Letztes Update am Do, 25.07.2019 09:39

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Der Traum vom Fliegen und das böse Erwachen

Ein Erfinder überraschte bei der Militärparade in Paris mit seiner fliegenden Plattform. Noch nie war der Mensch Ikarus näher. Zum Spaß soll das Flug-Gerät aber wieder einmal nicht verwendet werden.

Ein Held der Lüfte? 
Der Erfinder Franky 
Zapata flog bei der 
Pariser Militärparade 
mit seinem Flyboard.
Beeindruckend, aber 
was soll das Gewehr 
in seiner Hand?

© AFPEin Held der Lüfte? 
Der Erfinder Franky 
Zapata flog bei der 
Pariser Militärparade 
mit seinem Flyboard.
Beeindruckend, aber 
was soll das Gewehr 
in seiner Hand?



Von Matthias Christler

Ein Menschheitstraum ist vor einer Woche bei der Parade zum Nationalfeiertag in Frankreich wahr geworden. Ein Mann erhob sich Ikarus-gleich vom Boden und schwebte auf einer Plattform über die Menge; selbst Präsident Emmanuel Macron war begeistert. Schon viele Menschen haben den Traum vom Fliegen wahr gemacht, nie aber sah es so leicht und unbekümmert aus wie bei dem französischen Erfinder Franky Zapata. Doch leider nehmen die meisten Geschichten von Männern, die mit selbst gebauten Flügeln den Himmel erobern wollen, keinen glücklichen Verlauf. Ikarus lässt grüßen.

Ein Mann fliegt bei der der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in Los Angeles 1984 mit einem 
Raketenrucksack.
Ein Mann fliegt bei der der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in Los Angeles 1984 mit einem 
Raketenrucksack.
- AFP

Schon lange vor Zapatas Darbietung in Paris versuchten sich Draufgänger mit Raketenrucksäcken in den Himmel zu erheben. Wie schön wäre es, wenn man von diesen Männern berichten könnte, dass es Helden der Lüfte waren, aber der Traum vom Fliegen in dieser Form taugt nicht als epische Erzählung. Schon die Nazis sollen erste Prototypen gebaut haben, um einfach über den Feind und seine Stellungen hinwegfliegen zu können. Wie der Spiegel 2010 berichtet hat, nahm die US-Armee die Raketenrucksack-Idee auf und ließ sie weiterentwickeln. Hilfe kam von Techniker Wernher von Braun – dem Vater der deutschen V2-Rakete und der US-Mondrakete Saturn 5. Ohne Braun hätte es also weder die Mondlandung vor 50 Jahren gegeben und auch nicht den Raketenrucksack. Als Versuchskaninchen bzw. „Raketenmann“ sollte schließlich Harold Graham in die Geschichte eingehen. 1961 schaffte er den ersten Flug ohne Seilsicherung. Präsident John F. Kennedy und das Militär waren anfangs voller Euphorie.

Von James Bond bis Olympia

Doch der fliegende Mensch wurde nicht zu der entscheidenden Waffe, wie sich die Militärs es erhofft hatten. Die Flugdauer war zu kurz, der Rucksack zu schwer, der Einsatz nicht militärtauglich. Das Projekt wurde eingestellt.

Der Raketenrucksack schaffte es zwar in den James-Bond-Film „Feuerball“ (1965) und war ein Höhepunkt bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Los Angeles 1984, doch weitere Höhenflüge blieben aus.

Die "Jet-Packs" werden weiterentwickelt, zum Durchbruch kommt es nicht. Hier ein Show-Flüg bei der Freiheitsstatue im Jahr 2015.
Die "Jet-Packs" werden weiterentwickelt, zum Durchbruch kommt es nicht. Hier ein Show-Flüg bei der Freiheitsstatue im Jahr 2015.
- Jetpack Aviation

Graham flog später nur noch mit seinem Privatflugzeug. Nachdem er erkrankt war und und ihm deshalb die Fluglizenz entzogen wurde, nahm er sich 2009 verbittert das Leben.

Der Traum vom Fliegen mit selbst gebauten „Flügeln“ fasziniert viele Menschen. Erfinder suchen seit einigen Jahren nach Konzepten, die, ähnlich wie im Film „Zurück in die Zukunft“ mit dem schwebenden Hoverboard, spielend leicht aussehen. Und jetzt kommt Zapata ins Spiel. Der Franzose stellte 2012 sein „Flyboard“ fürs „Fliegen“ über dem Wasser vor. Die Plattform erhebt sich durch den Rückstoß eines Wasserstrahls bis zu neun Meter in die Höhe. Der Wasserstrahlantrieb war aber nur der Anfang. Zapata und sein Team tüftelten an einer Version, die mit einem Düsentriebwerk und damit auch über Land funktioniert. Und es ist ihnen gelungen. Ihr neues Flyboard schwebt auf maximal 150 Metern über dem Boden und kann 140 km/h schnell werden. Dann der Schock. Vor zwei Jahren untersagten die französischen Behörden Zapata den Testbetrieb.

Pläne als „Angriffs-Plattform“

Als er am vergangenen Sonntag bei der Militärparade auftauchte, war die Überraschung groß. Manche wunderten sich auch, dass der schwarz gekleidete Pilot ein Gewehr in der Hand hielt. Die Auflösung verdirbt den Spaß allerdings. Die französische Armee, hieß es, habe das Flyboard mit- und weiterentwickelt. Die Verteidigungsministerin sprach im Anschluss vom möglichen Einsatz als „fliegende Logistik- oder Angriffs-Plattform“.

Andere Konzepte wie das Flyboard über Wasser sind eine spielerische Alternative.
Andere Konzepte wie das Flyboard über Wasser sind eine spielerische Alternative.
- iStock

Das Flyboard hat seine Leichtigkeit damit schnell verloren. Es sieht eher danach aus, als würde es wieder einmal ein böses Erwachen aus dem Traum vom Fliegen geben.