Letztes Update am Do, 09.05.2019 15:59

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Salat, Kartoffeln, Beeren: Große Pflanzerei auf kleinem Balkon

Ein Dschungel auf Balkonien: Mit den richtigen Ideen ist das kein großes Problem. Viele Pflanzen lieben den sonnigen Standort, brauchen aber stets fleißige Wasserwächter.

"Pflanzen am Balkon sind kein ökologisches Projekt, sondern ein Erlebnis. Man kann dort alles ausprobieren", sagt  
Bio-Gärtner Karl Ploberger.

© iStockphoto"Pflanzen am Balkon sind kein ökologisches Projekt, sondern ein Erlebnis. Man kann dort alles ausprobieren", sagt 
Bio-Gärtner Karl Ploberger.



Von Deborah Darnhofer

Ein kleiner Bistrotisch und zwei Stühle hatten gerade so Platz. Mit mehr als zwei Leuten auf meinem ehemaligen Mini-Balkon in Innsbruck wurde es ohnehin zu eng. Und doch war es dort draußen für mich das Größte – und ein schmales Kellerregal an der Wand meine grüne Oase und Versorgungsstation.

Kapuzinerkresse und Rucola lieferten jeden Tag Blüten und Blätter für den Salat. Mediterrane Kräuter sprießten so sehr, dass ich am Ende des Sommers sogar Schnaps aus Basilikum probierte. Das aber mit äußerst mäßigem Erfolg, der Kompost-Geschmack entpuppte sich als ungenießbar. Würzig, süß und zartschmelzend war dafür das grüne Sorbet aus Basilikum – und der Minztee am Morgen besonders intensiv.

„Pflanzen am Balkon sind kein ökologisches Projekt, sondern ein Erlebnis“, bringt es Bio-Gärtner Karl Ploberger aus dem oberösterreichischen Seewalchen auf den Punkt. Der aus dem Fernsehen bekannte Gartenexperte hatte selbst einmal einen zwei Quadratmeter kleinen Balkon in Linz und darauf viel Grün realisiert. „Man kann alles ausprobieren“, will er alle ermutigen, das Pflanzen am Balkon zu versuchen. „Wenn eine Pflanze kaputt geht, ist nicht viel verloren. Beim Balkongärtnern gilt ohnehin ,try and error‘.“

Salate und Frühlingszwiebeln lassen sich gut im Blumenkisterl kultivieren. "Pflücksalat kann man ganz dicht
setzen und schon nach zwei Wochen mit der Ernte beginnen", weiß der 
oberösterreichische Gartenexperte.
Salate und Frühlingszwiebeln lassen sich gut im Blumenkisterl kultivieren. "Pflücksalat kann man ganz dicht
setzen und schon nach zwei Wochen mit der Ernte beginnen", weiß der 
oberösterreichische Gartenexperte.
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Versuchen und Irren ist also angesagt, um am Ende aus Fehlern Helfer zu machen und zu profitieren. Einige grundsätzliche Tipps erleichtern aber das Anbauen: Die alles entscheidenden Faktoren dabei sind Sonneneinfall, Gefäßgröße, gute Erde sowie fleißiges Gießen und Düngen. Dann kann auf Balkonien sogar ein ausgewachsener Dschungel gedeihen.

Immer der Sonne entgegen

Bis es so weit ist, gilt: „Die Sonne ist der Motor für das Wachstum.“ Die meisten Balkone, und auch Terrassen, haben den Vorteil, dass sie zur Sonne ausgerichtet sind. „Auf einem Südbalkon lassen sich alle mediterranen Kräuter leicht setzen. Thymian, Salbei, Rosmarin und Basilikum mögen es – wie Tomaten – richtig warm und sonnig“, weiß Ploberger. Salate und Frühlingszwiebel kommen mit viel Licht ebenso gut aus wie Radieschen und Karotten. Paprika, Peperoni und Chili sind auch „ideal“. Sie lieben viel Sonne.

Wer bei all den Möglichkeiten schon Platzprobleme sieht, sei beruhigt. Neue Sorten gibt es mit kompaktem Wachstum. „Mittlerweile sind spezielle Züchtungen für den Balkon erhältlich, zum Beispiel Tomaten und Erdbeeren. Sie bleiben klein oder eignen sich für Hängetöpfe“, sagt Ploberger.

Auch eigens gezüchtete Himbeeren und Brombeeren fallen ihm hier ein – „oder Mini-Maulbeeren, die nicht größer als 60 Zentimeter werden“ und sich so besonders für kleine Gärten eignen. Auf Ost- und Westbalkonen könnte der beerige Spaß sehr gut gedeihen, weiß der oberösterreichische Gartenexperte. Er hat ein eigenes Buch über den Anbau im Kleinformat geschrieben („Balkone und Terrassen“, Cadmos Verlag, 96 Seiten, 12,95 Euro). Neben der Wahl der richtigen Pflanzen ist auch jene der geeigneten Töpfe entscheidend. Für den Balkon würden sich generell so genannte Flachwurzler (z. B. Salate, Radieschen, Erdbeeren) besser eignen, weil sie mit weniger Erde auskommen. Mehr davon brauchen schon Tomaten oder Zucchini. Diese deshalb in tiefe Behälter setzen.

Kartoffeln wachsen in großen, dunklen Tonnen oder Pflanzsäcken auch am Balkon. Austreibende Exemplare vom Gemüsefach verwenden und Keimblätter immer wieder mit neuer Erde bedecken. Viel wässern und düngen.
Kartoffeln wachsen in großen, dunklen Tonnen oder Pflanzsäcken auch am Balkon. Austreibende Exemplare vom Gemüsefach verwenden und Keimblätter immer wieder mit neuer Erde bedecken. Viel wässern und düngen.
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„Grundsätzlich kann jeder Plastikkübel zum Pflanzgefäß werden, selbst ein vom Umbau übrig gebliebener Mörteltrog, ein Olivenölkanister oder eine Milchpackung“, weiß Ploberger. Mit einem Metallbohrer bin ich zum Beispiel ausgedienten Kochtöpfen zu Leibe gerückt. Jetzt haben sich dort Basilikum und Schnittlauch breit gemacht. In einem alten Wäschekorb wächst Petersilie und im ehemaligen Waschtrog für Füße Frühlingszwiebel. „Das Um und Auf sind dabei aber immer Abflusslöcher, das vergessen leider viele“, betont der Experte. Ohne diese entstünde nämlich schnell Staunässe, was Pflanzen gar nicht ausstehen können.

Für jeden Topf empfiehlt es sich daher, wie bereits berichtet, eine Drainage aus einem Loch, darüber gestreuten Tonscherben und einem Vlies zu setzen. Erst darauf kommt Erde, im optimalen Fall Langzeitdünger (z. B. Schafwollpellets), wieder Erde und dann die Pflanze. So ist sie schon gut versorgt. Damit sie lange überlebt und viel abwirft, müssen Gärtner am Balkon jetzt noch auf ausreichend Wasser (je nach Wetter oft 1- bis 2-mal am Tag) und Dünger (alle drei bis vier Wochen) achten.

Wer seinen Urlaub nicht gerade auf Balkonien plant, muss erfinderisch werden. „Jetzt herrscht Euphorie, man kann gar nicht genug vom Pflanzen bekommen. Doch im Sommer, in der Urlaubszeit, sieht es wieder anders aus. Ein sonniges Wochenende reicht schon und alles ist hin“, spricht Ploberger aus eigener Erfahrung. Weil weniger Erde als in einem Beet vorhanden ist, trocknen Topfpflanzen im Sommer am Balkon schneller aus. Einen Zeigefinger in die Erde gesteckt gibt Auskunft. Feucht, aber nicht trocken und auch nicht zu nass sollte es sein. Wer keinen fleißigen Wasserwächter aus der Nachbarschaft oder Familie einspannen kann, dem würden Bewässerungssysteme helfen. „Eine Wasserleitung zu den Töpfen wäre ideal.“ Ploberger streut dabei einem Produkt aus Telfs Rosen. „Blumat ist ein Tropfsystem, das ohne Elektronik, mit einem Tonkegel als Wasserkontrolle auskommt.“

Ist Wasser für die Pflanzen ein Segen, kann es für den Nachbarn im unteren Stock aber schnell zum Fluch werden. An dieser Stelle ein ehrliches „Entschuldigung“ von mir. Denn nicht nur einmal hatte ich den unteren Balkon mitgegossen. Um Ärger zu vermeiden, den Abfluss vom Balkon vor der Begrünung prüfen und lieber regelmäßig wenig als einmal stark gießen. Das vertragen übrigens auch die Pflanzen besser.

Auf Balkonen mit West- oder Ost-Ausrichtung gedeihen Erdbeeren laut Bio-Gärtner Karl Ploberger prächtig. Mittlerweile gibt es spezielle Züchtungen und sogar klein wachsende Himbeer- und Brombeerstauden.
Auf Balkonen mit West- oder Ost-Ausrichtung gedeihen Erdbeeren laut Bio-Gärtner Karl Ploberger prächtig. Mittlerweile gibt es spezielle Züchtungen und sogar klein wachsende Himbeer- und Brombeerstauden.
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Damit sie Wind und Föhn nicht „vertragen“, überdies auf ausreichend Fixierung achten. Dann steht dem Wachstum fast nichts mehr im Wege. Für ein ebensolches rät Ploberger außerdem zu Schere und Schüssel. „Ein regelmäßiger Schnitt von Kräutern fördert das Nachwachsen neuer Blätter.“ Das freut auch den Koch oder Grillmeis­ter aus den eigenen Reihen.

Für später vorsorgen

Kräuterbutter lässt sich etwa auf Vorrat machen und gut einfrieren. Wer genug von Chili und Kräutern im Essen hat, der kann daraus zusätzlich Kräuter- und Gewürzöl machen. Dafür eine gewaschene, aber trockene Glasflasche und ebensolche Kräuter verwenden. Etwa zwei Wochen stehen lassen. Chili und Kräuter dann entfernen, bevor es zu scharf oder würzig wird, ein paar frische Zweige zur Deko in die Flasche geben und im Dunkeln lagern.

Kräuterliköre lassen sich auch leicht herstellen. Kräuter (ein Drittel des Glases) mit Zitronenscheiben (pro Liter eine halbe Zitrone), Kandiszucker (pro Liter ca. 100 Gramm) und Alkohol (z. B. Wodka oder Korn) in ein Gefäß mit weiter Öffnung füllen und verschließen. Den Ansatz in einem dunklen Zimmer zwei bis vier Wochen stehen lassen, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Zwischendurch immer wieder vorsichtig schütteln. Am Ende durch ein Sieb abseihen, dunkel lagern und vor dem Genuss einige Wochen reifen lassen. Minze, Melisse sowie Salbei, Kamille, Lavendel und – für die würzige Note – Rosmarin, Oregano und Thymian eignen sich dafür besonders. Basilikum ist nicht unbedingt zu empfehlen, aber das war eine andere Geschichte.