Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 31.05.2019


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Über 387 Stufen musst du gehn

Von Torbole aus führt eine kurzweilige und spektakuläre Panorama-Wanderung Richtung Süden. Wettertechnisch war es zuletzt aber auch am Gardasee unbeständig.

Nach wenigen Metern hat man den ersten tollen Aussichtspunkt mit Blick auf Riva und Torbole erreicht.

© RappNach wenigen Metern hat man den ersten tollen Aussichtspunkt mit Blick auf Riva und Torbole erreicht.



Von Irene Rapp

Torbole – Unbeständiges, nasses, kühles Wetter am Gardasee? Davon kann man am Meer der Tiroler derzeit ein Lied singen. „So viele Tage mit Regen hatten wir im Mai schon seit Jahren nicht mehr“, erzählt der Herr an der Hotelrezeption in Arco. Vor drei Wochen habe es sogar bis auf 300 Meter herunter geschneit, eine Ausnahmeerscheinung zu dieser Jahreszeit.

Dementsprechend „luftig“ zeigten sich am vergangenen Wochenende die sonst überlaufenen Örtchen am nördlichen Gardasee, aber auch Bardolino oder Garda. Das Wetter: wie gesagt unbeständig. Allerdings dauerten die Regenphasen nur kurz und dass die Sonne schon Kraft hat, zeigte sich, wenn sich die Wolken kurz lichteten.

Die kühnen Metalltreppen erlauben traumhafte Ausblicke auf den See.
Die kühnen Metalltreppen erlauben traumhafte Ausblicke auf den See.
- Rapp

Am vergangenen Sonntag nutzten wir daher die Gunst der Stunde für eine höchst spektakuläre Wanderung mit Ausgangspunkt Torbole am nördlichen Gardasee. Spektakulär deshalb, weil u. a. drei in die Felsen geschlagene Metalltreppen mit insgesamt 387 Stufen zu überwinden sind. Doch dazu später.

So kommt man hin: In Torboles „Altstadt“ die Abzweigung nach Busatte nehmen. Nur gefühlte Zentimeter entfernt fährt man an den im Freien stehenden Tischchen eines Restaurants und Ständern mit typischer Gardasee-Mode vorbei. Dann geht es ein steiles, 1,4 Kilometer langes Sträßchen hinauf. Kurz vor dem „Parco delle Busatte“ gibt es Parkmöglichkeiten für Autos – überraschenderweise kostenlos. Noch schnell ein Wort zur Schuhwahl: Die Rundwanderung führt auf schönen Wegen und Steigen dahin, gutes Schuhwerk ist aber empfehlenswert.

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Zunächst an einer Bar, einem Spielplatz, einem Bike-Park sowie einem Hochseilgarten vorbei. Bei Letzterem links kurz durch Wald steil hinauf. Der viele Niederschlag scheint zumindest der Vegetation gutgetan zu haben, man kommt sich beinahe vor wie in einem Mini-Urwald. Was hier alles wächst, kreucht und fleucht, kann man auf zahlreichen, ein wenig in die Jahre gekommenen Infotafeln nachlesen – allerdings gibt es die Texte nur auf Italienisch und Englisch.

- Rapp

Wenn sich der Wald bei einem Felsen erstmals lichtet (Foto 2), bekommt man eine Ahnung davon, auf welch traumhaftem Weg man rund 200 Meter über dem Lago di Garda unterwegs ist. Dabei handelt es sich übrigens um einen Pfad, der benutzt wurde, als es die Uferstraße – die 1926 fertiggestellte Gardesana Orientale – noch nicht gab. Davon zeugt u. a. altes Mauerwerk, das sich immer wieder findet. Hin und wieder finden sich auch Bänke, wo man die tolle Aussicht länger genießen kann. In gemütlichem Auf und Ab geht es ab dem Felsen dann auf einem schmalen Weg dahin. Interessant: Während der Wanderung kommt man u. a. an Gesteinsblöcken vorbei, die während der letzten Eiszeit abgetragen wurden.

Richtig spannend wird es aber, wenn man die Metalltreppen erreicht, die in den vertikalen Felswänden angebracht wurden: Unter den Füßen kann man in den Abgrund schauen, viele Möglichkeiten für Fotos inklusive. Insgesamt müssen 387 Stufen bewältigt werden – und nein, mitgezählt haben wir nicht.

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Den Track für die Tour finden Sie unter https://bit.ly/2Qy85fq

Nach rund 3,5 Kilometern erreicht man nämlich den Wendepunkt der Wanderung, hier steht wieder eine Infotafel mit dem Hinweis auf die Treppen. An dieser Stelle mündet der schmale Weg in eine breite Forststraße ein und nun hat man die Qual der Wahl.

Erstens: entweder auf demselben Weg retour. Zweitens: Man geht hinab in die Siedlung Tempesta (hier verlief bis zum Ersten Weltkrieg die Grenze zwischen Österreich-Ungarn und Italien), von wo ein Bus zurück nach Torbole fährt. Drittens: Man wandert auf der Forststraße zurück Richtung Norden.

Von Torbole aus geht es hinauf zum Ausgangspunkt.
Von Torbole aus geht es hinauf zum Ausgangspunkt.
- iStock

Wir haben uns für die dritte Möglichkeit entschieden. Zunächst geht es stetig ansteigend bergauf, überall überraschen blühende Pflanzen.

Längere Zeit hat man keinen Blick auf den See, dann jedoch wird man umso mehr belohnt: Auf einmal lichtet es sich, man kann bis zu einer Geländekante vorgehen und dann sieht man den Lago von Torbole und Riva bis weit in den Süden hinunter. Kein Wunder, dass hier am Sonntag zahlreiche Menschen ein Picknick veranstalteten.

Nun führt die Straße ein wenig hinab, dann mündet sie in einer Linkskurve in einen Steig ein. Nach wenigen Metern erreicht man wieder den bekannten Weg kurz vor der ersten Treppenanlage.

Diese noch hinauf und dann geht es gemütlich zum Ausgangspunkt retour. Vor der Heimfahrt haben wir dann noch auf der Terrasse der Bar die Sonne genossen, bis die Wolken wieder den Himmel trübten. Fazit: Die Runde bietet viele Überraschungsmomente. Bei heißem Wetter sollte man etwas zum Trinken mitnehmen.

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