Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 31.08.2017


Gesundheit

Auf die Regel kann Frau verzichten

Das Wiener Gynmed-Ambulatorium spricht sich für die pausenlose Einnahme der Antibaby-Pille aus.

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Wien – Einmal im Monat leiden viele Frauen – körperlich und psychisch. Die Menstruation stört ihr soziales Leben, ihr Sexualleben, Arbeit und Sport. Wie Gynmed – ein Ambulatorium für Schwangerschaftsabbruch und Familienplanung in Wien – in einer Aussendung berichtet, hat dies nun auch die Befragung von mehr als 5700 Frauen aus zwölf europäischen Ländern bestätigt. 57 Prozent der Frauen wünschen sich demnach weniger oft eine Monatsblutung.

„Mit der kontinuierlichen Anwendung der Pille, des Verhütungsrings oder -pflasters im so genannten Langzyklus kann man dies erreichen. Frauen leiden damit statistisch signifikant weniger oft unter Kopf- und Bauchschmerzen und erleben mehr Wohlbefinden als Frauen unter normalem Einnahmeschema mit künstlicher monatlicher Entzugsblutung“, erklärt der Mitautor der Studie und Gynäkologe Christian Fiala.

Frauen, die mit Pille, Ring oder Pflaster verhüten, haben keine natürliche Monatsblutung. Diese wird vielmehr durch eine einwöchige Einnahme-Pause künstlich ausgelöst. Die Erfinder der Pille führten die Pause in den 60er-Jahren aus Marketingüberlegungen ein. Frauen sollte die Illusion eines ‚natürlichen‘ Zyklus geben werden, um die Akzeptanz der Pille zu erhöhen, ist in der Gynmed-Aussendung nachzulesen. „Nun, mehr als 60 Jahre später, wäre es Zeit, diesen historischen Irrtum zu korrigieren und Frauen über ihre Möglichkeiten ehrlich zu informieren“, so Fiala.

Ohne Pillen-Pause gehe es Frauen nicht nur besser: Sie seien auch wirksamer vor ungewollten Schwangerschaften geschützt. Das zeige eine weitere Studie, an der das Gynmed teilnahm. Einerseits seien nämlich Einnahmefehler seltener, andererseits führten diese nicht gleich zu einer Schwangerschaft. „Aus medizinischer Sicht ist der Langzyklus am sinnvollsten. Er ist sicher und führt nach Absetzen der Pille rasch zu normalen Zyklen“, sagt Fiala. „Die Zulassungsbehörden sollten jetzt Frauen über die reduzierte Wirksamkeit hormoneller Verhütung bei einer Einnahmepause pro Monat informieren.“ (TT)