Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 19.07.2018


Genuss

„Unsere Bauern müssen selbstbewusster werden“

Die „Genussspechte“ wollen Wipptaler Produkte fördern. Davon müssen nicht nur die Verbraucher überzeugt werden, sondern auch die Produzenten.

© Kreativstadl.TirolBei den „Genussspechten Wipptal“ ist auch ein Züchter von Braunen Bergschafen in Trins dabei.



Von Denise Daum

Steinach a. Br. – Was haben ein Fischzüchter aus Gries, eine Sommelière aus Steinach, ein Schafzüchter aus Trins, eine Naturkosmetik-Produzentin aus Gschnitz, ein Schnapsbrenner aus Navis und die Wirtin der Sattelbergalm gemeinsam? Sie gehören den „Genussspechten Wipptal“ an. Insgesamt 25 Produzenten, Gastronomen, Handels- und Kulturtreibende zählt der Verein mittlerweile. Gegründet hat die Genussspechte vor zwei Jahren Gabi Gatscher, „um die Regionalität in allen Bereichen zu fördern und die Leute zum Zusammenarbeiten zu bringen“, sagt die Obfrau. Gatscher hat über die Grenzen des Wipptals hinaus einen Namen als Betreiberin der „Pumafalle“ in Gschnitz. Dort hat sie über Jahre die Gäste mit ihren Kochkünsten beglückt, vor Kurzem hat sie den Betrieb verkauft.

Anfangs sei es nicht leicht gewesen, Mitglieder für die „Genussspechte“-Idee zu finden. Sowohl auf Seiten der Produzenten als auch bei den Gastronomen: „Es braucht viel Bewusstseinsbildung. Für Gastronomen ist es oft abschreckend, dass die Bauern ihre Ware nicht immer liefern können wie ein Großproduzent. Da muss man dann flexibel sein und gegebenenfalls auch einmal auf andere Produkte ausweichen. Solange die Gäste ehrlich über die Herkunft informiert werden, ist das nicht schlimm“, betont Gatscher. Zugleich mussten Bauern und Co. im Wipptal motiviert werden, ihre Ware verfügbar zu machen. Den Bauern fehle oft das Selbstbewusstsein. „Ihnen wurde zu lange eingeredet, dass ihre Produkte nichts wert sind“, sagt die Obfrau. „Ein gutes regionales Produkt findet seine Abnehmer.“ Gleichzeitig stellt sie klar, dass die Plattform der „Genussspechte“ mit der regionalen Vermarktung nur den Rahmen schaffen könne. „Die Produzenten brauchen Geduld. Die Leute rennen dir nicht gleich die Bude ein und es ist auch nicht so, dass es sofort in der Kasse klingelt.“

Die leidenschaftliche Köchin Gabi Gatscher möchte regionale Produzenten und Gastronomiebetriebe zusammenführen.
- Kreativstadl.Tirol

Um die Bewusstseinsbildung für nachhaltige und regionale Ernährung weiter voranzutreiben, organisieren die „Genussspechte“ mit dem „Welthaus Innsbruck“ das Jahresprojekt „Unser Essen in unseren Händen“. Zwischen September 2018 und Oktober 2019 finden im Wipptal zahlreiche Veranstaltungen statt, bei denen alles, was dort produziert wird, bekannt gemacht werden soll.