Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 24.05.2019


Tourentipp

Keine Würmer, dafür viel Schnee im Schneetal

Nicht umsonst heißt das Schneetal Schneetal. Als Rundtour mit Pirchkogel, Kreuzjoch und Mitterzeigerkopf hat diese Skitour vom Kühtai aus das Prädikat „Schmankerl“ verdient.

Vom Gipfel des Pirchkogel aus genießt man einen super Ausblick ins Inntal.

© StrasserVom Gipfel des Pirchkogel aus genießt man einen super Ausblick ins Inntal.



Kühtai/Silz — Wie bereits 2017/18 war auch der heurige Winter schneereich. Nur mit einem kleinen Unterschied: Bis zuletzt gab es immer wieder ergiebigen Neuschneezuwachs bis in höhere Mittelgebirgsregionen und der große Wärmeeinbruch ließ bis dato, im Vergleich zum letztjährigen Winter, noch auf sich warten. Des einen Leid, des anderen Freud.

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Während das Herz vieler Skitourengeher höherschlägt, wirkt so manch ein Mountainbiker doch schon etwas frustriert. Kommt Zeit, kommt Rat. Noch immer mehr als winterlich präsentiert sich das Kühtai. Ein Skibetrieb wäre wahrscheinlich problemlos möglich, aber die Liftanlagen sind geschlossen. Einsam und verlassen ist und war das Kühtai zuletzt trotzdem nicht. Ganz im Gegenteil: Haufenweise Skitourengeher haben bzw. hatten die Berge dort oben fest im Griff. Alleine im unteren Abschnitt am Weg zum Dreiseenlift bzw. hinauf in Richtung Gaiskogel zählten wir zuletzt nicht weniger als 37 Tourengeher. Unglaublich für fast Ende Mai.

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Den Track für die Tour finden Sie hier.

Unser Ziel für den wöchentlichen Tourentipp ist also das Kühtai. Aber nicht der Gaiskogel oder der Sulzkogel oder etwas. Nein. Es ging hinauf zum Pirchkogel, von dort das Schneetal hinunter in Richtung Stamser Alm, von dort wieder hinauf zum Kreuzjoch/Mitterzeigerkopf und über das Klammbachtal hinaus zur Lawinengalerie, dem Ausgangspunkt auf den Rietzer Grieskogel. Ein echtes Schmankerl mit 1500 Höhenmetern im Aufstieg und rund 1700 Höhenmetern Abfahrtsvergnügen. Aber Vorsicht: Aufgrund der Steilheit müssen die Bedingungen bei dieser Runde wirklich zu hundert Prozent passen und ein zweites Auto, sofern man nicht zu Fuß zurück ins Kühtai will, braucht man auch.

Entlang des Stamser Baches erfolgt der Anstieg hinauf zum Kreuzjoch.
Entlang des Stamser Baches erfolgt der Anstieg hinauf zum Kreuzjoch.
- Strasser

So kommt man hin: Es ist 7 Uhr. Das Wetter ist zwar nicht wolkenlos, aber die Schneedecke hat durchgefroren. Langsam, aber doch treffen alle unsere Tourenpartner ein. Diese Runde scheint sich heute niemand entgehen lassen zu wollen, denn insgesamt sind wir neun Personen.

7.15 Uhr. Es kann losgehen. Wir steigen auf der Südseite bis zur Bergstation der Kaiserbahn auf und verlassen dort das Skigelände bzw. die Piste. Zuerst noch flach folgen wir nach dem „Steinmandl" und bald in Spitzkehren dem Aufstieg in Richtung Pirchkogel.

Der höchste Punkt ist aber nicht der Gipfel selbst, denn dieser und das Gipfelkreuz liegen etwa 30 Höhenmeter tiefer und etwas nördlich gelegen. Bis zum Pirchkogel sind es etwas mehr als 800 Höhenmeter. Nun kommt wohl der aufregendste Teil der gesamten Runde: die teilweise sehr steile Abfahrt hinunter in Richtung Stamser Alm. Und dafür sind Ortskenntnisse ziemlich hilfreich.

Die Alm liegt auf 1873 Metern. Wer will, kann bis ganz zur Alm abfahren. Wir queren jedoch etwa 100 Höhenmeter oberhalb, quasi an der Felsrippe des Hochwanners und ziemlich steil nach Osten, und ersparen uns somit einige Höhenmeter im zweiten Aufstieg hinauf zum Kreuzjoch.

Die Fahrt in Richtung Inntal ist perfekt. Es hat leicht aufgefirnt. Und dass jeder diese Abfahrt genießt, ist am „Juchzen" zu hören. Leider ist der Spaß schon zu Ende. Nun heißt es wieder auffellen. Wir müssen nämlich hinauf zum Kreuzjoch (2563 m), jene Scharte, die zum Mitterzeigerkopf (2628 m) führt und die vielen Tourengehern wahrscheinlich bekannt ist.

Vorerst mäßig ansteigend entlang des Stamser Baches wird es bald wieder steil. Eine gute Spitzkehrentechnik ist für die gesamte Tour unentbehrlich. Unser Anstieg erfolgt nun immer in Richtung Osten. Das so genannte Schartlestal lassen wir rechts liegen und folgen links haltend, immer mit Blick in Richtung Mitterzeiger, dem Wurmetal hinauf bis zur Schlüsselstelle der Tour. Übrigens trägt das Wurmetal seinen Namen vom Wort „Beißwurm" — ein anderer Ausdruck für Schlangen. Freilich braucht man momentan keine Angst zu haben. Die so genannten „Beißwürmer" schlafen unter der Schneedecke noch tief und fest.

Zurück zur Tour. Die Schlüsselstelle ist, wie bereits erwähnt, der giftig steile und knackige Aufstieg in Richtung Kreuzjoch. Dieser Abschnitt ist wirklich steil und erfordert, so wie die gesamte Runde, absolut sichere Verhältnisse. Geschafft. Wir stehen nach etwas mehr als 600 weiteren Höhenmetern am Kreuzjoch.

Hier ist unsere Tour, was den Aufstieg betrifft, mehr oder weniger beendet. Doch bis zum Gipfelkreuz des Mitterzeigerkopfes sind es nur noch rund 60 Höhenmeter und diesen Gipfelsieg holen wir uns noch. Über den leicht ausgesetzten Grat sind wir in wenigen Minuten am Gipfel.

Jetzt aber ist endgültig Schluss. Nach 1500 Höhenmetern lassen wir es für heute gut sein. Einstimmig entscheiden wir uns nämlich gegen den Aufstieg (zusätzlich ca. 300 Höhenmeter) auf den Hochalter. Die immer weicher werdenden Bedingungen knapp vor Mittag lassen es ohnehin nicht mehr zu. Vom Mitterzeigerkopf geht's für uns zurück zum Kreuzjoch und von dort über das Klammbachtal (Aufstieg Rietzer Grieskogel) zurück zur Kühtaier-Landesstraße. Dort haben wir vor der Tour zwei Autos geparkt. Bereits mit dem Hintergedanken, dass der Aufstieg zum Hochalter und die Abfahrt bis zum Auto im Kühtai eventuell nicht mehr möglich ist. Die Entscheidung war goldrichtig.

Die letzten Meter bis zum Parkplatz hinunter müssen wir die Ski allerdings tragen. Rund 100 Höhenmeter und gute 10 Minuten. Fazit: Die Runde ist ein Schmankerl. Aufgrund der Exposition ist sie noch eine Zeit lang möglich. Allerdings sind wirklich steile Passagen zu bewältigen. Und dafür sind sichere Verhältnisse absolute Voraussetzung. (flex)


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