Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 29.05.2019


Innsbruck

Start für E-Scooter-Verleih mit hohen Erwartungen

Seit gestern kann man auch in Innsbruck Elektro-Roller relativ unkompliziert ausleihen. Weitere Anbieter dürften relativ rasch folgen.

Standortleiter Severin Götsch (l.) und Österreich-Chef Maximilian Nageler präsentierten gestern das Angebot von Tier-Mobility.

© WittingStandortleiter Severin Götsch (l.) und Österreich-Chef Maximilian Nageler präsentierten gestern das Angebot von Tier-Mobility.



Von Marco Witting

Innsbruck – Gestern standen sie noch weitgehend unberührt in der Stadt herum. Das mag am Regenwetter gelegen haben. Oder daran, dass der Start des ersten E-Scooter-Verleihers in Innsbruck doch recht kurzfristig war. Seit Dienstag gehört Innsbruck also auch zu jenen Städten, in denen man relativ unkompliziert, aber für gutes Geld, mit einem Elektro-Roller durch die Stadt fahren und den Roller dann einfach wieder stehen lassen kann. „Tier-Mobility“ ist der erste Anbieter, der den Sprung nach Innsbruck machte – und eben diesen Startvorteil mit der entsprechenden Wahrnehmung in der Öffentlichkeit nutzen will. In den kommenden Wochen werden wohl weitere Anbieter folgen.

Ob sich alle an die freiwillige Akkreditierungsvereinbarung mit der Stadt halten, ist ungewiss. Für Tier-Mobility-Chef Maximilian Nageler waren die Auflagen der Stadt kein Problem. Er sieht sogar einen Vorteil darin, dass auch andere Anbieter angehalten sind, diverse Auflagen zu erfüllen. „Wir haben hier ein Lager und einen Ansprechpartner, arbeiten auch beim Einsammeln der Geräte mit österreichischen Firmen zusammen, die den Kollektivvertrag zahlen.“ Und auch, dass jetzt „nur“ 150 Scooter des Unternehmens aufgestellt werden, sei vorerst kein Thema. Nageler glaubt aber, dass Innsbruck locker „300 bis 500 Scooter“ vertrage. In Linz, wo derzeit sechs Anbieter um den Markt rittern, sind es zum Vergleich derzeit rund 1500 Roller.

Das System und die Preise sind derzeit mehr oder weniger gleich. Registieren kann man sich nur mit einer Kreditkarte. Ein Euro kostet die Aktivierung jeweils. Anschließend kommen 15 Cent pro Minute dazu. Kein billiger Spaß, wie auch Nageler angibt. Aber: „Wir hoffen damit, ein Mosaiksteinchen zum Wechsel des Mobilitätsverhaltens der Menschen beizutragen.“

Relativ strikt sind die Regeln der Stadt, was die Betriebszeiten (6 bis 20 Uhr) und die Abstellmöglichkeiten betrifft. So können die Scooter etwa nicht direkt in der Altstadt, der Maria-Theresien-Straße oder am Bahnhof abgeholt und abgestellt werden. „Wir wollen, dass wir uns in den sonstigen Verkehr gut eingliedern“, sagt Severin Götsch, Standortleiter für Innsbruck. Deshalb sind die Fahrzeuge, die mit zwei Bremsen und GPS-Sendern ausgerüstet sind, auch auf 18 km/h gedrosselt.

Wo die Scooter morgens aufgestellt werden, das will man sich vorerst noch genau anschauen. In einem ersten Schritt will man sie auf rund 70 Standorte in der Stadt verteilen – vom O-Dorf bis zur Technik. Nageler kann sich rein theoretisch eine Ausweitung des Angebots auch auf Hall vorstellen.

Neben Sicherheitsaspekten ist vor allem die Haltbarkeit der Scooter im Verleihbetrieb umstritten. Studien aus den USA bescheinigen den Geräten nur eine Halbwertszeit von knapp zwei Monaten. Stimmt nicht, kontert Nageler. „Das ist auch nicht in unserem Sinne. Die neue Generation ist wesentlich stabiler und wir warten die Scooter ja auch täglich. Deshalb halten unsere Fahrzeuge etwa in Wien schon seit Oktober.“

Ansprechen wollen die Betreiber ein breites Zielpublikum. Durchschnittliche Ausleihdauer – zumindest in anderen Städten – seien zirka zehn Minuten. Wegen einer rechtlichen Grauzone wurden E-Tretroller in Österreich bisher nicht einheitlich behandelt. Mit der jüngsten Novelle der Straßenverkehrsordnung gibt es ab 1. Juni Klarheit. „Auch wenn es sich rechtlich nicht um Fahrräder handelt, werden die meisten für Fahrräder geltenden Regeln auch auf E-Tretroller anwendbar sein“, erklärt ÖAMTC-Jurist Nikolaus Authried. Das gilt beispielsweise auch für den Alkoholgrenzwert von 0,8 Promille.