Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 29.09.2017


Bezirk Landeck

Edler Tropfen reift in

1000 Metern Seehöhe

Die Pfundser Familie Spiss durfte sich kürzlich über die erste Weinlese freuen. „Selfmade-Winzer“ Adelbert keltert seinen ersten Rebensaft.

© weinterFreuen sich über die Weinlese – hinten: Adelbert, Christian, Herta, Markus Spiss, Sandra Spiss-Schatt, Norbert Mark, BM Rupert Schuchter (v. l.); vorne: Stefanie Diethelm, Christopher, Alexander und Raphael Spiss (v. l.).



Von Helmut Wenzel

Pfunds – Im kleinen, aber feinen Weinland Tirol fallen alle paar Jahre die Höherekorde. Den bisherigen Rekord hielt der Prutzer Winzer Claus Aniballi, der Qualitätswein (Grüner Veltliner) in knapp 900 Metern Seehöhe produziert.

Dass Weinreben auch noch in 1000 Metern reifen, beweist die Familie Spiss im Pfundser Ortsteil Birkach. „Weinbau hat mich schon immer interessiert“, verriet Adelbert Spiss, der seine Ernte vor wenigen Tagen in trockene Tücher gebracht hat. Einen noch höher gelegenen Weinbau habe er in Österreich nicht gefunden. „In der Schweiz schon. Da gibt es Weinbau in Lagen über 1000 Metern.“

Das Know-how hat sich der pensionierte Versicherungskaufmann selbst beigebracht, anhand von einschlägiger Literatur. „Beraten hat uns das Forschungs- und Versuchszentrum in Laimburg in Südtirol“, erzählt der leidenschaftliche Neo-Winzer. Dort habe man ihm 2015 den Anbau der Rebsorten „Cabernet Jura“ und „Cabernet Fundus“ (Rotwein) sowie „Solaris“ (Weißwein) empfohlen.

Im Weingut „Vinum Fundus“ reift u. a. die Sorte „Solaris“.
- weiner

Das kleine Weingut „Vinum Fundus“ befindet sich direkt am alten Handelsweg der Römer – an der Via Claudia Augusta. Der lateinische Begriff „Fundus“ ist angelehnt an den Ortsnamen Pfunds und bedeutet so viel wie Boden, Feld bzw. Grund, wie Heimatforscher Robert Klien im Pfundser Dorfbuch erläutert.

„Wir legen beim Weinbau sehr großen Wert auf biologische Grundsätze und Normen“, unterstreicht Spiss. Mit der Qualität der jüngsten Ernte sei er „voll zufrieden“. Anders als bei den Obstbauern habe der schwere April-Frost den Trauben nicht geschadet, weil die Reben erst später blühen. Inzwischen hat der Reifeprozess im Fass begonnen. „Wir sind schon sehr gespannt auf die ersten Verkostungen“, so Spiss. Die Menge sei noch bescheiden, der Hobby-Winzer rechnet mit etwa 100 Flaschen.

Die Premiere einer Weinlese hat auch den Bürgermeister neugierig gemacht. „Zur Ernte und zur ausgezeichneten Traubenqualität kann ich nur gratulieren“, sagte Rupert Schuchter. Er sei überzeugt, dass es ein „sehr gutes Pfundser Tröpferl“ geben wird.