Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 30.05.2019


Sicherheit

“Verein Sicheres Tirol“: Prävention muss in die Köpfe kommen

Vor 20 Jahren wurde der „Verein Sicheres Tirol“ gegründet – und noch immer gibt es viel Bewusstseinsarbeit zu leisten.

(Symbolfoto)

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Von Theresa Mair

Innsbruck – Die kleinen, quadratischen „Tina & Tommi“-Büchlein zur Kindersicherheit im Straßenverkehr waren von Anfang an da. 20 Jahre später wartet der „Verein Sicheres Tirol“ mit einer ganzen Palette an Infobroschüren auf – die aktuellste gibt Tipps zum sicheren Fahren mit E-Scootern.

Der Verein ist vom Kindergarten bis ins Seniorenheim mit Info- und Kursangeboten aktiv. Er organisiert Vernetzungstreffen mit Gemeinden, Sozialsprengeln, Versicherungen sowie lokal und regional tätigen Organisationen, wie dem Roten Kreuz, Sportvereinen oder Seniorenverbänden.

Gestern wurde nicht nur das Jubiläum unter der Schirmherrschaft von LH Günther Platter im neuen Landhaus groß gefeiert – auch die Homepage des Vereins erstrahlte pünktlich zum Fest in neuem Glanz. Man sieht: Dem Verein, dem seit zwei Jahren der ehemalige Schwazer Bezirkshauptmann Karl Mark vorsitzt, geht die Arbeit nicht aus.

Immerhin hat er sich ein großes Ziel gesetzt: „Wir möchten die Zahl der Unfälle im Haushalt und Freizeitbereich um fünf Prozent senken. Damit könnte man in Tirol volkswirtschaftliche Kosten von 300 Millionen Euro pro Jahr einsparen“, sagt Mark. Ambitioniert ist auch sein Zeitplan: Zwei Jahre gibt sich der Verein dafür. „Wir können viel erreichen, indem wir das Bewusstsein für Eigenverantwortung wecken. Prävention muss in die Köpfe der Menschen kommen.“ Denn während im Straßenverkehr und am Arbeitsplatz die Unfallhäufigkeit in den vergangenen Jahren – dank gesetzlicher Regelungen, Vorgaben und Strafen – rapide zurückgegangen sind, zeigen Prognosen einen weiteren Anstieg bei den Freizeit- und Haushaltsunfällen. „Zehn Prozent der Bevölkerung verletzen sich pro Jahr in der Freizeit, beim Sport und im Haushalt so schwer, dass sie ambulant oder stationär behandelt werden müssen. In Tirol sind das rund 78.500 Menschen“, sagt Mark. Der volkswirtschaftliche Schaden, der zu einem Drittel von der öffentlichen Hand bezahlt werden muss, belaufe sich damit auf 1,5 Mrd. Euro.

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Geschuldet sei dies dem demografischen Wandel – die Tiroler werden immer älter und bleiben auch länger aktiv. „Das Freizeitverhalten wandelt sich.“

Das Bewusstsein für Prävention sei dagegen noch nicht sehr ausgeprägt, wie das Beispiel der E-Biker zeige: Häufig seien sie noch nicht vertraut mit der Schubkraft und dem höheren Gewicht des Fahrrads, tragen keinen Helm und haben Schwierigkeiten beim Bremsen.

Im August wird der Verein eine Studie präsentieren. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit und ein Team um den Sportmediziner Wolfgang Schobersberger wurden beauftragt zu erarbeiten, in welchen Haushalts- und Freizeitbereichen die meisten Unfälle aus welchen Gründen passieren – z. B. Ausrutschen und Stolpern in der Küche. „Dann können wir den Hebel noch gezielter ansetzen“, ist Mark zuversichtlich. Eine Vorschriftenflut im Freizeitbereich möchte der „Verein Sicheres Tirol“ vermeiden. „Das Freizeiterlebnis soll noch ein Erlebnis sein. Wir geben Tipps, um Tirol sicher zu erleben, und setzen auf Bewusstseinsbildung und nicht auf Vorschriften.“

„Das Freizeiterlebnis soll ein Erlebnis sein. Wir setzen auf Bewusstseinsbildung, nicht auf Vorschriften.“
Karl Mark 
(Präsident)
„Das Freizeiterlebnis soll ein Erlebnis sein. Wir setzen auf Bewusstseinsbildung, nicht auf Vorschriften.“ Karl Mark 
(Präsident)
- Thomas Boehm / TT

Sicheres E-Biken

1. Straßentauglichkeit abklären: Licht, Seiten- und Rückstrahler sind auch beim E-Bike Pflicht.

2. Schutzhelm und weitere Ausrüstung wie Sportbrille, Radhandschuhe, Protektoren und Reflektoren und helle Kleidung erhöhen die Sicherheit.

3. Erste Ausfahrten im Eco-Modus auf ebener Straße zum Gewöhnen an den Schub. Beim Bergab fahren Eco-Stufe verwenden, um beim Antreten nach Kurven nicht überrascht zu werden.

4. Keine Bike-Strecken, die für MTB-Downhillfahrten ausgelegt sind, bergauf fahren!

Quelle: Verein Sicheres Tirol