Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 06.06.2019


Garten

Buchsbaumzünsler am Werk: Der Buchs ist in arger Bedrängnis

Eine grüne Raupe Nimmersatt frisst sich durch die Gärten. Der Buchsbaumzünsler wütet auch heuer in ganz Tirol massiv. Die Bekämpfung erfolgt am besten in vier Schritten.

Gelblich-braune Reste und abgeknabberte Zweige lassen die Raupen zurück, der Buchs droht abzusterben.

© Foto TT/Rudy De MoorGelblich-braune Reste und abgeknabberte Zweige lassen die Raupen zurück, der Buchs droht abzusterben.



Von Deborah Darnhofer

Innsbruck – Die Schere könnte jetzt zum besten Freund vieler Gärtner werden. Denn bei vielen Buchsbäumen ist nichts im grünen Bereich. Die Blätter sind unansehnlich gelb-bräunlich, abgeknabbert bis auf die Zweige und voll Spinnfäden. Der Schuldige ist schnell ausgemacht: der Buchsbaumzünsler. „Der Befall ist auch heuer sehr stark. Es wird nicht weniger. Die Situation ist ähnlich wie 2018“, berichtet Gartenexperte Manfred Putz, Geschäftsführer von „Grünes Tirol“, dem Landesverband der Tiroler Obst- und Gartenbauvereine.

Bereits im letzten Jahr entpuppten sich die gefräßigen giftgrünen Raupen als tirolweite Plage. „Jetzt ist Hauptzeit“, sagt Putz. Der Befall könne jederzeit sprunghaft ansteigen. Der Gartenexperte fordert daher Wachsamkeit ein. „Gartenbesitzer müssen monatlich intensiv kontrollieren, ob der Buchs befallen ist, und dann handeln.“ Bei ersten Anzeichen gilt es schnell und richtig zu reagieren, um eine Ausbreitung zu verhindern.

Die sichtbaren Spuren des Buchsfraßes: Die grünen Raupen fressen die frischen Blätter.
Die sichtbaren Spuren des Buchsfraßes: Die grünen Raupen fressen die frischen Blätter.
- iStockphoto

Für Putz hat sich dabei eine chemiefreie Abwehr in vier Schritten als beste Lösung erwiesen. Chemische Spritzmittel empfiehlt der Experte nicht. „Sie stören das gesamte Insektenleben im Garten empfindlich.“ Wer seinen Buchs retten und Nützlinge schonen will, der muss selbst Hand anlegen. Zuallererst werden die Raupen des Buchsbaumzünslers händisch entfernt. „Sie in einen schwarzen Plastiksack geben, einige Stunden der Sonne aussetzen, um sie zu töten, und erst dann entsorgen“, rät Putz. „Anschließend gehören die befallenen Teile großzügig abgeschnitten und die Zweige ebenfalls eigens entsorgt.“ Bleiben sie am Gartenrand liegen oder landen im Grünschnittsack, könnten sich die Raupen rasch wieder verbreiten. „Die Reste getrennt in einen Sack geben und zu einer Sammelstelle, dem nächsten Recyclinghof, bringen. Den Mitarbeitern dort unbedingt Bescheid geben, so werden die befallenen Teile zerkleinert und thermisch aufbereitet.“ Den großzügig zurechtgestutzten Buchs sollen die Gärtner laut den Erfahrungen des Experten dann mit einem starken, kalten Wasserstrahl „intensiv ausspülen“.

Um einem neuerlichen Befall vorzubeugen, die Büsche schließlich vor Regentagen mit unbedenklichem, weil natürlichem, mineralischem Urgesteinsmehl oder ökologischem Algenkalk behandeln. Das stärkt die Pflanzen und kann Fressfeinde abhalten. Die Maßnahme eignet sich übrigens auch als Vorsichtsmaßnahme. Umsicht sei im Kampf gegen den Buchsbaumzünsler enorm wichtig, meint Putz und beruhigt: „Die Pflanze kann sich auch nach einem Befall erholen und wunderbar im neuen Jahr treiben.“ Verheerend für den Buchs wird es erst dann, wenn die Raupen alle Blätter abgefressen haben und zur Rinde übergehen. „Dann vertrocknet die Pflanze“, weiß Schmetterlingsexperte Peter Huemer vom Sammlungs- und Forschungszentrum des Tiroler Landesmuseums. Er hat den Buchsbaumzünsler und seine noch junge Verbreitung dokumentiert.

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Mit Spinnfäden nisten sich die Raupen schließlich im Buchs zur Verpuppung ein.
Mit Spinnfäden nisten sich die Raupen schließlich im Buchs zur Verpuppung ein.
- Foto TT/Rudy De Moor

Diese ist in Europa in den letzten 13 Jahren erfolgt. „In Tirol ist der aus Ostasien – China, Japan, Südkorea – eingeschleppte Buchsbaumzünsler erstmals um 2011 und 2012 aufgetreten“, berichtet Huemer. Die Raupen des weißen oder braunen Falters machen sich ab März bzw. April in tieferen Lagen bemerkbar. Für die Experten sind sie in Tirol vor allem ein unansehnliches Übel. In anderen Gebieten Europas, den Pyrenäen zum Beispiel, wo der Buchs die Alpenrose ersetzt, ist es teilweise dramatisch, meint der Experte. Natürliche Fressfeinde der Raupen (Spatzen, Schlupfwespen) hätten sich auf den neuen Fraß noch nicht eingestellt. Der Falter sei harmlos, könne aber weit fliegen.

Die Falter, in weißer oder brauner Farbe, flattern davon, um sich zu vermehren.
Die Falter, in weißer oder brauner Farbe, flattern davon, um sich zu vermehren.
- Foto TT/Rudy De Moor

Für Tirol kommen Putz derzeit andere, existenzielle Bedrohungen in den Sinn. „Bei den Obstbäumen haben wir einen starken Befall mit Monilia.“ Diese Pilzart konnte sich durch die nasse Witterung verbreiten. Dabei sterben junge Triebe ab. Wachsende Früchte faulen und fallen ab. „Dagegen hilft derzeit nur großzügig ausschneiden“, kann Putz keine bessere Lösung präsentieren.