Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 07.09.2016


Gemüseanbau in Tirol

Violette Exoten: In Rum trifft der Kohl jetzt auf die Melanzani

Auf dem Versuchsfeld der Tiroler Gemüsebauern und der Landwirtschaftskammer werden heuer Artischocken und Melanzani geerntet.

Auf dem Versuchsfeld der Tiroler Gemüsebauern beim Karlhof in Rum wird es jetzt zur Erntezeit violett. Trotz der widrigen Wetterbedingungen der heurigen Saison gedeihen dort erstmals in Tirol sechs verschiedene Sorten Melanzani sowie Artischocken.

© Andreas Rottensteiner / TTAuf dem Versuchsfeld der Tiroler Gemüsebauern beim Karlhof in Rum wird es jetzt zur Erntezeit violett. Trotz der widrigen Wetterbedingungen der heurigen Saison gedeihen dort erstmals in Tirol sechs verschiedene Sorten Melanzani sowie Artischocken.



Rum – „Wir wollten weg von Kraut und ,Ruabn‘, uns verbessern, etwas Neues ausprobieren“, sagte Josef Schirmer vom Karlhof in Rum gestern. Das Ergebnis ist auch dieses Jahr wieder bunt. Violett dominiert. Denn auf dem Versuchsfeld, das Schirmer als Obmann der Tiroler Gemüsebauern gemeinsam mit Alfred Unmann von der Landwirtschaftskammer seit Jahren betreut und wo er neue Arten testet, wachsen heuer Melanzani und Artischocken.

Bei Letzteren beginnt jetzt die Erntezeit, die charakteristischen Blütenknospen verfärben sich schon leicht violett. Die Bandbreite der sechs Melanzanisorten reicht von weiß-kugelig über die weiß-violett gestreifte längliche Form bis hin zur bekannten dunkelvioletten Frucht. Dabei ist es gar nicht selbstverständlich, dass sich die mediterranen Gemüsesorten auf Tiroler Boden so gut entwickeln konnten – bei den Kapriolen, die das Wetter heuer geschlagen hat und ohne Pflanzenschutzmittel.

Die Freilandtomaten auf dem Versuchsfeld haben das Experiment nämlich nicht überlebt. Die Süßkartoffeln, die sich 2015 bewährt haben, wachsen in dieser Saison bisher nur sehr zaghaft. Versuche mit Melonen sind dagegen gescheitert, der Knoblauch hat sich wiederum ganz gut gemacht. „Ob wir die Artischocken weiterverfolgen, hängt u. a. davon ab, ob sie sich überwintern lassen. Wir werden versuchen, sie mit Biomullfolie und Stroh zu schützen“, erklärt Unmann. Ob die Artischocke eine Chance in Tirol hat, hängt aber auch von der Nachfrage in der Gastronomie ab. „Mediterranes Gemüse aus Tirol ist ein Highlight“, ist Karl Ischia, Sprecher des Handels in der Wirtschaftskammer, zuversichtlich. Neben Regionalität und Qualität wüssten die Kunden nämlich auch die immer größer werdende Auswahl zu schätzen.

Den Bauern ist es ein Anliegen, „die Buntheit der Tiroler Landwirtschaft widerzuspiegeln“, wie Kammerpräsident Josef Hechenberger sagt. 70 Betriebe hätten inzwischen auf Gemüsebau umgestellt und würden auf 1200 Hektar insgesamt 70 Sorten kultivieren, hauptsächlich im mittleren Inntal. Dort kommen ihnen nämlich der Föhn und das immer wärmer werdende Klima zugute – und was kein Mittelmeerland zu bieten hat: das Tiroler Quellwasser zur Bewässerung. (thm)

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Alfred Unmann, der Gemüse-Experte in der Landwirtschaftskammer, erfreut sich an den hochgewachsenen Rumer Artischocken.
Alfred Unmann, der Gemüse-Experte in der Landwirtschaftskammer, erfreut sich an den hochgewachsenen Rumer Artischocken.
- Andreas Rottensteiner / TT