Letztes Update am So, 28.04.2019 07:21

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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Manner Schnitten bis Mozartkugeln: Österreichs süßeste Versuchungen

Aus Österreich kommen einige Süßigkeiten, die sich zu Klassikern entwickelt haben. Die allseits bekannte Mozartkugel feiert ihren 110. Geburtstag. Zum Kaffee bei der Oma gehört jedoch die Manner Schnitte dazu. Was ist am beliebtesten? Ein Test.

Katzenzungen erinnern Sophia Schwärzler an Oma’s „Nachspeise“.

© Thomas Boehm / TTKatzenzungen erinnern Sophia Schwärzler an Oma’s „Nachspeise“.



Text: Manuel Lutz

Familie Zeidler bevorzugt für besondere Anlässe ebenfalls die Marzipankugeln.
Familie Zeidler bevorzugt für besondere Anlässe ebenfalls die Marzipankugeln.
- Thomas Boehm / TT

Das Wetter könnte nicht besser sein an diesem Mittwoch. Die Leute bummeln durch die ­Innsbrucker Maria-Theresien-Straße von Geschäft zu Geschäft. Andere kehren gerade von der Mittagspause zurück zu ihrem Arbeitsplatz. Ein kleiner süßer Snack ist für Zwischendurch genau das Richtige.

Süßer Bezug zu Hobbys

Tom Perwein mag am liebsten die Manner Schnitten: „Die hat’s daheim immer gegeben.“
Tom Perwein mag am liebsten die Manner Schnitten: „Die hat’s daheim immer gegeben.“
- Thomas Boehm / TT

Zur Auswahl haben die Passanten vier heimische Klassiker: Mozartkugeln, Manner Schnitten, Schwedenbomben und Katzenzungen. Was ist wohl die beliebteste Nascherei hierzulande und welche Süßigkeit weckt Erinnerungen an die Kindheit oder andere Erlebnisse?

Die beiden Freundinnen Sara Hawelka aus Telfs und Romana Leitner aus Trins sind sich zwar oft einig, bei der Frage nach ihrem Favoriten teilen sich die Meinungen jedoch. Nicht nur der Geschmack, sondern auch der Grund, warum es Mozartkugeln gibt, macht die Wahl für Hawelka einfach: „Allein wegen Mozart, und weil ich selbst Klavier spiele, ist die Wahl klar.“ Ihre Freundin ist hingegen eine Tierliebhaberin und greift daher sofort zu den Katzenzungen.

Maximilian bekommt gleich wie sein Papa Oliver Miller in jungen Jahren eine Mozartkugel.
Maximilian bekommt gleich wie sein Papa Oliver Miller in jungen Jahren eine Mozartkugel.
- Thomas Boehm / TT

Dass die beiden Produkte von zahlreichen verschiedenen Herstellern produziert werden, ist egal. Die originale Mozartkugel stammt klarerweise aus Salzburg. 1890 kreierte Konditor-Meister Paul Fürst knapp 100 Jahre nach dem Ableben des weltberühmten Komponisten eine süße Erinnerung an ihn. Bis zur Jahrhundertwende wurde die Spezialität Mozart-Bonbon genannt. Ab 1909 hatte Fürst durch Victor Schmid einen neuen Konkurrenten. Da die Nachfrage hoch war, erzeugte Schmid die Schokolade erstmals nicht händisch. Vor 19 Jahren wurde das Unternehmen von Manner übernommen.

Firmenübernahmen

Hannes Strand mag den Geschmack der Mozartkugeln gerne.
Hannes Strand mag den Geschmack der Mozartkugeln gerne.
- Thomas Boehm / TT

Die Firma aus Wien hat mit den Manner Schnitten noch einen Mitstreiter bei der Suche nach den populärsten Naschereien Österreichs im Sortiment. Gleich wie die Mozartkugel tauften die Wiener Schöpfer die Manner Schnitten anfangs anders. Vor 121 Jahren kam das Original erstmals unter dem Namen „Neapolitaner Schnitte No. 239“ auf den Markt und wurde lose verkauft. Damit ist das Geheimnis gelüftet, warum die eigene Oma immer „Neapolitaner“ für die Enkel kaufte.

Nicht nur Name und Verpackung haben sich über die Jahre geändert. Auch der Geschmack, wie Gitti aus Patsch anmerkt: „Die Manner sind nicht mehr wie früher. Ich kenn die seit gefühlten 100 Jahren. Jetzt brö­seln sie und haben nicht mehr diesen einzigartigen Geschmack wie früher.“ Daher ist die Wahl einfach – es wird eine Schwedenbombe. Und schon wird herzhaft reingebissen.

Die Manner Schnitten mag Gitti aus Patsch nicht mehr – daher fiel die Wahl auf die Schwedenbomben.
Die Manner Schnitten mag Gitti aus Patsch nicht mehr – daher fiel die Wahl auf die Schwedenbomben.
- Thomas Boehm / TT

Dabei hätte es das Meisterwerk von Niemetz um ein Haar nicht mehr gegeben. 2013 stand das Unternehmen vor dem Aus. Innerhalb von fünf Tagen konnten auf Facebook 10.000 treue Fans der cremig-schaumigen Süßigkeit gefunden werden. Die Marke gewann schnell an Wert und fand einen neuen Eigentümer. Die Schulden konnten beglichen werden.

Mozartkugeln gewinnen

Von den zahlreichen Fans im sozialen Netzwerk ist in Innsbruck an diesem Tag nicht viel zu sehen. Bei dieser Umfrage muss sich die Schoko-Sahne-Kreation mit dem letzten Platz begnügen. So setzt sich die Mozartkugel knapp vor der Manner Schnitte als Sieger durch. Der Grund? „Sie schmecken gut und man bekommt sie nicht so oft“, meint Hannes Strand dazu. Stefanie und Carsten Zeidler sehen das gleich. Zudem ist es für die Deutsche eine Kindheitserinnerung: „Ich habe die Mozartkugeln immer von meiner Oma bekommen.“

Daher wählt auch Oliver Miller für sich und seinen Sohn Maximilian die Marzipankugeln aus. Der Bub genießt die Schokolade in seinem Kinderwagen in aller Ruhe.




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