Letztes Update am Mo, 20.05.2019 16:14

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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Dirndl und Co: Prominente trachten nach der heilen Welt

Musiker Andreas Gabalier, Moderatorin Barbara Karlich und Fußballerfrau Cathy Hummels: Sie alle tun es und entwerfen Trachten. Mit ihrer Landmode folgen die Promis einem Trend.

Andreas Gabalier und seine neuen Dirndln sorgten schon für erste
Engpässe beim Versandhaus Otto (rot: 149,99 Euro, rosa: 159,99 Euro).

© HANS KLAUS TECHT / APA / pictureAndreas Gabalier und seine neuen Dirndln sorgten schon für erste
Engpässe beim Versandhaus Otto (rot: 149,99 Euro, rosa: 159,99 Euro).



Text: Deborah Darnhofer

Der Himmel blauer, die Berge höher, Dirndln und Buam fescher. Die Welt des Schlagers ist eine besonders heile – und heimatverbundene. Da ist Tracht natürlich besondere Pracht. Nach dem 55. Frühlingsfest auf der Münchner Theresienwiese, dem Mini-Oktoberfest, und vor den zahlreichen Dorffesten im Land besingen die Stars nicht nur die Heimat, sie wollen sie auch mit Dirndl und Lederhose bestücken.

Barbara Karlich verkauft unter dem Namen Bakarella Dirndln für Suchodolski aus Gänserndorf (rot: 549,80 Euro, blau:499,80 Euro).
Barbara Karlich verkauft unter dem Namen Bakarella Dirndln für Suchodolski aus Gänserndorf (rot: 549,80 Euro, blau:499,80 Euro).
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Denn eines steht für das deutsche Modeinstitut fest: Trachtenmode erlebt in Zeiten der Globalisierung, in denen die eigene Heimat fern, aber verheißungsvoll erscheint, einen Höhenflug. „Das ist ein anhaltender Trend“, sagt Geschäftsführer Gerd Müller-Thomkins. Und so steigen die Absatzzahlen und Umsätze.

Cathy Hummels darf sich bei den berühmten Angermaier Trachtenmoden aus München ausleben (rosa: 419 Euro, beige: 359 Euro).
Cathy Hummels darf sich bei den berühmten Angermaier Trachtenmoden aus München ausleben (rosa: 419 Euro, beige: 359 Euro).
- Angermaier Trachtenmoden

Volks-Rock ’n’ Roller Andreas Gabalier (34) und das Versandhaus Otto könnten davon ein Lied singen. Der stolze Steirer hat fünf Jahre nach seiner ersten Kollektion wieder „fesche Stücke“ ausgesucht. Neben Dirndln und Lederhosen gibt es Janker, Leiberln und Kleider. Optisch erinnern die 61 Teile an Kirtag und Rockabilly: kurze Kleidchen, viel Rot-weiß-Kariertes, ein bisschen Pastell und Blümchen sowie aufgestickte Wortkreationen wie „Sweet Little Rehlein“.

Gabalier nennt das „superschnittig“ und „fetzig“. Seine Anhänger gaben ihm Recht und legten nach der Veröffentlichung Anfang Mai für kurze Zeit das Computersystem lahm. Im Internet ging es rund, auch deshalb, weil der Versandhändler Ende letzter Woche mit einem homosexuellen Pärchen für die Tracht geworben hatte. Eingefleischte Gabalier-Fans verstanden ihre heile Welt nicht mehr und reagierten mit Beschimpfungen. Zur Erinnerung: Der Musiker selbst hatte sich in der Vergangenheit mehrmals über das Abbilden von Homosexuellen und Transgender-Personen in der Werbung beschwert.

Für das weltoffene Posting gab es aber auch Lob – und viel werbewirksame Reichweite für den Versandhändler. Der beharrt auf Akzeptanz aller Menschen: „#trachtgehtimmer, egal, auf wen man steht“, lautet das Motto. Das klingt schlagerhitverdächtig.