Letztes Update am Do, 15.08.2019 12:52

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Magazin

Das Vermächtnis von Mr. Woodstock: Erinnerung in Bildern

Am Donnerstag vor 50 Jahren begann das Woodstock-Festival. Mitveranstalter Michael Lang blickt zurück auf drei Tage Musik, Rausch, Liebe, Schlamm und Frieden auf einem Fest mit 400.000 Menschen.

Musikalisches Epizentrum: die Bühne des Festivals.

© Henry Diltz, Woodstock Aug 1969Musikalisches Epizentrum: die Bühne des Festivals.



Von Andrea Wieser

Jeans, nackte Schultern, die Boots auf dem Tisch. In dieser Pose sieht man Michael Lang cool am Telefon lehnen. Es ist das Foto eines Konzertveranstalters, der am 15. August vor 50 Jahren das legendärste Musik-Happening aller Zeiten inszenierte. Lang ist der Mitbegründer von Woodstock, wo Musiker und Bands wie Joan Baez, Janis Joplin, Grateful Dead, Jefferson Airplane, Joe Cocker und Jimi Hendrix der Hippie-Bewegung ihr musikalisches Fundament zementierten.

Die Bilder von dem Spektakel gingen um den Erdball. Nur nicht jene, die Lang jetzt in seinem Buch „Woodstock, 3 Days of Peace and Music“ vereint hat. Die Fotos, die unter anderem von Fotograf Henry Diltz stammen, sind in dem 288 Seiten starken Buch erstmalig zu sehen. Und eines jener Bilder ist eben das von dem jungen Michael Lang am Telefon, Backstage bei Woodstock. In dem Moment, als die Aufnahme entstand, hatte der Veranstalter schon einiges hinter sich. Da war das Kämpfen um die Finanzen gemeinsam mit seinem Partner Artie Kornfeld. Die Investoren Joel Rosenman und John P. Roberts konnten schließlich die Gelder auftreiben. Die Location-Suche gestaltete sich auch mühsam. Allgemein bekannt ist heute, dass das Festival schlussendlich gar nicht in Woodstock, sondern im nahe gelegenen Bethel stattfand.

Als das Foto gemacht wurde, hatte Lang vielleicht schon eine Ahnung, dass das Festival finanziell ein Disaster werden würde. Die schlecht gesicherten Absperrungen kippten und machten Woodstock in kürzester Zeit zum Gratis-Event. Erst Jahre später erreichte man mit Merchandising und Filmrechten Profit.

Drei Tage tanzten schließlich bis zu einer halben Million Menschen im Regen, nahmen Drogen und zelebrierten den Frieden. Dass es zu keiner gemeldeten Schlägerei oder anderen Gewaltakten kam, ist eines von vielen Wundern von Woodstock. „Es waren die Menschen, die Woodstock besuchten, die die wahren Stars des Festivals wurden“, erinnert sich Lang nun in seinem Buch.

Der friedliche Geist des Festivals wurde zur Legende. Ihn 50 Jahre später wieder aufleben zu lassen, gelang Lang nicht. Das geplante Remake von Woodstock wurde aufgrund von zu vielen Künstler-Absagen und Unsicherheiten abgeblasen. Eine Enttäuschung für Lang, der kürzlich in einem Interview meinte, wie sehr der Woodstock-Spirit in Zeiten von grassierendem Rassismus und Klimawandel wieder gebraucht werde.