Letztes Update am Mi, 14.08.2019 11:58

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Monica Anna Cammerlander: „Es ist für mich unglaublich emotional“

Die gebürtige Tiroler Schauspielerin Monica Anna Cammerlander steht erstmals in Felix Mitterers Stück „Verkaufte Heimat“ in Telfs auf der Bühne. Ein Gespräch über ihre bewegende Rolle und ihr Ankommen daheim.

Die gebürtige Tirolerin wusste schon im Alter von vier Jahren, dass sie Schauspielerin werden möchte.

© Rudy De MoorDie gebürtige Tirolerin wusste schon im Alter von vier Jahren, dass sie Schauspielerin werden möchte.



Von Gerlinde Tamerl

Felix Mitterers Theaterstück „Verkaufte Heimat – Das Gedächtnis der Häuser“ wird derzeit im Rahmen der Telfer Volksschauspiele aufgeführt. Sie verkörpern darin eine dreifache Mutter namens Kathl. Erstmals stehen Sie in Tirol auf der Bühne. Wie fühlt sich das an?

Monica Anna Cammerlander: Es ist irgendwie verrückt. Ich habe an so vielen Orten gespielt, aber nie hier in Tirol. Es ist deshalb sehr emotional, auch weil ich im Tiroler Dialekt spreche. Mitterers Stück handelt außerdem vom Verlust der Heimat und von Fremdheit. Das bewegt mich ungemein.

Weshalb berühren Sie diese Themen?

Cammerlander: Vielleicht weil auch ich meine Tiroler Heimat verlassen habe. Es ist aber ein großer Unterschied, ob man gehen muss oder ob man sich freiwillig auf den Weg machen darf. Ich habe viel Zeit meines Lebens im Ausland verbracht, u. a. in New York, wo ich einen Teil meiner Schauspielausbildung absolviert habe. Diese Zeit war großartig, ich konnte mir gar nicht vorstellen, meine Heimat jemals zu vermissen. Nun wache ich morgens mit dem Blick auf die Frau Hitt auf und bin gerührt. Dieses Nachhausekommen ist mit starken Emotionen verbunden.

Warum standen Sie bisher nie auf Tirols Bühnen?

Cammerlander: Es hat sich einfach nie ergeben, obwohl ich einen Teil meiner Ausbildung sogar hier am Tiroler Landestheater absolviert habe. Nach der Schule bin ich aber sofort nach Wien übersiedelt.

In Mitterers Stück spielen Sie eine Südtiroler Optantin. Wie würden Sie Kathl beschreiben?

Cammerlander: Kathl ist eine großartige Frau, eigentlich total emanzipiert. Sie diskutiert viel mit ihrem Mann (Schauspieler Edwin Hochmuth), der von Beruf Schuster ist. Die beiden haben drei Kinder und müssen sehen, wie sie über die Runden kommen. Kathls Sorge gilt vor allem den Kindern. Sie hat einen pragmatischen Zugang zum Leben.

In welcher Hinsicht ist sie pragmatisch?

Cammerlander: Sie lässt etwa zu, dass die Familie ihren Namen von Rabensteiner auf Pietracorvo ändert, weil ein italienischer Nachname ihr die Möglichkeit bietet, weiterhin im italienisierten Südtirol zu arbeiten. Kathl hat zunächst nur das Wohl ihrer Familie vor Augen, aber das verändert sich, als sie ihre Heimat verlassen müssen.

Welche Veränderungen durchlebt diese Frau?

Cammerlander: Zunächst bekommt die Familie in Telfs eine wunderschöne Wohnung, mit Bad und fließendem Wasser. Ein Luxus, aber bald lernt Kathl die Schicksale anderer Menschen kennen und erfährt, dass die gesamte Siedlung, in der sie wohnen, von Kriegsgefangenen gebaut wurde. Sie muss mitansehen, wie ein Mann erschossen wird, weil er während der Arbeit nicht mehr aufstehen kann.

Spricht sie mit jemandem über diese Erlebnisse?

Cammerlander: Ja, aber ihr Mann kritisiert ihr Mitgefühl, doch sie widerspricht ihm vehement. Im Gegensatz zu anderen lässt sich Kathl nicht von der Ideologie vereinnahmen. Kathl­ lebt zuerst nur in ihrer kleinen Welt, aber dann erweitert sich ihr Horizont. Ich will nichts verraten, aber diese Frau muss den größten Schmerz ertragen, der einer Mutter widerfahren kann. Es ist für mich unglaublich emotional, wohl auch, weil ich selbst ein Kind habe. Diese Rolle berührt mich. (wischt sich Tränen aus den Augen)

Das Stück von Felix Mitterer scheint Sie sehr zu bewegen.

Cammerlander: Ja, in seinen Dialogen steckt große Kraft. Mitterer gelingt es, die kleinen Geschichten der Menschen mit dem Weltgeschehen zu verbinden. Die Option liegt schon lange zurück, trotzdem hat sie so viel mit der Gegenwart zu tun: Viele Menschen sind auf der Flucht vor Krieg und müssen ihre Heimat verlassen.

Ihre Mutter war Gemeinderätin. Ihr Vater ist Gastwirt. Wie haben Ihre Eltern auf Ihre Berufswahl reagiert?

Cammerlander: Ich wollte schon mit vier Jahren Schauspielerin werden. Mein Vater hat diesen Wunsch zuerst nicht so ernst genommen, mich dann aber sehr unterstützt. In New York habe ich während meines Studiums gekellnert. Dieser Anblick hätte meinem Vater bestimmt auch gut gefallen. (lacht)

Derzeit wird viel darüber diskutiert, dass es Schauspielerinnen im Alter schwerer haben als ihre männlichen Kollegen. Wie sehen Sie diese Situation?

Cammerlander: Ich habe im Theater oft große Rollen bekommen, im Film hingegen nicht. Ich finde die Situation ist in Österreich anders als in Amerika. Es geht immer noch mehr um Charakterrollen und nicht um makellose Schönheit. Ich glaube, es ist wichtig, dass man als Schauspielerin authentisch bleibt. Damit überzeugt man am allermeisten.


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