Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 17.07.2019


Salzburg

Staraufgebot bei den Salzburger Festspielen: Sehen und gesehen werden

Wladimir Putin kommt nicht, John Travolta vielleicht: Am Wochenende beginnen die Salzburger Festspiele. Ein Überblick über die Society-Events im Windschatten der sommerlichen Hochkultur.

In Tracht vom Drei-Meter-Turm: Die „Dirndlflugtage“ zählen zu den weniger formalen Events des Salzburger Festspielsommers.

© Chris HoferIn Tracht vom Drei-Meter-Turm: Die „Dirndlflugtage“ zählen zu den weniger formalen Events des Salzburger Festspielsommers.



Salzburg, St. Wolfgang — Für Prominente, Schöngeister, Adabeis, Lobbyisten und auch Politiker sind die Salzburger Festspiele eine sommerliche Gelegenheit für halböffentliche Tête-à-Têtes in und um Mozarts Geburtsstadt. Ob Staatsbesuche, Konferenzen, Diskussionen oder Events: Von 20. Juli bis 31. August reiht sich ein Termin an den nächsten.

Hotspots für (Teilzeit-)Paparazzi: Im Ambiente der Festspiele werden Honoratioren und Künstler mit Preisen ausgezeichnet. Politiker treffen sich zu Arbeitsgesprächen, um davor oder danach Aufführungen des Festivals zu besuchen. Für die Bevölkerung, die im Sommer der Salzburger Altstadt gerne den Rücken kehrt, ist die Präsenz von Staatschefs wie Angela Merkel, Theresa May, Emmanuel Macron oder von Königlichen Hoheiten wie dem schwedischen Königspaar Carl Gustav und Silvia nichts Außergewöhnliches mehr. Die Neugierde ist dennoch groß. Hinter den Absperrungen drängeln sich nicht nur Touristen, sondern auch Einheimische, die das Defilee der Prominenten vor den Festspielhäusern beo­bachten und fotografieren.

Nächstes Jahr an der Salzach? Ein neues Motiv könnte der russische Präsident Wladimir Putin sein. Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat ihn bei einem Besuch im Mai in Russland offiziell zu den Salzburger Festspielen eingeladen. Die Paparazzi müssen sich aber noch gedulden. „Er kommt auf keinen Fall heuer", teilt die Präsidentschaftskanzlei auf Anfrage mit. Möglich, dass Putin zum 100-Jahr-Jubiläum der Festspiele im Jahr 2020 nach Salzburg reist.

John Travolta.
John Travolta.
- imago stock&people

Vorglühen mit John Travolta: Das heurige Schaulaufen beginnt am kommenden „Auftaktwochenende": Beim „Fest zur Festspieleröffnung" an 31 Spielorten in der ganzen Stadt und mit der Premiere des „Jedermann" mit Tobias Moretti und der neuen Buhlschaft Valery Tscheplanowa am Samstag. Am selben Tag steigt auch ein großes Society-Event am nahegelegenen Wolfgangsee. Es handelt sich um den Europa-Ableger der „Oscars der Fliegerszene". Hollywoodstar und Vielflieger John Travolta hat sich in seiner Funktion als Ambassador of Aviation angekündigt. Ob er auch einen Zwischenstopp bei den Festspielen geplant hat, darüber wird derzeit noch gerätselt. In Salzburg hüllt man sich dazu in vielsagendes Schweigen. In St. Wolfgang jedenfalls wird Travolta verdiente Persönlichkeiten der Luftfahrt ehren.

Eröffnungsredner: Peter Sellars.
Eröffnungsredner: Peter Sellars.
- imago stock&people

Politisches Stelldichein: Die Tage rund um die offizielle Eröffnung der Salzburger Festspiele am 27. Juli in der Felsenreitschule zählen fraglos zu den gesellschaftlichen Höhepunkten. Für Brigitte Bierlein ist es eine Premiere, wenn sie erstmals als Bundeskanzlerin am 27. Juli in der Felsenreitschule ihre Grußworte an das Publikum richtet, darunter rund acht Minister der aktuellen Bundesregierung. Ausländische Staatsoberhäupter haben sich bislang keine angekündigt. Englischsprachige Gäste können sich freuen: US-Starregisseur Peter Sellars, auserkoren für die Festrede, referiert über den Klimawandel in seiner Muttersprache. Anschließend wird Bundespräsident Alexander Van der Bellen die Festspiele 2019 eröffnen. Am Abend geht unter Sellars Regie die Premiere der Mozart-Oper „Idomeneo" in der Felsenreitschule über die Bühne.

Hohe Würden für „enfant terrible": Feierlich wird es auch am 26. Juli, wenn der französische Schriftsteller Michel Houellebecq den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur überreicht bekommt. Houellebecq gilt als „enfant terrible". Man darf also gespannt sein.

Fliegende Dirndl: Am 28. Juli steht der Spaßfaktor im Mittelpunkt, wenn beim „Gössl Dirndlflugtag" die Kontrahenten von einem Drei-Meter-Turm in Trachtenkleidung springen. Unter den Auszuzeichnenden befindet sich heuer unter anderem Ex-Skirennläuferin und „Dancing Stars"-Gewinnerin Lizz Görgl.

Schriftsteller Michel Houellebecq.
Schriftsteller Michel Houellebecq.
- imago stock&people

Gala für den guten Zweck: Auf musikalische Höhepunkte von Antonín Dvorák bis Giuseppe Verdi können sich am 1. August die Besucher der „Gala-Soiree" der Salzburger Festspiele im Carabinierisaal der Fürst­erzbischöflichen Residenz freuen. Hochkarätige Sänger wie Joel Prieto, Luca Salsi und Marina Rebeka werden Arien zum Besten geben. Zwei-Sterne-Koch Bobby Bräuer kocht ein fünfgängiges Gala-Menü. Der Reinerlös der Veranstaltung fließt in die Jugendarbeit der Festspiele. Ein kulinarisches Erlebnis wird auch das traditionelle Schwammerlessen für VIPs im Hotel Sacher sein, das voraussichtlich wieder im August stattfindet. Gastgeber sind Elisabeth Gürtlers Tochter Alexandra und ihr Ehemann Matthias Winkler. Zu den Stammgästen gehören Stanglwirt Balthasar Hauser, Medien-Manager Hans Mahr, Unternehmerin Elisabeth Schaeffler und Ex-Buhlschaft Sunnyi Melles.

Schlemmen zu später Stunde: Bei den Gastronomen herrscht in der Festspielzeit ohnehin Ausnahmezustand. Einige Restaurants und Bars verlängern in der Salzburger Altstadt ihre Öffnungszeiten. Festspielgäste seien bei vielen Unternehmern „gern gesehene Kunden", teilte der Tourismusverband Salzburg bereits Anfang Juli mit. (TT, APA)