Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 06.07.2017


Gesundheit

Tirols schlaue Schüler trinken Wasser

Die ECO Telfs und die BHAK Wörgl haben süßen Säften Schulverbot erteilt. Die „Schlau trinken“-Sieger fühlen sich fit und leistungsfähig.

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© Rudy De Moor / TT



Von Theresa Mair

Innsbruck – Ein Liter Wasser bis 13 Uhr. Anhand dieser Faustregel, aber nicht nur damit, haben sich die Schüler – mitunter auch Lehrer – der ECO Telfs und der BHAK Wörgl in diesem Schuljahr schlau getrunken. „Am Anfang waren die Schüler skeptisch, aber jetzt sagen einige, dass sie sich fitter fühlen, weniger Kopfweh haben und sich besser konzentrieren können“, sagt Sandra Hagele-Pult, Lehrerin und Koordinatorin des Projekts „Schlau trinken“ an der ECO Telfs.

Eine Win-win-Situation für Schule und Schüler also. Denn 21 österreichische Schulen haben beim Wettbewerb „Schlau trinken“ mitgemacht, der vom vorsorgemedizinischen Institut Sipcan gemeinsam mit der Firma Rauch Fruchtsäfte ausgerufen wurde. Die beiden Tiroler Schulen sowie die HLW Annahof in Salzburg haben heuer gewonnen.

Süße Getränke tragen erheblich zur täglichen Kalorienzufuhr bei. Dafür will Sipcan mit dem „Schlau trinken“-Schulprojekt unter den 10- bis 18-Jährigen Bewusstsein schaffen. Das Ziel ist die Verhinderung von Übergewicht und Folgeerkrankungen wie Diabetes. Immerhin sind gemäß einer Sipcan-Studie von 2016 in Tirol bereits 30 Prozent der 14-Jährigen übergewichtig oder adipös – also fast jeder Dritte.

Eine Forderung an die Wettbewerbsteilnehmer war daher: 80 Prozent der Getränke, die am Buffet oder in Automaten angeboten werden, sind Wasser, ungesüßte Tees, gespritzte Fruchtsäfte und Getränke, deren Zuckergehalt 7,4 Gramm pro 100 Milliliter nicht überschreitet, wie Sipcan-Ernährungswissenschafter Manuel Schätzer erklärt. Mindestens die Hälfte der Lehrer müssen zudem das Trinken während der Schulstunde erlauben. Die regelmäßige Beschäftigung mit dem Trinken im Unterricht war eine weitere Bedingung.

Ein Kinderspiel für die Wörgler Handelsakademie: Die Schule wurde erst im September von Land und Gebietskrankenkasse mit dem neuen Gütesiegel „Gesunde Schule“ ausgezeichnet. „Die Schüler bekommen von mir zu Jahresanfang eine Glasflasche, die sie mit Wasser befüllen können. Im Unterricht dürfen sie Wasser – aber nur Wasser! – trinken“, betont Direktorin Sigrid Steiner. Die HAK wollte die Schüler schon seit Längerem für gesundes Trinken sensibilisieren. Steiners 700 Schüler seien – trotz lockender Fast-Food-Filiale direkt vor der Haustür – von sich aus sehr gesundheitsbewusst. Beweis: „Wir haben das Wassertrinken in die Hausordnung aufgenommen. Dafür braucht es die Zustimmung der Schülervertreter.“

So weit geht die Telfer ECO zwar – noch – nicht, Hagele-Pult will „Schlau trinken“ aber weiterhin fördern. „Wir werden versuchen, auch noch die übrigen Lehrer zu motivieren, das Wassertrinken im Unterricht zu erlauben. Der jährliche Projekttag zu gesundem Trinken soll für alle erste Klassen Standard werden und die Automaten sind ja schon umgestellt.“ Ihre Schüler seien beim Ausfüllen des Sipcan-Trinkpasses schockiert gewesen, wie viel Zucker in den Getränken enthalten ist. „Das haben sie wirklich nicht gewusst“, sagt Hagele-Pult. Ein Aha-Effekt, der hoffentlich anhält.

Trinken ja, aber zuckerfrei

7,4 Gramm Zucker pro 100 ml ist der Grenzwert, den Sipcan für Getränke vorsieht. Dieser Wert ist berechnet aus der WHO-Empfehlung, dass weniger als zehn Prozent der täglichen Energieaufnahme aus zugesetztem Zucker erfolgen soll. Ausgehend von 2450 kcal durchschnittliche tägliche Energiezufuhr bei 13- und 14-Jährigen liegt die Obergrenze laut Sipcan bei 60 g Zucker täglich. Mit einem halben Liter gesüßtem Getränk (7,4 mg/100 ml) soll maximal die Hälfte inkl. 25 % Toleranz des Tageslimits erreicht werden.

Ein einjähriges Kind braucht etwa 600 Milliliter Flüssigkeit durch Getränke pro Tag. Ein zehnjähriges Kind sollte einen Liter trinken. Ab 15 Jahren gelten eineinhalb Liter pro Tag als Referenzwert. Schon bei „leichter Dehydrierung kommt es zu Einbrüchen bei der Konzentrationsfähigkeit“, erklärt Sipcan-Experte Schätzer.

Getränkecheck: Unter www.sipcan.at können Getränke auf ihren Zucker- und Süßstoffgehalt überprüft werden. Rot markierte Säfte fallen durch. Grüne erfüllen die Kriterien.




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