Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 31.03.2016


Pollenflug

150.000 Tiroler

sind verschnupft

Diese Woche sollen die Birken zu blühen beginnen. Experten erklären, worauf Allergiker wirklich reagieren und wie sie sich wappnen können.

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Von Theresa Mair

Innsbruck – Sobald der Frühling in der Luft liegt, reagieren Pollenallergiker verschnupft: geschwollene Augen, Niesanfälle, tropfende Nase, kratzender Hals und Husten.

„Wahrscheinlich wird die Birke noch in dieser Woche zu blühen beginnen. Sie hat von den Frühjahrsblühern die höchste Allergenität. Am schlimmsten ist es für Allergiker, wenn es plötzlich innerhalb weniger Tage zu voller Blüte kommt“, hat Notburga Oeggl-Wahlmüller vom Pollenwarndienst Tirol bescheidene Nachrichten für Betroffene.

Die Esche stehe gerade noch in der Blüte, während Hasel- und Erlen-Allergiker wieder aufatmen dürften. Ende April und im Mai seien dann Gräser und Kräuter an der Reihe. Erst Ende September kehre mit dem letzten verblühten Ragweed und Beifußkraut wieder Ruhe in der Luft ein.

„Es sind leider nur noch der Oktober und der November pollenfrei“, sagt Oeggl-Wahlmüller. Allergiker seien generell längere Zeit den Pollen ausgesetzt. „Seit 1996 sehen wir, dass der Start der Frühjahrsblüte 10 bis 14 Tage früher einsetzt.“ Am wirksamsten sei dann Vermeidung: „Bis Ende April weicht man am besten in die Höhen aus, nach Obergurgl oder Galtür.“

Schätzungsweise 150.000 Tiroler sind Pollenallergiker – ­also gut 20 Prozent. „Es hat lange Zeit eine Zunahme gegeben, langsam pendelt sich die Zahl der Betroffenen auf hohem Niveau ein“, sagt Norbert Reider, Leiter der Allergieambulanz an der Uni-Klinik für Dermatologie in Innsbruck.

Als eine Ursache für die vermehrte Überempfindlichkeit komme die so genannte Hygiene-Hypothese in Frage. „Früher hatte das Immunsystem damit zu tun, z. B. Lebensmittelvergiftungen oder Wurminfektionen abzuwehren. Das gibt es heute seltener. Es wird vermutet, dass sich das Immunsystem eine neue Aufgabe sucht, überreagiert und Feinde bekämpft, die gar keine Feinde sind.“ Und zwar, indem es die ungiftigen Pollen im Körper angreift. Allerdings mache die Umweltverschmutzung die Blütenpollen aggressiver. „Allergiker reagieren auf die Eiweißbestandteile in Pollen. Diese werden von der Pflanze zur Abwehr von Feinden, also auch Abgasen, produziert.“

Apropos Eiweiß: Kreuzallergien entstehen, weil das Immunsystem z. B. nicht zwischen dem Protein von Äpfeln, Nüssen oder Birkenpollen unterscheidet. „Botanisch unterschiedliche Pflanzen können Eiweiße produzieren, die sich von der Struktur her ähneln“, erklärt Reider. Vor allem Birkenpollenallergiker würden von rohem Stein- und Kernobst, Mandeln oder Haselnüssen Symptome wie Juckreiz, Schwellungen der Mundschleimhaut und Halskratzen bekommen. „Pollenassoziierte Nahrungsmittelallergien sind meist mehr unangenehm als gefährlich“, beruhigt er.

Anders sei dies bei seltenen Kreuzallergien zwischen Beifußpollen, Sellerie und Gewürzen. „Da kann es auch zu Atemnot, Hautausschlägen und Kreislaufproblemen kommen.“ Die meisten Heuschnupfen-Diagnosen werden im Alter von fünf bis 25 Jahren gestellt – aber die Allergie kann genauso Dreijährige und 60-Jährige treffen. Dagegen kann man sich nicht wappnen. Antihistaminika sind laut Reider gut verträgliche Mittel, um die Symptome zu bekämpfen. Auch mittels Akupunktur könnten akute Beschwerden gelindert werden.

Nur eine Hypersensibilisierung bekämpfe die Ursache. „Mit Spritzen oder Tabletten werden die allergieauslösenden Eiweiße der Pollen zugeführt, bis der Körper lernt, dass er sie nicht bekämpfen muss.“ Bei 75 Prozent führe diese Therapie nach drei Jahren zum Erfolg. Je jünger der Patient, je weniger Allergien er hat und je kürzer die Zeit seit Krankheitsbeginn desto besser seien die Aussichten. „Bei richtigem Heufieber hat man beträchtliche Beschwerden.“ Bronchitis und Reizhusten sind Warnzeichen. „Die Hauptgefahr ist, dass andere Allergien dazukommen. Ein Viertel der Inhalationsallergiker bekommt mit der Zeit Asthma. Wenn man die Signale ernst nimmt, kann man dies verhindern. Sonst kann sich chronisches Asthma entwickeln, das bleibt.“ Auch wenn keine Pollen fliegen.

Pollen meiden

1. Frühmorgens das Haus verlassen. Ab der Mittagszeit bis zum späten Abend breiten sich die Pollen aus. Für das Auto gibt es Pollenfilter.

2. Hut und Sonnenbrille sorgen dafür, dass sich die Blütenpollen möglichst nicht in den Haaren verfangen und die Augen weniger reizen.

3. Abends Haare waschen und duschen, um die Allergene nicht mit ins Bett zu nehmen. Kleidung im Bad lassen.

4. Wäsche regelmäßig waschen, aber drinnen trocknen lassen.

5. Der Pollenwarndienst bietet auf www.pollenwarndienst.at weitere Infos u. a. zur aktuellen Pollenbelastung.