Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 28.08.2018


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Tiroler Foodcoops: Den Warenkorb mit Regionalem füllen

Bei vielen Tirolern wächst immer mehr der Wunsch nach Lebensmitteln, die direkt vom Bauern kommen. Foodcoops machen dies möglich.

© Getty Images/iStockphotoFrisches Gemüse und Obst aus der eigenen Region stehen im Mittelpunkt der Foodcoops.



Von Evelin Stark

Innsbruck — Trauben aus Südafrika, Gurken aus Italien, Salat aus Spanien: So oder so ähnlich sieht das Angebot in den Obst- und Gemüsefächern unserer Supermärkte aus. Immer mehr Konsumenten wehren sich jedoch gegen die globale Lebensmittelproduktion und wünschen sich mehr Produkte aus der eigenen Region auf ihren Tellern.

Einen großen Schritt in Richtung regionaler Handel gehen so genannte Foodcoops (Lebensmittelkooperativen). Bei einer Foodcoop schließen sich mehrere Personen oder Haushalte zusammen und organisieren gemeinsam den Einkauf direkt von den Produzenten ab Hof. Der Bogen spannt sich vom kleinen Verein, der von ehrenamtlicher Mitarbeit getragen wird, bis zur professionell organisierten Kooperative.

Das Grundprinzip ist bei allen gleich: den Zwischenhandel durch die Supermärkte zu umgehen und eine faire Partnerschaft zwischen Produzenten und Konsumenten zu schaffen. Damit wird die Landwirtschaft gestärkt und Verpackungsmaterial gespart. Die Menschen holen sich mehr Mitspracherecht beim Angebot und die Gemeinschaft wird gefördert.

Die ersten Foodcoops wurden bereits im 19. Jahrhundert in England gegründet. Seit den 1970er-Jahren boomt das Konzept weltweit und es gibt weit mehr als 10.000 Foodcoops. In Tirol sind es derzeit vier — drei davon in Innsbruck und eine Kooperative ist in Vomp. „Wir haben angefangen, weil wir faire Bedingungen für die Bauern und uns Konsumenten schaffen wollten", sagt Barbara Czerny von der ältesten Tiroler Foodcoop „Kooperation zum Fruchtgenuss" in Innsbruck. Dabei sei die Motivation der 70 Mitglieder-Haushalte, dass die nachhaltige, biologische Landwirtschaft gefördert und verpackungsreduziert konsumiert werde.

„Es wird genau die Menge vom Bauern bestellt, die auch tatsächlich gebraucht wird", erklärt Czerny. So gewährleiste man eine faire Partnerschaft. In der Praxis geht das so: Über eine eigens entwickelte Software können die Foodcoop-Mitglieder jede Woche ihre Waren im Internet bestellen. Mittwochabend werden dann die bestellten Lebensmittel von den Bauern in die Vereinsräumlichkeiten geliefert. Hier können alle ihre Produkte bis Freitag abholen. „Wir sind eine selbst organisierte Kooperative. Das funktioniert nur, wenn jeder mitarbeitet", so Czerny.

Das bestätigt auch Elias Dechent. Der Labortechniker ist seit einem Jahr Mitglied der Innsbrucker Foodcoop „Barefood": „Jeder von uns hilft in einem bestimmten Bereich mit. Ich selber bin zum Beispiel im Produzententeam. Wir kommunizieren mit den Bauern und kümmern uns darum, dass sie zufrieden sind", sagt Dechent.

Die einzigen zusätzlichen Kosten zu den Lebensmitteln sei ein kleiner monatlicher Mitgliedsbeitrag, der für laufende Vereinskosten, wie etwa die Miete des Lagerraumes, verwendet würde. „Trotzdem ist es preislich eine sehr günstige Variante, regionale Produkte zu beziehen." Und diese Variante bringt schlussendlich allen Beteiligten was.

Links zu den Foodcoops: www.foodcoop-fruchtgenuss.at , www.barefood.at