt, wenn ich nicht mindestens 10.000 Exemplare der ersten CD verkaufe, bin ich raus. Schließlich wurden es 970.000 verkaufte CDs. Plötzlich schaute die ganze Schlagerwelt auf mich. 2004 war mein erster Auftritt bei Florian Silbereisen. Damals übrigens auch für ihn die erste Sendung als Moderator.

Was hat sich in der Schlagerwelt in diesen 15 Jahren verändert?

Rossi: Junge Künstler haben den Schlager bereichert. Ich denke dabei an Helene Fischer, Vanessa Mai, Andreas Gabalier. Sie bringen ein junges Publikum mit, das kommt natürlich auch mir zugute. Das ist eine Gelegenheit für mich, um zu sagen: „Hallo, ich bin’s, Opa Semino. Ich singe auch Schlager.“

Von Konkurrenz also keine Spur?

Rossi: Mein Motto lautet: Die Sonne scheint für jeden. Man ist sogar teilweise privat befreundet. An meinem Geburtstag trudeln etwa auch Glückwünsche von Andi Borg ein. Ich vergönne jedem seinen Erfolg.

Aber auch in der Schlagerwelt scheint nicht jeden Tag die Sonne.

Rossi: Aber es regnet auch nicht jeden Tag. Wie in jeder Branche gibt es ein Auf und Ab. Trotzdem schafft es der Schlager wie kaum eine andere Musikrichtung, die Menschen zueinanderzubringen. Ob Jung oder Alt – es zählt die Musik.

Bei Ihrer aktuellen Tour wagen Sie aber auch einen neuen Schritt.

Rossi: Vergangene Weihnachten trat ich erstmals mit einer Band auf, bei der 15 Mann extra aus Kuba kamen. Normalerweise singe ich bei meinen Konzerten 80 Prozent auf Deutsch, 20 auf Spanisch. Bei der aktuellen „Latino-Tour“ ist es umgekehrt. Jetzt kann ich erstmals das machen, was ich früher bei kleinen Gigs schon gemacht habe. Bekannte Songs werden auf Spanisch neu interpretiert: Etwa Andreas Gabaliers „Amoi seg’ ma uns wieder“.

Was sagen Sie zur Kritik an Ihrem Kollegen Gabalier?

Rossi: Ich mag ihn, weil er das macht, von dem er glaubt, dass es richtig ist. Politisch möchte ich mich nicht einmischen – das kann ich als gebürtiger Argentinier auch gar nicht machen. Er hat geschafft, was etliche nicht geschafft haben, ein neues, junges Publikum für den Schlager zu begeistern.

Sie ermöglichen Ihren Fans, Ihnen sehr nahe zu sein, Sie gehen sogar gemeinsam auf Kreuzfahrt. Urlaub geht anders, oder?

Rossi: Das gehört dazu. Heuer gehen wir im September auf Fanreise übers Mittelmeer. Für meine Fans ist es ein Erlebnis. Und ich wohne ja nicht mit ihnen in einer Kabine. Aber ich lebe davon. Und ich treffe dort auch Fans, die zu Freunden geworden sind: etwa Ilse, die mit ihren 85 Jahren vier Tattoos von mir hat. Für sie bin ich ihr Urlaub. Für mich ist es natürlich auch Arbeit. Aber ich liebe meine Fans, auch weil sie sehr diszipliniert sind.

Und trotzdem wird über Personen in der Öffentlichkeit auch viel getratscht. Wie gehen Sie damit um, wenn etwa behauptet wird, dass Sie sich von Ihrer Frau getrennt haben?

Rossi: Menschen reden viel, auch weil ich viel unterwegs bin. Ich und meine Frau sind nach wie vor ein Paar. Die Leute möchten aber gerne mehr wissen, aber Privatsphäre ist wichtig. Mich als öffentliche Person darf man alles fragen, meine Familie sollte aber außen vor bleiben. Ich habe schon viele Gerüchte gehört, etwa auch, ich wäre schwul. Was mein Privatleben betrifft, freue ich mich im Moment viel mehr darauf, Opa zu werden.

Und musikalisch wird es in diesem Tempo weitergehen?

Rossi: Ich plane schon das nächste Album, würde irgendwann auch gerne eines nur mit Duetten realisieren oder mit Orchester. Singen ist keine Arbeit für mich, deswegen werde ich nie in Pension gehen.

Das Gespräch führte Barbara Unterthurner