Letztes Update am Mi, 10.07.2019 15:41

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Von Gandalf, Tequila und Ronaldo: Die Qual bei der Namenswahl

Klassisch, aber irgendwie einfallslos, oder außergewöhnlich, aber dafür auch riskant? Wenn sich Eltern für einen Namen für ihr Baby entscheiden müssen, wollen viele mitreden. Das letzte Wort hat aber ohnehin das Standesamt.

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© iStockphotoSymbolbild.



Von Theresa Mair

Nennen wir das Kind doch beim Namen. Das ist so einfach dahergesagt. Denn wenn es darum geht, wie der Nachwuchs heißen soll, zerbrechen sich Eltern ganz schön den Kopf.

Auch wenn es danach vielleicht so aussieht, als hätten sie mit den Top 10 der beliebtesten Vornamen Bingo gespielt: Mit Anna, Felix, Jakob oder Sophie ist man auf der sicheren Seite, kann beruhigt sein, dass das Kind namentlich nicht unangenehm auffällt oder deswegen gar gehänselt wird. Andererseits muss Luis damit leben, wenn noch vier andere in der Klasse aufzeigen, wenn ihn der Lehrer mit Namen aufruft.

Dabei ist doch klar: Das eigene Kind ist immer das tollste. Der Wunsch mancher Eltern, ihrem Kind dann einen individuellen, neuen Namen zu geben, ist verständlich. In Deutschland gibt es zuletzt den Trend, Babys nach den Helden der Erfolgsserie „Game of Thrones" zu benennen. Tyrion ist der Renner. Jemand, der mit der Fantasy-Serie nichts anzufangen weiß, wird sich aber auch fragen, wie man den Namen aussprechen soll und woher er kommt. Ist es so abwegig, an den Firmennamen eines Autoreifenherstellers zu denken?

Das letzte Wort bei der Namensgebung hat aber immer noch das Standesamt. Denn das Gesetz gibt vor, dass der Vorname dem Kindeswohl nicht abträglich sein darf und, dass es sich um einen Personennamen handeln muss.

Im Zweifelsfall bemüht die Behörde das Sprachtelefon — die Namensberatung am Institut für Sprachwissenschaft an der Uni Innsbruck. Dort ist Claudia Posch als Namensforscherin tätig und oft damit beschäftigt, auszuforschen, ob Namen existieren oder frei erfunden sind. „Meist stellt sich heraus, dass es in der Fremdsprache Allerweltsnamen sind", sagt Posch.

„Ich bin der Meinung, dass man das Gesetz öffnen kann. Eltern vergeben ja nicht irgendeinen Namen.“
Claudia Posch, Sprachwissenschafterin

Sie wurde aber auch schon damit betraut, herauszufinden, ob Serles (wie der Berg) oder Gandalf (aus „Herr der Ringe") akzeptable Namen für Kinder sind. „Aus linguistischer Sicht wäre das möglich. Serles ist ein Name, nur aus einer anderen Domäne.

Die Gesetzeslage, dass auch der Name mit dem Geschlecht übereinstimmen muss, finde ich unbefriedigend. Ich bin der Meinung, dass man das öffnen kann. Die Eltern vergeben ja nicht irgendwas", sagt sie. Wirklich spektakuläre Ausreißer gebe es nur selten, sie sollten nicht überbewertet werden.

Erst vor ein paar Jahren hat eine Diplomandin des Instituts in einer Online-Umfrage unter 1060 Tirolern erhoben, dass das wichtigste Kriterium für Eltern der Wohlklang des Namens sei, in der Folge legen sie Wert darauf, dass das Zusammenspiel von Vor- und Nachnamen passt. Laut Posch geht der Trend zu kürzeren Namen mit wenigen Konsonanten. „Es sind Namen, die Kinder selber schnell lernen und aussprechen können, wie Noah oder Lena. Anna wird wohl auch nie aus der Mode kommen", sagt sie.

Im Projekt SPRTL haben die Forscher unter 1000 Tirolern erhoben, was für viele namenstechnisch gar nicht geht. Das sind z. B. Namen mit „K", weil dieses in Tirol so hässlich ausgesprochen wird. „Oma-Namen" seien ebenfalls out. Vornamen wie Jennifer, Jacqueline und Janine brachten Befragte mit „Problemkindern" aus „sozial schwachen Familien" in Verbindung. Es gebe auch große Vorbehalte gegen Fremdes. „Viele wollen keine ,undeutschen' Vornamen. Das ist absurd, denn wann ist ein Name schon deutsch? Gemeint sind Namen aus dem arabischen, türkischen und slawischen Raum."

Doch wenn auch bei Außenstehenden manche Namen unangenehme Assoziationen wecken, „die Kinder selber leiden nicht gerade unter ihrem Namen. Sie gewöhnen sich daran und identifizieren sich damit", bleibt Johannes Achammer gelassen. In der Praxis hat der Innsbrucker Kinder- und Jugendpsychologe und Lehrer auch keine Voreingenommenheit gegenüber Kevins oder Chantalles mitbekommen. „Es hat nie jemand gesagt: ,Das ist typisch, er heißt ja auch Kevin.'" Achammer freut sich über neue Namen und den Kultur-Mix, der darin erkennbar wird. „Ich kenne ein paar Ronaldos. Die sind stolz darauf."

Tyrion aus der Erfolgsserie "Game of Thrones".
Tyrion aus der Erfolgsserie "Game of Thrones".
- imago images / Cinema Publishers

Das Fernsehen als Inspirationsquelle

Daenerys, Tyrion (Bild), Arya sind besondere Namen. In Deutschland lassen sich Eltern von der Fantasy-Serie „Game of Thrones" bei der Namenswahl inspirieren. Doch nicht nur das Fernsehen hat Einfluss, sondern u. a. auch die Mythologie (Adonis), Shakespeare (Romeo) und Kulinarik (Tequila).

Die beliebtesten Namen in Tirol

2018 wurden in Tirol 3734 Mädchen geboren. 99 davon heißen Anna, 83 Emma und 81 Sophia. Gefolgt werden die drei beliebtesten Mädchennamen von Laura, Lena, Valentina, Marie, Johanna, Emilia, Mia, Greta, Hannah, Lina, Lea, Leonie, Eva, Lara, Ella, Leni und Sophie. Von den 3963 geborenen Buben führen Jakob (107), Maximilian (86) und David (82) die Liste der beliebtesten Namen an. Dann kommen Felix, Elias, Paul, Lukas, Tobias, Alexander, Julian, Samuel, Simon, Leo, Moritz, Luis, Leon, Raphael, Noah, Matteo und Jonas. (Quelle: Statistik-Abteilung, Land Tirol)