Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 15.07.2019


Tirol

Mit richtiger Planung: Gewittern im Gebirge einen Schritt voraus

Im Sommer haben Gewitter Hochsaison. Für Bergsteiger, Wanderer und Freizeitsportler kann es dann im Gebirge gefährlich werden.

Mit gründlicher Vorbereitung lässt es sich vermeiden, im Gebirge in ein Gewitter zu geraten.

© ZOOM-TIROLMit gründlicher Vorbereitung lässt es sich vermeiden, im Gebirge in ein Gewitter zu geraten.



Von Clemens Neuner

Innsbruck – Ein Einsatz bei Wind und Wetter forderte unlängst die Bergretter in Maurach am Achensee. Wie berichtet, waren zwei junge Deutsche bei einer Wanderung im Bereich der Mondscheinspitze in ein Gewitter geraten. Kurz unterhalb des Gipfels setzten sie den Notruf ab und mussten schließlich per Hubschrauber ins Tal geflogen werden. Für die Bergretter am Boden und den Piloten kein einfacher Einsatz.

„Da ist es laut, da ist es nass, da ist es gefährlich“, bringt es Hermann Spiegl, Landesleiter der Bergrettung Tirol, auf den Punkt. Immer wieder würden Wanderer mit solchen leichtsinnigen Aktionen nicht nur sich selbst, sondern auch Bergretter in Gefahr bringen. Diese müssen im Gewitter oft Kopf und Kragen riskieren. Spiegl betont, dass sich solche Einsätze zu einem Großteil vermeiden ließen, da das Wetter sehr gut vorauszusagen sei. Im schlimmsten Fall würden in Notlage Geratene auf sich alleine gestellt sein, da der Eigenschutz der Retter immer vorangehe.

Einige Tipps helfen, um gegen Gewitter im Gebirge gewappnet zu sein. Entscheidend ist bereits die richtige Vorbereitung. Spiegl meint dazu: „Schon vor der Tour sollte man sich mit Wetterberichten informieren und die Wanderung im Zweifelsfall verschieben.“ Gewitter treten besonders häufig an Sommernachmittagen auf und lassen sich mittlerweile sehr gut voraussagen. Ein frühzeitiger Start könne also verhindern, überhaupt in ein Gewitter zu geraten, und lässt Spielraum für Eventualitäten. Beim Planen sollte man außerdem mögliche Ausstiegspunkte und Unterkünfte berücksichtigen. Während der Tour ist es dann notwendig, immer wieder das Wetter im Blick zu behalten und bei einer Verschlechterung rechtzeitig abzusteigen. Rasch größer werdende Quellwolken und auffrischender Wind deuten auf ein Gewitter hin. Ab dann heißt es: nichts wie weg.

Wer im Gebirge dennoch in ein Unwetter mit Blitzschlag gerät, sollte sich laut Gerhard Mössmer vom Österreichischen Alpenverein an einige Regeln halten. „Exponierte Stellen wie Grate oder Gipfel, aber auch Gewässer oder alleinstehende Bäume sollten unbedingt gemieden werden“, empfiehlt er. Enorm wichtig sei es zudem, Abstand zu metallischen Objekten wie Gipfelkreuzen oder Drahtseilen zu halten, weil diese wie ein Blitzableiter wirken. Auf freien Flächen gilt es, sich mit geschlossenen Beinen in Hockstellung und mit Sicherheitsabstand zu anderen Personen auf den Boden zu kauern. „Als Unterlage soll man dabei seinen Rucksack verwenden“, sagt der Experte. Außerdem ist es ratsam, Gegenstände wie Wanderstöcke oder Eispickel in einiger Entfernung abzulegen. Von Wänden im Fels und in größeren Höhlen müsse man rund eineinhalb Meter Abstand halten. „Einzig sicheren Schutz findet man in Unterkünften mit Blitzableitern und Biwakschachteln, die einen faradayschen Käfig bilden“, erklärt Mössmer. Mit der richtigen Vorbereitung und Planung ist jedoch noch nicht genug getan, verdeutlicht er: „Am besten ist es, die Wolkenbildung im Tagesverlauf zu beobachten.“ So könne man Gewitter frühzeitig erkennen und danach handeln.

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Laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik war das Jahr 2018 in Nordtirol verhältnismäßig gewitterarm. So wurden in Innsbruck nur 29 Gewittertage aufgezeichnet, der Mittelwert liegt bei 32 Tagen. Osttirol hingegen war mit 41 Tagen über dem Durchschnitt (35). In ganz Tirol wurden rund 10.000 Blitze registriert, normalerweise sind es 19.000.

Tipps bei Gewittern

Richtige Vorbereitung: Lokale Wetterprognosen, genaue Routenplanung und ein angemessener Zeitplan helfen, um Unwettern auszuweichen. Der beste Tipp bei Gewittern am Berg ist nämlich, gar nicht erst in eines zu geraten.

Wetter beobachten: Während der Bergtour muss man unbedingt einen wachsamen Blick auf das Wetter haben. Wachsende Quellwolken, auffrischender Wind und aufgetürmte ambossförmige Wolken sind Vorboten eines Gewitters. Bei elektrischem Surren und bläulichem Leuchten an Metallgegenständen (Elmsfeuer) steht ein Blitzeinschlag unmittelbar bevor.

Verhalten im Gewitter: Bei Blitzschlag: Gewässer, alleinstehende Bäume, exponierte Passagen wie Grate oder Gipfel sowie Drahtseile meiden.

Maßnahmen bei Blitzschlag: Auf ebenen Flächen empfiehlt es sich, eine kauernde Hockstellung mit genügend Abstand zu anderen Personen einzunehmen. Zuverlässigen Schutz bieten Biwakschachteln, Hütten mit Blitzableitern und Mulden.