Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 02.02.2019


Osttirol

Vom gesunden Apfel über die Maische zum Schnaps

Heute laden Magdalena und Friedl Webhofer zum öffentlichen Schaubrennen zweier Apfelschnäpse in ihren Brennstadel.

Ein feiner Apfelschnaps, destilliert aus seinen besten Früchten, das ist eine Spezialität von Friedl Webhofer aus Gaimberg.

© Christoph BlassnigEin feiner Apfelschnaps, destilliert aus seinen besten Früchten, das ist eine Spezialität von Friedl Webhofer aus Gaimberg.



Von Christoph Blassnig

Gaimberg – Zwischen 16 und 23 Uhr kommen und gehen die Leute, wie sie möchten. Es gibt Schmankerln aus der bäuerlichen Nachbarschaft am Buffet, Apfelsaft aus eigener Erzeugung und natürlich Produkte aus dem Hofladen.

„Wir halten das bei uns ganz bewusst unkompliziert“, lächelt Friedl Webhofer. Vor zehn Jahren hat der Apfelbauer mit dem Schnapsbrennen begonnen und eine edle Anlage installieren lassen. Nach regem Interesse im Vorjahr veranstaltet die Familie auch heuer wieder öffentliche Brenntage. Heute ist ein solcher. „Immer wieder haben sich Tourismusbetriebe eine Veranstaltung für ihre Gäst­e gewünscht“, erzählt Webhofer. Gemeinsam mit dem Tourismusverband habe man dann die Brenntage entwickelt. Anleihe nimmt die Familie bei Buschenschanken im Osten Österreichs. Gastlichkeit und Geselligkeit, das schätze er selbst daran und genau das wolle er auch anbieten, sagt der Gaimberger Apfelfachmann. Für zwölf Euro bekommt der Gast ein Jausenbrettl und darf aus den kulinarischen Köstlichkeiten nach Herzenswunsch wählen, sich unterhalten, die Atmosphäre im urigen Brennstadel genießen, oder dem leidenschaftlichen Schnapsbrenner bei seiner Arbeit über die Schulter schauen. „Fragen sind ausdrücklich erwünscht“, gibt Webhofer gern­e Auskunft.

In zwei Fässern zu je 180 Litern hat er für den heutigen Abend vor zwei bis drei Wochen zermahlene Äpfeln zur Gärung angesetzt. Eine Stunde bevor die Gäste kommen, pumpt der Obstbauer die Maische in den Brennkessel. Denn bis dieser die Betriebstemperatur erreicht hat, vergehen zwei Stunden. Schließlich erreicht der Dampf über Leitungen und drei Zwischenstufen die Abnahmestelle der destillierten Kostbarkeit. Hier wird es auch für die Riech­organe der anwesenden Gäste interessant. „Man braucht eine feine Nase und Fingerspitzengefühl, damit man den richtigen Zeitpunkt nicht verpasst“, erklärt Webhofer. Der Vorlauf von gut einem halben Liter ist nicht genießbar, war früher jedoch als Einreibung für Mensch und Tier geschätzt. „Damit lässt sich wunderbar Arnikaschnaps ansetzen“, weiß der Fachmann. Der Mittellauf beinhaltet die gewünschten Aromen und Geschmacksstoffe, nur drei bis vier Liter Schnaps gewinnt der Brennmeister aus einem Maischefass. Der Vorgang dauert bis zu drei Stunden. „Die Besucher staunen, wie zeitaufwändig die Sache ist und wie wenig am Ende herauskommt“, schmunzelt Webhofer. Umso mehr freue ihn jedes Mal aufs Neue die gesellige Runde, die seine Arbeit neugierig begleitet.

Friedl Webhofer aus Gaimberg.
Friedl Webhofer aus Gaimberg.
- Christoph Blassnig

Mit den fünf bis sechs Litern Nachlauf lassen sich nach der Reinigung mit Aktivkohle und erneutem Destillieren zum Beispiel Fruchtliköre ansetzen. Es gibt heuer nur noch zwei weitere Termine: am 9. und am 16 Februar. Beginn ist jeweils wieder um 16 Uhr.