Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 16.08.2019


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Eine kaiserliche Runde: gemütliche Almwanderung am Kaiser

Von Scheffau aus ist eine gemütliche Almwanderung am Kaiser möglich. Ideal mit Kindern und nach Wunsch auch zu einer größeren Runde verlängerbar.

Berge raten kann man beim Aussichtsplatz am Sailabodenkreuz.

© RappBerge raten kann man beim Aussichtsplatz am Sailabodenkreuz.



Von Irene Rapp

Scheffau — Der Kaiser lockt mit anspruchsvollen Touren und Kletterrouten, allerdings kann man dort auch gemütlich unterwegs sein. Kinderfreundlich ist etwa die Wanderung auf die Hinterschießlingalm (1020 m) oberhalb von Scheffau. Und wer dann noch ein wenig mehr Kaiser schnuppern will, kann noch weiter zur Kaiseralm gehen. In beiden Fällen wird man mit tollen Ausblicken und gemütlichen Plätzen belohnt — doch dazu später.

So kommt man hin: Vom Ortszentrum von Scheffau aus wandert man an der Kirche vorbei Richtung Leiten. Zunächst eine Straße entlang bergauf, nach rund 15 Minuten erreicht man den Eingang zur Rehbachklamm (rechter Hand liegend). Innerhalb weniger Minuten ist man von der Straße weg und taucht ein in ein gemütliches Stück Natur — wer sich allerdings eine tosende Klamm erwartet, wird sich wundern. Der Rehbach plätschert hier nämlich gemütlich durch ein idyllisches Waldstück dahin, je nach Niederschlag führt er mal mehr, mal weniger Wasser. Zahlreiche Brückchen führen darüber und für kleinere Kinder ist das Gewässer ideal, finden sich hier doch viele Spielmöglichkeiten am Bach. Wenn man auf einen Forstweg gelangt, kurz weitergehen und dann neben einem Parkplatz wieder links hinauf in das Gelände.

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Den Track für die Tour finden Sie hier.

Dieses Stück der Rehbachklamm war zuletzt gesperrt, da eine große Lawine im Winter eine der Brücken zerstört hatte. Inzwischen wurde diese repariert. In diesem oberen Teil kann man in einen alten Bergwerkstollen aus dem 16. Jahrhundert hineinschnuppern. Ein Zeitschalter gleich zu Beginn ermöglicht eine Beleuchtung, doch Vorsicht: Man muss sich ziemlich bücken, die Menschen müssen früher kleiner gewesen sein.

Zunächst geht es gemütlich durch die Rehbachklamm.
Zunächst geht es gemütlich durch die Rehbachklamm.
- Rapp

Nach dem Stollen gelangt man wieder auf den Forstweg, nun den Schildern folgen. Kurz durch einen Wald und dann erreicht man schon eine Lichtung, in deren oberem Bereich die Hinterschießling­alm liegt. Gleich darüber erhebt sich der Scheffauer (2111 m). Für diese Tour hätten wir allerdings früher aufstehen müssen.

Nach rund einer Stunde Gehzeit hat man dann die Hinterschießlingalm mit schönem Ausblick auf das Tal erreicht, die von Andrea und Jakob Steiner betrieben wird. Ein Teil der Gebäude präsentiert sich urig-gemütlich, „der Marillenbaum vor der ersten Alm ist über 80 Jahre alt", erzählt Andrea Steiner. Hier hat man sich voll auf Gäste mit Kindern eingerichtet: Alpakas und Hasen dürfen gestreichelt werden, ein Brunnen und ein Planschbecken ermöglichen Abkühlung an heißen Tagen. Bekannt ist die Hinterschießlingalm auch wegen der Produkte, die aus den gezüchteten Angus-Rindern hergestellt werden. Von Angus-Rinder-Wurst und Angus-Rinder-Schinken erzählt Andrea Steiner.

Ein Blick in den alten Bergwerkstollen lohnt sich.
Ein Blick in den alten Bergwerkstollen lohnt sich.
- Rapp

Theoretisch könnte man von hier aus wieder zurück ins Tal gehen. Allerdings kann man auch zwischen den alten Almgebäuden Richtung Kaiser durchgehen und einem Weg hinauffolgen. Einige Kühe sind zu sehen, Hunde bitte an die Leine!

Gemütlich ansteigend hin­auf geht es weiter, bei einer Beschilderung hält man sich rechts Richtung Kaiseralm. Nun ein wenig steiler durch den schönen Wald hinauf, muss man einmal über einen Weidezaun steigen. Vorbei an einem modernen Almgebäude und weiter geradeaus zum so genannten Sailabodenkreuz (1211 m).

Nach einer Stunde Gehzeit erreicht man die idyllisch gelegene Hinterschießlingalm.
Nach einer Stunde Gehzeit erreicht man die idyllisch gelegene Hinterschießlingalm.
- Rapp

Ein traumhaftes Plätzchen, das es in sich hat: Zum einen ist der Kaiser zum Greifen nah — eine Info-Tafel klärt auf, welcher Gipfel wo zu finden ist. Wie aufgefädelt präsentieren sich nämlich u. a. der Scheffauer (ganz links) und das schroffe Tuxeck (2226 m, ganz rechts). Zum anderen kann man gut auf das Tal hinab­sehen.

Nun sind es nur noch wenige Minuten bis zur Kaiseralm (1146 m), ein kleines Stück geht es einen Steig hinab und dann hat man die urige Einkehr erreicht. Urig deswegen, weil ein Teil des Gebäudes im alten Zustand erhalten worden ist. Also nicht nur auf der Terrasse sitzen bleiben, auf der man Stunden sitzen kann, weil inmitten der Berge die Seele baumelt. Ein kleiner Blick hinein lohnt sich auch, „die Hütte ist sicher 200, 300 Jahre alt", erzählt Barbara Hagenberger, deren Familie die Einkehr betreibt. Strom liefert nur eine kleine Photovoltaik-Anlage, zum Essen bekommt man viel selbst Gemachtes (auch Brot) und Produkte aus der Region.

Zu guter Letzt kommt man zur Kaiseralm – unbedingt einen Blick hineinwerfen.
Zu guter Letzt kommt man zur Kaiseralm – unbedingt einen Blick hineinwerfen.
- Rapp

Den Rückweg tritt man dann ganz gemütlich an. Auf einem Forstweg hält man sich in südlicher Richtung und marschiert immer talwärts, bei Abzweigungen folgt man den Wegweisern „Scheffau" bzw. „Parkplatz Gaisberg". Zunächst durch einen lichten Wald, dann kommt man auf einer schönen, lichten Ebene zu den Schießlinghöfen. An den Bauernhäusern vorbei und auf einer Straße, die wieder zu jenem Parkplatz führt (Gaisberg), von wo aus man wieder in die Rehbachklamm kommt. Nun wieder links hinab in die Klamm und auf dem bekannten Weg zum Ausgangspunkt retour.

Fazit: Die Runde ist ohne große alpinistische Herausforderung gut machbar, eine Einkehr bei den beiden Almen lohnt sich!

- TT-Grafik