Letztes Update am So, 10.11.2013 07:03

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Freizeit

Auch im Winter grünt es so grün

Die Gemüseernte ist in den meisten Gärten längst abgeschlossen. Doch nicht überall. Denn schön langsam spricht es sich herum, dass man auch mitten im Winter Gemüse ernten kann. Und das geht so.

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© privat



Von Andrea Heistinger

Angenommen, Sie haben einen Gemüsegarten. Oder auch einfach ein paar Tröge am Balkon. Und angenommen, Sie hätten gar nichts dagegen, auch jetzt im Herbst und im Winter frisches – also ich meine wirklich erntefrisches – Gemüse auf dem Teller zu haben. Dann lesen Sie bitte weiter. Wenn Sie finden, dass der Garten im Winter ruhig seinen Winterschlaf halten kann, weil Sie ohnehin in die Südsee fliegen, können Sie trotzdem weiterlesen. Denn dann wissen Sie zumindest, was Ihnen alles entgeht, während Sie am Pool liegend Ihren Ananas-Cocktail schlürfen.

Zwei Methoden eignen sich besonders, um auch mitten im Winter grünes Blattgemüse zu ernten: Wer im Garten noch die eine oder andere Mangoldpflanze stehen hat, kann diese einfach ausgraben, in einen Topf setzen und dann in der Wohnung die frischen Blätter ernten, die aus der dicken, fleischigen Rübe des Mangolds zügig austreiben. Auch die Wurzeln von Petersilie und Fenchel können ausgegraben und indoor im Topf getrieben werden. In Italien hat das Treiben von Wintergemüse eine besondere Tradition.

Hier hat man etwa beim Radicchio Sorten ausgelesen, die besonders dicke Wurzeln ausbilden. Diese Wurzeln werden Anfang November ausgegraben und in Kübeln gesetzt. Die Blätter schneidet man auf 2–3 cm zurück. Dann stülpt man einen zweiten Kübel über und stellt sie in einen warmen Raum (15–20° C). Wenn die Sprossen etwa 15 cm lang sind, sind sie erntereif. Ähnlich lässt sich auch Löwenzahn treiben, dessen Wurzeln man jetzt auch noch einfach auf der Wiese ausgraben und in Töpfe setzen kann.

Wer einen Balkon hat, wo er Mangold in Töpfen kultiviert hat, braucht die Pflanzen gar nicht ausgraben, sondern schneidet die Blätter ab, stellt den Topf einfach in einem Raum hell auf und kann so mit sehr wenig Aufwand noch eine Zeit lang weiterernten.

Doch wenden wir uns wieder den Gärten zu. Um hier auch im Winter frisches Blattgemüse ernten zu können, braucht man ein Gewächshaus oder ein Frühbeet. Das eine oder das andere gibt es ja in den meisten Gärten. Nur liegen sie ab Herbst meist brach, nachdem Gurken, Tomaten und andere wärmeliebende Gemüse geerntet sind. Das ist auch insofern schade, als im Herbst Radieschen und andere Gemüse viel unkomplizierter wachsen als im Hochsommer, denn nun sind keine Schädlinge mehr unterwegs. Für die meisten Gemüse gilt: Im Winter wachsen sie entweder nicht mehr oder sehr langsam. Der Trick für den Winteranbau ist, dass im Spätsommer – bis Mitte September – nochmals gesät und gepflanzt wird. So ist der September der wichtigste Monat für die Winterernte – ähnlich wie der Mai für die Sommersaison. Was im Herbst gesät wurde, wird im Winter besonders geschätzt werden. Solange die Temperaturen über 10° C gehen, wächst das Gemüse.

Viele Gemüse sind frostverträglich, das heißt, auch wenn sie im Gewächshaus einmal über Nacht Frost abbekommen, tauen sie untertags wieder auf und können dann beerntet werden. Dazu zählen Spinat, Vogerlsalat, Winterpostelein, die große und spannende Gruppe der Asia-Salate und Radieschen. Asia-Salate können im ungeheizten Gewächshaus ganzjährig gesät werden. Selbst bei Außentemperaturen von -15° C und Innentemperaturen im Gewächshaus von immerhin -10° C kann Woche für Woche geerntet werden. Das Einzige, was sie nicht vertragen, ist Schneematsch. Die Töpfe müssen daher unter einem Dach stehen. Doch selbst da gibt es noch eine Ausnahme. Der feine Blattsalat „Grün im Schnee“ hält sogar das, was sein Name verspricht: Er kann noch unterm Schnee frisch geerntet werden.