Letztes Update am Mi, 30.10.2019 07:24

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Freeride Filmdays

Freeride Filmdays in Innsbruck: Schwungvoll in die Dunkelheit

Die Wintersaison startet traditionell mit neuen Freeride-Filmen. Zwei Wahl-Innsbrucker haben mit ihren Aufnahmen jeweils die Nacht zum Tag gemacht – im Schein des Vollmonds und unter dem Nordlicht.

Silhouetten und Schatten im Schnee: Nur der Vollmond erleuchtet dem Skifahrer im Film „Full Moon“ den Weg vom Berg ins Tal.

© Philipp BeckerSilhouetten und Schatten im Schnee: Nur der Vollmond erleuchtet dem Skifahrer im Film „Full Moon“ den Weg vom Berg ins Tal.



Von Matthias Christler
Innsbruck — Die Freeride-Szene Tirorls hat in den vergangenen 20, 30 Jahren so viele Filme hervorgebracht wie kaum eine andere Region. Den Zuschauer zu überraschen ist also nicht leicht, man hat irgendwie alles schon gesehen — außer Hauptdarsteller, die selbst wenig sehen. Gleich zwei Film-Crews mit Wahl-Innsbruckern als Regisseure und Hauptdarsteller haben sich in diesem Jahr in die Dunkelheit gewagt. Kommende Woche werden „Full Moon" (Freeride Filmfestival, 6.11., Metropol) und „Through Darkness" (Freeride Filmbase, 8.11. Metropol) in Innsbruck auf der großen Leinwand zu sehen sein. Und obwohl es kaum zu sehen ist, spielt das Licht stets eine Hauptrolle.

In „Full Moon" fahren Jochen Mesle und Max Kroneck unter dem Schein des Vollmonds über Tiefschneehänge des Montafons. Beide tauchen meist nur als Silhouetten auf. Im Stile eines Schwarz-Weiß-Films wird ganz auf Stimmen verzichtet. Niemand erklärt, niemand erzählt, die Bilder wirken. „Die Idee dazu entstand, weil wir beide auf einer Nachttour gemerkt haben, dass wird bei Vollmond keine Stirnlampen benötigen", erzählt Mesle, 31-jähriger Deutscher und seit vielen Jahren Wahl-Innsbrucker. Er und Kroneck bereiteten sich im vergangenen Winter lange auf ihr Projekt vor, checkten im Internet, wann der Mond wie lange wohin leuchtet. In der Praxis stellte sich das Filmen mit einer speziellen Kamera als geringstes Problem heraus. Der Mond habe sich so schnell bewegt, dass sie aufpassen mussten, nicht in den Mondschatten zu fahren. „Dort sieht man wirklich nichts mehr."

Ansonsten waren die Schwünge in der Nacht ein Genuss. Nicht nur, weil die Stille abseits der Skifahrer-Massen des Tages und das Alleinsein am Berg „schon ziemlich magische Momente hatten", wie Mesle sagt. Er hat das Skifahren neu erlebt: „Man ist viel wachsamer, fokussiert auf Details und die Konturen des Hanges. Und das Skifahren ist bei solchen Verhältnissen eine ganz unglaubliche Gefühlssache. Weil man weniger sieht, nimmt man den Untergrund über den eigenen Körper bewusster wahr." Der Film dauert zwar nur sechs Minuten, dafür sechs sehenswerte Minuten: „Wir haben den Berg und das Freeriden in ein neues Licht gerückt", sagt Mesle.

Beide Projekte waren Experimente — in zweierlei Hinsicht. Einerseits war nicht klar, ob das Filmen in der Nacht das gewünschte Ergebnis liefert. Andererseits sollte der Freeride-Film als Kunstfilm inszeniert werden.

In „Through Darkness" ging Manuela Mandl (31) einen Schritt weiter in die Dunkelheit — in die Polarnacht, in der die Sonne nie zu sehen ist. Die Wahl-Innsbruckerin und Freeride-Weltmeisterin reiste mit Kollegin Melissa Brandner ins nördliche Norwegen, nach Tromsö, in der Hoffnung, das sich während des Snowboardens ein Nordlicht zeigt. „Aber das kann man nicht erzwingen. Wenn man etwas erzwingen will, wird es meistens gefährlich. Ich als Filmemacherin, die Leute überredet hat, das zu machen, war schon erleichtert, dass es kurz vor unserer Anreise endlich Schnee gegeben hat vor Ort", spricht die gebürtige Wienerin über bange Momente vor dem Dreh.

Und beim Dreh. Denn die Dunkelheit, das ist ein wesentliches Element des Films, steht für viele Menschen für die Angst. In ihrem Fall hat sie sich beim Freeriden mit Stirnlampen als einziger Lichtquelle schon auch überwinden müssen. „Ich hatte nach zwei Stürzen, einem beim Radfahren und einem danach beim Snowboarden, eine Gehirnerschütterung. So etwas kann wirklich langfristige Nachwirkungen haben. Ich habe etwas das Vertrauen in meinen Körper verloren." Das Filmprojekt soll deshalb vermitteln, wie man durch die dunklen Momente des Zweifelns zurück ans Licht findet. Die Dunkelheit verbindet Mandl aber eigentlich nicht mit Angst. „Für mich ist es Ruhe und Entspannung."

Als Belohnung für ihren Mut, so ein Projekt zu wagen, zeigte sich am Ende wirklich noch das Nordlicht und sie erfüllte sich den Traum, darunter Schwünge in den Schnee zu ziehen. „Alle haben gesagt, ihr seid ja blöd, das ist das Schwerste, was man filmen kann. Aber wenn man eine Vision hat, soll man es einfach versuchen", rät Mandl.

Alpinmesse und Freeride Filmdays

Info. Die Alpinmesse Innsbruck öffnet am Samstag, 9. November (9 bis 19 Uhr), und Sonntag, 10. November (10 bis 17 Uhr), bei der Messe Innsbruck ihre Tore.

Tickets. Das Tagesticket ermöglicht den Eintritt zu Messe, Workshops, Alpinforum (Samstag zwischen 9 und 15 Uhr) sowie Reise- und Impulsvorträgen. Erwachsene 9 Euro, TT-Club-Karte 1 + 1 gratis, Studenten 4,50 Euro, Kinder & Schüler frei. Für die Multivisionsvorträge (Fabian Buhl, Kilian Fischhuber) sowie die Filmfestivals gibt es eigene Tickets. Infos: www.alpinmesse.info

Filmdays. In diesem Jahr haben sich die Innsbrucker Freeride-Filmfestivals einen gemeinsamen organisatorischen Rahmen verpasst und treten vom 5. bis 10. November als „Free­ride Filmdays" auf.

Freeride Filmfestival. Heimische und internationale Filme werden am 6. November im Metropol Kino (20 Uhr) gezeigt, darunter „Full Moon".

Freeride Filmbase. Am Freitag, 8. November, werden im Metropol-Kino (19 Uhr) Filme der Innsbrucker Freeride-Szene präsentiert, darunter „Through Darkness". Infos zu Tickets (u. a. Kombiticket Alpinmesse) und Programm: freeride-filmdays.at