Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 22.05.2018


Genuss

Aus Alt mach Eis: Welche besonderen Sorten heuer im Trend liegen

Gurke-Zitrone, Salzkaramell, Kekseis: Die neuen Sorten können auch heuer nicht Schokolade, Erdbeer und Vanille vom Thron verdrängen. Tiroler „Eisperten“ klären auf.

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Von Deborah Darnhofer

Innsbruck – Nachdem mit den Eisheiligen nun das kalt-nasse Wetter vorbei ist, können wir uns endlich wieder dem „heiligen Eis“ widmen, das uns den Spätfrühling so sehr versüßt. Vor dem Sommer ist nämlich nach der Eis-Produktion und die läuft in Tirol bereits auf Hochtouren.

„Die Natur brauchte den Regen und ein paar Tage Pause waren gut für uns alle“, meint Alessandro Mantovani vom gleichnamigen Eissalon in Telfs. Zurücklehnen konnte sich der Italiener allerdings nicht, galt es doch fleißig weiterzurühren. „Birneneis habe ich vorhin gemacht. Der Renner sind derzeit Topfeneis mit Himbeeren und Vanilleeis mit Orangen und Kaffeesauce.“

Dem Einfallsreichtum zum Trotz würden aber nach wie vor die „klassischen Sorten“ Erdbeer, Vanille und Schokolade am meisten im Becher oder der Waffel landen. Seit Jahren behaupten sie ihren Platz am eisigen Thron, das belegen die alljährlichen Umfragen. Tirols Eis-Experten können sich die Vorliebe aus mehreren Gründen erklären: Einerseits würden viele Kunden schlicht die immer gleichen Sorten favorisieren. Hinter vorgehaltener Hand gilt der bekannte Spruch: „Was der Bauer nicht kennt, (fr)isst er nicht.“

Andererseits seien die drei Klassiker „ein Gradmesser für Qualität“, sagt Helga Peintner von der gleichnamigen Konditorei in Innsbruck, die gerade ihr 60-Jahr-Jubiläum feiert. An den Sorten ließe sich die Handwerkskunst, die derzeit zu natürlichen Geschmacksträgern greift und auf künstliche Aromen verzichten will, schnell erkennen.

Weil es gleichzeitig aber auch „sehr testfreudige Kunden“ gebe, müssen sich die Eismacher nicht nur auf Schokolade, Erdbeeren und Vanilleschoten stürzen. Heuer rufen Peintner und Mantovani einen „Trend zu Fruchteissorten“ aus, diese suggerieren „leichten“ Genuss. So ist ein Mascarpone-Eis mit Tiroler Preiselbeeren bei Peintner das Eis des Monats. „Bald kommt Mangosorbet und Holunder-Granatapfel-Eis dazu. Die Hollerblüten kommen dafür aus dem eigenen Garten“, gibt Peintner ein Bekenntnis zur Region ab.

Neben den Früchten seien Kekskrümel das Gebot der Gefrierstunde. „Die Kombination aus Kauen und Schlecken löst sensorisch ein Erlebnis aus“, ist Peintner überzeugt. Ihr Ehemann bestückt daher dunkles Schokoladen-Eis mit Browniestücken und bietet zitroniges „Lemoncake“-Eis.

Immer mehr Kekssorten im Eis finden sich auch im Il Gelato von Silvio Mercaldi und Gianna Soravia in Lienz. „Schwarz-weiße Oreokekse oder klassische Mannerschnitten sind gerade sehr beliebt“, erklärt Soravia. Ihre liebsten Sorten seien heuer aber „Toffee mit Salzkaramell“ und Erdnussbutter-Eis.

„Das Toffee-Eis ist leicht salzig. Es klingt ungewöhnlich, kommt aber gut an. Salziges liegt im Trend“, meint Soravia. Der salzig-süßen Kombination wird auch anderswo, unter anderem in Innsbruck, gehuldigt. Die Tiroler seien neben den Klassikern jetzt eben auch bereit für mehr Experimente.

„Hinzu kommt, dass es schon länger den Trend gibt, Zucker mit viel Bedacht einzusetzen“, erklärt Peintner. Ganz auf den süßen Stoff können die Eismacher allerdings nicht verzichten: „Man braucht Zucker, damit das Eis cremig bleibt.“

Für Laura Mesmer kommt hingegen Kugeleis gar nicht in die Tüte. Die gebürtige Schwabin aus Tübingen mochte es schon als Kind nicht. Seit einem Jahr stellt sie nun ihr eigenes Stieleis her, das sie unter dem Namen „Hitzefrei“ bereits in einigen Innsbrucker, Haller und Münchner Lokalen vertreibt.

Die Form der Darreichung – ob Waffel oder Holzstiel – mag anders sein, doch auch hier gilt die festgefrorene Regel: Klassik vor Moderne. „Erdbeer ist der Renner. Da kann man machen, was man will“, meint Mesmer. Andere Eigenkreationen wie Heidelbeer-Banane, Himbeer-Cheesecake oder Gurke-Zitrone rangieren in der Hitliste weiter hinten.

„Wenn die Temperaturen hoch bleiben, ist eher Fruchteis gefragt“, glaubt Mesmer. Sie zeigt sich aber auch erfinderisch und hat alkoholisches Eis (Hugo, Pina Colada, Gin Tonic) im Angebot. Das klingt verlockend und doch wagen weniger Kunden als erwartet den Versuch. „Ich hätte mir eher gedacht, dass ungewöhnliche Sorten gut ankommen. Doch die Leute stehen einfach auf Erdbeereis.“

Altes hin, Neues her – die heißen Tage versprechen auf vielerlei Arten eisig zu werden. Die Sorten variieren dabei ebenso stark wie die Ausgaben: Von 1,10 in Lienz über 1,40 in Telfs und 1,50 in Innsbruck bis zu 3,20 für Stieleis reicht die Preispalette.




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