Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.08.2019


TT-Tourentipp

Landecker Thialkopf: Ausblick so weit das Auge reicht

Die Tour auf den Thialkopf oberhalb von Landeck bietet einen tollen Ausblick und ein riesiges Gipfelkreuz. Ideal als – ausbaufähige – Bike- und Hiketour.

Einen traumhaften Ausblick bietet der Thialkopf.

© flexEinen traumhaften Ausblick bietet der Thialkopf.



Tobadill – Etwa sechs Kilometer oberhalb von Landeck, auf 1136 Metern Seehöhe, liegt die kleine Gemeinde Tobadill. Im Ortskern steht – ganz typisch – die Kirche, gleich daneben befindet sich das Gemeindeamt und nur ein paar Schritte entfernt gibt es ein Gasthaus (Hotel Alpenblick).

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Der kleine Greißlerladen allerdings, der jahrelang das Gemeindebild prägte, hält seine Türen für immer geschlossen. Leider. Eines kann man den Tobadillern aber nicht nehmen: nämlich die Lebensqualität in einer bezaubernden Bergkulisse und die landschaftliche Verbundenheit abseits von Hektik und Stress.

Unser Tourentipp führt diese Woche von Tobadill hinauf auf den Thialkopf (2396 m), einen aussichtsreichen Gipfel, dessen Aufstieg als mittelschwierige Bergwanderung angesehen werden darf. Vor allem aber lässt sich dieses Gipfelziel perfekt als Bike- und Hiketour kombinieren.

So kommt man hin: Wir starten unsere Tour direkt in Tobadill bei der Kirche. Hier lassen sich einige Parkplätze finden. Wer keinen Platz mehr ergattert, kann auf Anfrage im Gasthaus bzw. Hotel Alpenblick sein Glück versuchen. Das erste Etappenziel von meinem Begleiter Günther und mir wird die Flath­alm sein. Dort führen zwei Wege hinauf. Beide Zubringer zur Flathalm sind im Ortskern bereits gut markiert. Wir folgen dem linken Weg (Richtung Osten), der Mountainbikestrecke Nr. 792.

Nach den ersten Höhenmetern, bis zu den letzten Häusern, auf Asphalt verlassen wir nun den harten Untergrund und fahren auf der Forststraße, die übrigens unglaublich gut präpariert ist, rund fünf Kilometer und 540 Höhenmeter hinauf bis zur Flathalm. Der erste Abschnitt auf dem Bike ist phasenweise doch ziemlich steil. Je weiter wir allerdings nach oben kommen, umso bequemer wird es.

Die Flathalm ist erreicht. Für den Einkehrschwung ist es noch zu früh. Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen. Wir stellen unsere Bikes im Bereich der Alm ab und marschieren zu Fuß weiter. Fast direkt bei der Alm führt der markierte Steig entlang des Baches in Richtung Süden und zu unserem zweiten Etappenziel, dem Zirmegg.

Die Wegbeschaffenheit ist einfach. Zunächst auf freiem Gelände der Flathalpe, später durch ein Waldstück, geht’s Höhenmeter für Höhenmeter nach oben. Bis hinauf aufs Zirm­egg (2073 m), zur Floriani-Kapelle, oberhalb der Waldgrenze. Ein schmuckes, richtig entzückendes Plätzchen, wo diese heilige Stätte ihre Bleibe gefunden hat und stehen darf.

Errichtet wurde sie in den Jahren 1986 bis 1987 von der Stadtfeuerwehr Landeck – zum Gedenken an verstorbene Kameraden, derer mit einer heiligen Messe am ersten Sonntag im August gedacht wird. Das Zirmegg ist zudem als einstiges Kupferabbaugebiet bekannt.

Dieser Ort lädt richtig zum Verweilen ein, doch der Thial- kopf ist unser eigentliches Ziel. Wir marschieren weiter. Rund 300 Höhenmeter trennen uns noch vom Gipfel. Auch der weitere Abschnitt ist nicht schwer. Auf dem relativ breiten, aber steiler und steiniger werdenden Weg hoch über dem Tal folgen wir den Markierungen hinauf zum längst sichtbaren Gipfelkreuz des Thialkopfes. Wir sind da und sind uns einig: So ein riesiges Gipfelkreuz haben wir selten gesehen. Wie zwei Zwerge wirken wir. Und noch viel kleiner und hilfloser in der unglaublichen Weite dieser Bergkulisse und mit diesem atemberaubenden Tiefblick nach Landeck und ins Inntal.

Der Hohe Riffler im Westen ist zum Greifen nahe, direkt vor uns und nach Norden hin türmt sich die Parseierspitze, der höchste Gipfel der Lechtaler Alpen, empor. Der gesamte Rundumblick ist von allerfeinster Sahne, und sogar die Watzespitze rückt sich ins Rampenlicht. Eigentlich geht die Tour auf den Thialkopf hier zu Ende. Zurück geht’s entlang der Aufstiegsroute.

Aber einen kleinen Tipp gibt es noch: Wer mit dem Thialkopf (Aufstieg 1250 Höhenmeter) noch nicht genug hat, kann die Tour erweitern. Allerdings muss das Wetter zu hundert Prozent mitspielen, denn man ist durchwegs am Grat unterwegs. Ein Gewitter dort oben wäre alles andere als optimal. Am Thialkopf gibt es zwar noch einen Unterstand, aber das ist es dann auch schon gewesen.

Wer also noch Kraftreserven mitbringt und die Tour als Runde abschließen will (1950 Höhenmeter, acht bis neun Stunden), der geht vom Thialkopf den Grat entlang weiter bis zum Gatschkopf (2588 m), von dort zum Kegelkopf (2837 m), weiter zum Seekopf, von dort zur Giggler Spitze (2614 m) und über den Flathsee hinunter zur Flath­alm. Diese Runde ist auch als Flath- bzw. Thialrunde bekannt.

Aber aufgepasst: Bereits zwischen dem Thialkopf und dem Gatschkopf wird das Gelände zunehmend alpiner. Und je weiter man marschiert, umso schwieriger wird das Terrain. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind unerlässlich.

Zudem sollte man sich nicht vor weglosem und ausgesetztem Gelände scheuen. Leichte Kletterstellen sind auch dabei. Wer aber all diese Fähigkeiten mitbringt, erlebt mit dieser Runde ein echtes Highlight. Versprochen!

Wer es beim Thialkopf oder am Zirmegg schon bleiben lässt, kommt aber auf keinen Fall zu kurz. Auch versprochen! Ob Runde oder nur Thialkopf – zurück auf die Flathalm führen beide Wege wieder. Und bei Emanuel, dem Hirten aus Fließ, empfiehlt es sich, einzukehren. Spätestens jetzt ist man froh, wenn man hier für die Talfahrt sein Mountainbike geparkt hat.

Wer allerdings zu Fuß unterwegs ist, muss noch rund weitere 50 Minuten bis zum Ausgangspunkt in Tobadill zusätzlich einplanen. (flex)

Tourentipp online:

Den Track für die Tour finden Sie unter www.tt.com/lebensart oder direkt unter https://bit.ly/2MJJ3d5