Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 28.10.2019


Osttirol

Kleine Oase vor der Tür: „Das Garteln gewinnt an Bedeutung“

Anita Kerschbaumer und Thomas Schrotter sind Obleute in den Obst- und Gartenbauvereinen Lavant und Assling. Auf nur 22 Quadratmetern schaffen sich die beiden jedes Jahr aufs Neue ein Gartenparadies.

Auf 22 Quadratmetern Garten vor ihrer Erdgeschoßwohnung gehen Anita Kerschbaumer und Thomas Schrotter ihrem Hobby Gartenbau nach.

© Christoph BlassnigAuf 22 Quadratmetern Garten vor ihrer Erdgeschoßwohnung gehen Anita Kerschbaumer und Thomas Schrotter ihrem Hobby Gartenbau nach.



Von Christoph Blassnig

Lavant – Das Thema Pflanzenanbau bietet eine solche Fülle an Möglichkeiten, dass Thomas Schrotter und seine Lebensgefährtin Anita Kerschbaumer aus Lavant ins Schwärmen kommen, wenn sie von ihrem ganze 22 Quadratmeter umfassenden Gartengrundstück berichten. „Um nicht Rasen mähen zu müssen, habe ich zwischen unseren Pflanzanlagen und Hochbeeten Steinplatten verlegt“, berichtet Schrotter überzeugt. „So erreichen wir unsere grünen Schützlinge leicht und können das ganze Jahr über angenehm ernten, was wir aussetzen, hegen, gießen und pflegen.“

Die beiden Gartenenthusiasten engagieren sich auch in Obst- und Gartenbauvereinen (OGV). Thomas Schrotter ist Obmann von jenem in Assling, Anita Kerschbaumer steht dem in der Wohnsitzgemeinde Lavant vor. „Und wir sind nicht alleine“, lächelt Kerschbaumer. „In Osttirol gibt es insgesamt neun solcher Vereine, die sich im Tiroler Dachverband mit über einhundert Partnern organisieren.“ Mehr als 1300 Mitglieder zählt man derzeit in Osttirol.

Organische Küchenabfälle landen direkt in einer Wurmkiste, die in der Küche steht.
Organische Küchenabfälle landen direkt in einer Wurmkiste, die in der Küche steht.
- Christoph Blassnig

„Das Garteln gewinnt wieder an Bedeutung“, meint Schrotter, der als Marktleiter in Lienz eine Lebensmittelfiliale führt. „Immer mehr Menschen achten bewusst auf unsere Umwelt und bevorzugen Produkte, die aus regionalem Anbau kommen. Was liegt denn näher, als gleich selber anzubauen?“ Die Obst- und Gartenbauvereine hätten in erster Linie beratende Tätigkeit für ihre Mitglieder. Und auf die Frage, ob der Besitz eines eigenen Gartens denn die Mindestanforderung für einen Beitritt sei, verneint der Vereinsobmann. „Jeder, wie er kann und mag. Schon eine Blumenkiste am Balkon kann große Freude bringen, und nur darum geht es. Jeder ist zum Mitmachen eingeladen.“ Dass die Größe tatsächlich kein Maßstab für die Qualität ist, beweisen die beiden Lavanter jedes Jahr aufs Neue in ihrem Kleingarten.

Da wechseln sich regelmäßig Bäume und Sträucher mit anderen Pflanzen ab. Es gibt immer Kräuter für die Küche, eine Weinranke neben der Sitzgruppe gehört zum wenigen festen Pflanzenbestand. Ein kleines Wasserbecken mit vielleicht 50 Litern Inhalt hat den Gartenliebhabern einen Mitbewohner beschert: Eine Kröte war eines Tages zu Besuch und hat sich dann gleich unter einem Stein häuslich eingerichtet. „Frühmorgens schätzt sie ein Bad im privaten Pool vor ihrem Zuhause“, lächelt Kerschbaumer.

Auch wenn die heurige Saison beendet ist und sich die Natur auf den Winter einstellt – Anita und Thomas planen schon, was sie im nächsten Jahr in ihre heimelige Oase aufnehmen. „Ideen dafür holen wir uns zum Beispiel aus Fachzeitungen oder von anderen Gartenfreunden. Außerdem bieten wir regelmäßig Vorträge an, die allen Interessierten offen stehen“, sagt Schrotter. Der OGV Assling unternimmt seit 15 Jahren Lehrfahrten in andere Bundesländer. Von ihren Ausflügen bringen die Mitreisenden nicht nur regelmäßig Pflanzen mit, sondern auch neue Methoden, Tipps und Tricks, wie man mit wenig Aufwand und ohne Chemie zu erfreulichen Erträgen aus dem eigenen Anbau kommt.

Thomas Schrotter mit jungen Tomatenpflanzen.
Thomas Schrotter mit jungen Tomatenpflanzen.
- Christoph Blassnig

„Heuer war der Zünsler wieder ein verbreitetes Problem im Lienzer Talboden, auch in Lavant“, berichtet der OGV-Obmann. „Unser Bestreben ist es, die Leute wieder auf die Vielfalt, die unsere heimische Natur bietet, aufmerksam zu machen. In den Gärten stehen Pflanzen, die zwar wunderschön blühen, von denen die Bienen aber zum Beispiel gar nichts haben.“ Solche Zusammenhänge müsse nicht jeder für sich neu entdecken. „Auch dafür gibt es immer wieder Vorträge.“

Einen natürlichen Kreislauf betreiben die beiden Gartenfreunde seit heuer in ihrer Küche: Organische Abfälle landen direkt in einer Wurmkiste. Dort entsteht bester Kompost, der im Garten wieder Verwendung findet. „Das funktioniert hervorragend, ist sauber und geruchlos.“


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